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Deutschland: Entgelt nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht (BA)

Was Menschen verdienen, nicht ob sie arbeiten — die BA-Entgeltstatistik zum Stichtag 31.12.2024. Eine eigene Kennziffernfamilie mit eigener Quelle und eigenem Zeitbezug; sie steht neben dem Beschäftigungsblock, nicht in ihm.

Zum Lesen dieser Zahlen
Vier Messungen derselben Lohnlücke ergeben 30, 16, 8 und 6 Prozent — dieselbe Frage, dasselbe Land, dasselbe Jahr. Deshalb steht das Methodik-Vorwort hier vor jeder Zahl nach Staatsangehörigkeit: Wer erst an den Geschlechtern gesehen hat, wie stark eine Messkonvention das Ergebnis bewegt, liest die Migrationszahlen danach richtig. Die vier Werte sind ausdrücklich nicht ineinander umrechenbar — sie sind vier Messungen, keine Rechenkette.
Entgelt ist eine andere Kennziffer als die Beschäftigungsquote darüber — und gehört auf keine gemeinsame Achse mit ihr. Andere Quelle (BA-Entgeltstatistik statt Migrationsmonitor), anderer Zeitbezug (Stichtag 31.12.2024 statt Stichmonat Mai 2026), andere Einheit: Euro-Beträge und Prozentquoten teilen sich hier keine Skala. Ebenso getrennt bleiben die ukrainischen Zahlen der Einreisekohorte vom BA-Wert für die Staatsangehörigkeit Ukraine — das ist nicht dieselbe Grundgesamtheit.

Vier Messungen einer Lohnlücke

Wie groß ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland? 30, 16, 8 oder 6 Prozent — vier Messungen, ein Land, dasselbe Jahr

Jedes Jahr im Februar wird in Deutschland über die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern gestritten, und fast immer streiten die Beteiligten über verschiedene Zahlen, ohne es zu merken. Für das Jahr 2024 gibt es vier Werte, alle auf amtlichen Verdiensten. Keiner ist gefälscht, keiner ist der Trick der Gegenseite.

WertWas gemessen wirdQuelle der VerdiensteDer Prozentwert
30,1 %Bruttomonatsverdienst, Mittelwert, alle Arbeitnehmer (2.851 gegen 4.078 €)Destatis Verdiensterhebungvon uns gerechnet
16 %Bruttostundenverdienst, Mittelwert, alle Arbeitnehmer (22,24 gegen 26,34 €)Destatis PM 056so publiziert
8,3 %Bruttomonatsentgelt, Median, nur Vollzeit (3.793 gegen 4.138 €)BA-Entgeltstatistikvon uns gerechnet
6 %bereinigt — der Rest nach Qualifikation, Tätigkeit, Erwerbsbiografie (Bruttostundenverdienst, dieselbe Basis wie die 16 %)Destatis PM 056so publiziert

Warum die letzte Zeile als einzige kein Euro-Paar trägt: Die 6 Prozent sind kein Abstand zwischen zwei veröffentlichten Beträgen, sondern der Rest einer Rechnung — was von den 16 Prozent übrig bleibt, wenn Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie herausgerechnet sind. Es gibt zu ihr keine zwei Verdienste, die man nebeneinanderstellen könnte. Gemessen ist sie an derselben Größe wie die 16 Prozent, dem Bruttostundenverdienst.

Die letzte Spalte gehört zur Aussage, nicht in eine Fußnote. Zwei der vier Prozentwerte veröffentlichen die Behörden selbst als Lücke. Die anderen beiden haben wir aus den publizierten Euro-Beträgen gebildet — die Ämter stellen dort die Verdienste nebeneinander, nicht den Quotienten. In einem Text darüber, wie sehr die Messkonvention das Ergebnis bestimmt, wäre es der falsche Ort, diesen Unterschied einzuebnen.

Drei Stellschrauben erklären den Faktor fünf. Von 30 auf 16 Prozent ist der Weg vom Monat zur Stunde: Frauen arbeiteten 2024 im Schnitt 122, Männer 149 Stunden im Monat. Rund die Hälfte der Monatslücke ist schlicht geleistete Arbeitszeit. Von 16 auf 8 Prozent ist der Weg zu einer anderen Grundgesamtheit — nur sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte, und Median statt Mittelwert. Von 16 auf 6 Prozent ist der Weg der Regression: Destatis kann rund 63 Prozent der Lücke mit Merkmalen erklären, vor allem Beruf und Branche, Umfang der Beschäftigung und Anforderungsniveau.

Zwei Dinge, die wir nicht überspielen. Die vier Werte sind keine Rechenkette. Wer die Destatis-Monatsverdienste durch die Destatis-Monatsstunden teilt, landet bei 85,4 Prozent — nicht bei den publizierten 84,4. Der Gender Pay Gap wird personenbezogen aus Stundenverdiensten gebildet, nicht durch Division von Aggregaten, und die Erhebungen decken verschiedene Ausschnitte der Wirtschaft ab. Und der bereinigte Wert ist laut Destatis ausdrücklich als Obergrenze für mögliche Verdienstdiskriminierung zu lesen, weil Erwerbsunterbrechungen durch Geburt und Pflege im Modell fehlen. (Wer weiter zurückschaut: Zwischen 2021 und 2022 liegt ein Zeitreihenbruch.)

Warum das vor jeder Migrationszahl steht: Wenn schon eine gut vermessene, unpolitische Zweiteilung wie Frau/Mann je nach Messkonvention zwischen 6 und 30 Prozent schwankt, dann ist jede Zahl über Gruppenunterschiede ohne mitgelieferte Messkonvention wertlos. Die Spannweite kommt hier nicht aus der Wirklichkeit — sie kommt aus dem Nenner.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 056 vom 13.02.2025 (Verdiensterhebung, Erhebungsmonat April 2024); Statistik der Bundesagentur für Arbeit, »Blickpunkt Arbeitsmarkt — Analyse zur Entgeltstatistik 2024«, Oktober 2025, S. 4 und S. 9 (Stichtag 31.12.2024)

Herkunft trennt Löhne stärker als Geschlecht

Die Staatsangehörigkeit trennt die deutschen Löhne rund dreimal so stark wie das Geschlecht — 973 Euro im Monat, aus derselben amtlichen Tabelle

Korrektur vom 30.08.2026. Vorher: »Es steht auf der Wunschliste unserer Sonderauswertung bei der Bundesagentur.« Jetzt: Das Medianentgelt nach Einzelstaatsangehörigkeit, Alter und Geschlecht ist nirgends publiziert und wird nicht nachbestellt. Ob die eine ausgenommene BA-Auswertung die Entgeltachse trägt, ist nicht entschieden. Warum: Gründerentscheid vom 28.08.2026: kein Geld mehr für Daten außer der bereits zugesagten BA-Auswertung zu den Beschäftigungsquoten. Die Entgeltachse war ein Erweiterungswunsch mit zusätzlichem Aufwand; ein Satz, der sie als gelistet führt, sagt eine Lieferung zu, die niemand zugesagt hat. Unberührt: Der ganze Befund: 973 Euro Abstand, die 23,3 Prozent gegen 8,3 Prozent, die Kompositionsgrößen aus derselben Quelle und die drei Grenzen. Keine Ziffer bewegt sich.
Korrektur vom 06.08.2026. Vorher: Überschrift »fast dreimal so stark«; im Text »das 2,8-Fache der Geschlechterlücke«, ohne das Maß zu nennen; Quellenangabe »S. 8 (Abbildung 2)« Jetzt: Überschrift »rund dreimal so stark«; im Text die Spanne 2,8 (Anteil an der Referenzgruppe) bis 3,1 (Logpunkte), jeweils mit dem Maß benannt; Quellenangabe »S. 8 (Abbildung 3)« Unberührt: Die vier Euro-Beträge 4.138 / 3.793 / 4.177 / 3.204, die 973 Euro sowie die Lücken 8,3 % und 23,3 % Standzeit: Stand vom 06.08.2026 bis zum 06.08.2026 auf dieser Seite.

Die eine hat einen festen Platz im Kalender, die andere praktisch keinen. Beide stehen im selben amtlichen Bericht, für denselben Stichtag, in derselben Kennziffer.

Geschlecht: Vollzeitbeschäftigte Männer verdienten Ende 2024 im Median 4.138 Euro brutto im Monat, Frauen 3.793 — eine Lücke von 8,3 Prozent.

Staatsangehörigkeit: Deutsche Vollzeitbeschäftigte verdienten 4.177 Euro, ausländische 3.204 — 973 Euro oder 23,3 Prozent weniger. Das ist rund das Dreifache der Geschlechterlücke — und wer eine genauere Zahl nennt, sollte dazusagen, welches Maß er meint: 2,8, wenn man die beiden Lücken als Anteil an der jeweiligen Referenzgruppe teilt, 3,1 in Logpunkten, dem Maß, das gegen die Wahl der Bezugsgruppe unempfindlich ist. Beides ist dieselbe Tatsache, gemessen mit zwei Linealen; »zwischen 2,8 und 3,1« ist die ehrliche Form.

Dieser Vergleich ist ohne jede Umrechnung möglich, und das ist sein methodischer Wert: Beide Werte kommen aus derselben Tabelle, demselben Stichtag (31.12.2024), derselben Kennziffer (Median des Bruttomonatsentgelts) und derselben Grundgesamtheit (sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte). Kein Nennerwechsel — genau der Fehler, vor dem das Vorwort dieses Abschnitts warnt. Amtlich publiziert sind dabei die vier Euro-Beträge; die beiden Prozentlücken und den Faktor haben wir daraus gebildet.

Was die Zahl nicht ist. Sie misst keine ungleiche Bezahlung gleicher Arbeit. Sie ist unbereinigt: nicht kontrolliert für Alter, Anforderungsniveau, Berufsabschluss, Branche oder Aufenthaltsdauer. Wie groß diese Störgrößen sind, liefert dieselbe Quelle mit — Helfer verdienen im Median 2.863 Euro, Experten 6.292; Beschäftigte ohne Berufsabschluss 2.987, Akademiker 5.916; unter 25-Jährige 3.061, ab 55-Jährige 4.165 Euro. Die ausländische Vollzeitbelegschaft ist in allen drei Dimensionen ungünstiger verteilt. Ein erheblicher, aus dieser Quelle nicht bezifferbarer Teil der 973 Euro ist Zusammensetzung, nicht Bezahlung.

Die Bundesagentur benennt den Mechanismus selbst: Der Abstand habe sich seit 2011 vergrößert, auffällig ab 2015, was »unter anderem mit dem Zuzug Geflüchteter zusammenhängen« dürfte, die zu Beginn ihrer Erwerbsbiografie jünger sind und häufiger Helfertätigkeiten ausüben; für den Sprung von 2023 auf 2024 nennt sie den Zuzug ukrainischer Geflüchteter.

Drei Grenzen. »Ausländer« ist hier eine einzige Sammelkategorie über alle Staatsangehörigkeiten — dieselbe Aggregation, gegen die unser Text zur Spannweite der Beschäftigungsquoten argumentiert; eine Aufschlüsselung des Entgelts nach Einzelstaat ist nicht publiziert. Es zählt nur Vollzeit, also der besser integrierte Ausschnitt: Teilzeit und Minijobs fehlen. Und Entgelte werden nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze gemeldet.

Was fehlt, wissen wir genau: das Medianentgelt nach Einzelstaatsangehörigkeit, Alter und Geschlecht. Publiziert ist es nirgends, und nachbestellt wird es nicht. Seit dem Gründerentscheid vom 28.08.2026 gibt Sehr Global für Daten kein Geld mehr aus; ausgenommen ist allein die bereits zugesagte Auswertung der Bundesagentur, und die ist auf die Beschäftigungsquoten zugeschnitten. Ob die Entgeltachse in ihren Zuschnitt fällt, ist nicht entschieden, und dieser Text sagt es nicht voraus.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit, »Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt — Analyse zur Entgeltstatistik 2024«, Nürnberg, Oktober 2025, S. 4, S. 8 (Abbildung 3) und S. 9 (Stichtag 31.12.2024)

Unterer Entgeltbereich: jeder Dritte

Fast jeder dritte ausländische Vollzeitbeschäftigte in Deutschland arbeitet im unteren Entgeltbereich — bei den Deutschen jeder achte

Korrektur vom 06.08.2026. Vorher: »Zwei Drittel von 4.013 Euro sind Ende 2024 rund 2.675 Euro« (Eigenrechnung aus dem gerundeten Median) Jetzt: »Die Bundesagentur weist diese Schwelle für Ende 2024 mit 2.676 Euro aus« (von der Quelle selbst publiziert) Unberührt: 30,5 % gegen 12,5 %, alle übrigen Anteile und der Faktor 2,4 — sie sind amtlich publiziert und hängen nicht an der Schwelle Standzeit: Stand vom 06.08.2026 bis zum 06.08.2026 auf dieser Seite.

Ein Median sagt, wo die Mitte einer Gruppe liegt. Er sagt nichts darüber, wie viele am unteren Rand stehen — und für ein Leben ist die zweite Frage oft die wichtigere.

Die Bundesagentur beantwortet sie. Als unterer Entgeltbereich gilt, in Anlehnung an die OECD, wer in Vollzeit weniger als zwei Drittel des Medianentgelts aller Vollzeitbeschäftigten verdient. Die Bundesagentur weist diese Schwelle für Ende 2024 mit 2.676 Euro brutto im Monat aus. Unter ihr arbeiteten 30,5 Prozent der ausländischen und 12,5 Prozent der deutschen Vollzeitbeschäftigten — ein Faktor von 2,4.

Erst der Vergleich mit den anderen Achsen ordnet das ein. Insgesamt liegen 15,6 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten im unteren Entgeltbereich; bei Frauen sind es 20,6, bei Männern 13,1 Prozent. Der Ausländeranteil übertrifft den Frauenanteil also deutlich und liegt fast auf dem Niveau der unter 25-Jährigen (32,7 Prozent) — der Gruppe, die typischerweise ganz am Anfang ihrer Erwerbsbiografie steht. Bei den 25- bis 55-Jährigen sind es 14,4 Prozent.

Die Quelle nennt den Hauptkanal selbst: Ausländer arbeiten deutlich häufiger auf dem Anforderungsniveau Helfer. Dort liegen 40,7 Prozent im unteren Entgeltbereich, gegenüber 16,6 Prozent der Fachkräfte und 5,6 Prozent der Spezialisten.

Drei Einschränkungen. Die Schwelle ist relativ: Steigt der Gesamtmedian schneller als die unteren Entgelte, steigt der Anteil, ohne dass jemand real weniger verdient. Gezählt wird nur Vollzeit — wer in Teilzeit oder im Minijob arbeitet, ist gar nicht enthalten, und das ist bei ausländischen Beschäftigten häufiger; die reale Betroffenheit von niedrigen Monatseinkommen wird dadurch eher unterschätzt als übertrieben. Und »Ausländer« bleibt auch hier ein Aggregat über alle Staatsangehörigkeiten.

Die Frage, die das aufwirft, können wir mit publizierten Daten nicht beantworten, und sie ist die interessantere: Beim Alter verschwindet der Abstand mit den Jahren von selbst. Verschwindet er bei der Staatsangehörigkeit mit der Aufenthaltsdauer auch — oder bleibt er?

Statistik der Bundesagentur für Arbeit, »Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt — Analyse zur Entgeltstatistik 2024«, Nürnberg, Oktober 2025, S. 24 f. und Abbildung 18 (Stichtag 31.12.2024)

Ostdeutschland: Frauen vor Männern

In Ostdeutschland verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen mehr als Männer — 105 Euro im Monat, und zwei Branchen drehen das Vorzeichen wieder um

»Frauen verdienen weniger« stimmt in Deutschland nicht überall. In Ostdeutschland verdienten vollzeitbeschäftigte Frauen Ende 2024 im Median 3.606 Euro, Männer 3.501 — die Frauen liegen 105 Euro oder 3 Prozent darüber. In Westdeutschland ist es umgekehrt und deutlich: 3.837 gegen 4.270 Euro, ein Rückstand von 432 Euro.

Dieselbe Statistik, dasselbe Jahr, dieselbe Formel, gedrehtes Vorzeichen.

Der Grund ist nicht, dass der Osten gerechter zahlt. Die Bundesagentur liefert die Erklärung und den Gegentest gleich mit. Branchen, in denen deutlich mehr Männer arbeiten und überdurchschnittlich gezahlt wird — insbesondere die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie — sind in Ostdeutschland unterrepräsentiert. Umgekehrt arbeiten dort deutlich mehr Frauen als Männer in der öffentlichen Verwaltung und im Bereich Erziehung und Unterricht. Rechnet man diese beiden Branchen heraus, so die BA wörtlich, liegt das Medianentgelt ostdeutscher Frauen 36 Euro unter dem der Männer.

Zwei Branchen drehen also das Vorzeichen. Der Vorsprung der Frauen ist ein Merkmal der ostdeutschen Wirtschaftsstruktur — ein Symptom ihrer Schwäche, nicht ihrer Fairness.

Kein Widerspruch zu Destatis. Das Statistische Bundesamt weist für Ostdeutschland 2024 eine Lücke von 5 Prozent zugunsten der Männer aus. Beide Zahlen stimmen. Destatis rechnet auf dem Bruttostundenverdienst aller Arbeitnehmer inklusive Teilzeit, die Bundesagentur auf dem Bruttomonatsentgelt nur der Vollzeitbeschäftigten. Da Frauen erheblich häufiger in Teilzeit arbeiten, verschwindet dieser Effekt in der BA-Abgrenzung per Konstruktion. Wer die beiden Werte gegeneinander ausspielt, vergleicht Nenner — die Lektion aus dem Vorwort dieses Abschnitts, hier an einem konkreten Fall.

Wie genau die 105 Euro sind. Die Entgelte liegen in 50-Euro-Klassen vor; bei einer Differenz von 3 Prozent ist eine Unschärfe von ±25 Euro spürbar. Die Richtung ist robust, die BA hält sie zweimal in Worten fest und quantifiziert sie mit dem Branchentest; die exakte Zahl ist auf ±50 Euro zu lesen. Ob Berlin in der Abgrenzung »Ostdeutschland« steckt, sagt die zitierte Passage nicht.

Warum dieser Text in einem Issue über Migration steht: Er zeigt an einer unverdächtigen Gruppe, dass ein Gruppenunterschied im Median vollständig aus der Zusammensetzung kommen kann — und dass die Quelle selbst das Werkzeug liefert, es zu prüfen. Genau diese Frage stellt sich gleich noch einmal, nur unbequemer.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit, »Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt — Analyse zur Entgeltstatistik 2024«, Nürnberg, Oktober 2025, S. 4 und S. 9 (Stichtag 31.12.2024); Einordnung gegen Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 056 vom 13.02.2025

94 und 64 Prozent: der Nenner entscheidet

94 Prozent und 64 Prozent: Dieselben Menschen, dasselbe Jahr, dieselbe Quelle — was ukrainische Geflüchtete über den Nenner lehren

Vollzeitbeschäftigte ukrainische Geflüchtete, Ende 2024: Frauen verdienten im Median 2.685 Euro brutto im Monat, Männer 2.858. Das sind 94 Prozent — eine Geschlechterlücke von sechs Punkten.

Über alle Beschäftigten derselben Gruppe, also inklusive Teilzeit und Minijob: Frauen 1.624 Euro, Männer 2.543. Das sind 64 Prozent — eine Lücke von 36 Punkten.

Beide Zahlen stammen aus demselben Bericht, für dieselben Menschen, im selben Jahr. Keine ist falsch. Der Unterschied ist die Arbeitszeit: Ende 2024 arbeiteten 60 Prozent der ukrainischen Frauen in Teilzeit, aber nur 28 Prozent der Männer. Die eine Zahl vergleicht Verdienste bei ähnlichem Umfang, die andere vergleicht Monatseinkommen inklusive des Umfangs. Wer nur eine von beiden zeigt, täuscht — in die eine oder die andere Richtung.

Und jetzt das Kontraintuitive. Man würde erwarten, dass eine erst zweieinhalb bis drei Jahre anwesende Fluchtgruppe eine deutlich größere Lohnlücke zwischen den Geschlechtern hat als die Aufnahmegesellschaft. Im Vollzeitsegment ist es umgekehrt: Deutschlands vollzeitbeschäftigte Frauen erreichten 2024 91,7 Prozent der Männerverdienste (3.793 gegen 4.138 Euro). Die Lücke der Fluchtkohorte ist also gut zwei Punkte kleiner als die des Landes, in dem sie ankommt.

Dieser Vergleich hält, weil beide Seiten aus demselben Register kommen — der BA-Beschäftigungsstatistik aus Arbeitgebermeldungen —, beide Mediane sind, beide Bruttomonatsentgelt, beide nur Vollzeit, beide für 2024. Die 94 Prozent stehen wörtlich im IAB-Bericht; die 64 und die 91,7 Prozent sind aus den publizierten Medianverdiensten gebildet, die jeweils daneben stehen.

Die Fallgrube daneben. Wer zur deutschen Lohnlücke nachschlägt, findet überall 16 Prozent, also Frauen bei 84 Prozent. Diese Zahl darf nicht neben die 94 Prozent: Sie ist Stundenverdienst statt Monatsentgelt, Mittelwert statt Median, alle Arbeitnehmer statt nur Vollzeit, und ein anderer Ausschnitt der Wirtschaft. Vier Unterschiede im Nenner.

Grenzen. Die Kohorte ist eng definiert — Einreise zwischen dem 24. Februar und dem 31. August 2022, 18 bis 64 Jahre. Das ist nicht »die Ukrainer in Deutschland«, und die Werte sind nicht mit den Beschäftigungsquoten des Migrationsmonitors vergleichbar. Die Gewichte sind ausdrücklich vorläufig. Und die Gruppe besteht wegen des ukrainischen Ausreiseverbots für Wehrpflichtige zu über zwei Dritteln aus Frauen: Wer »die Ukrainer« sagt, meint überwiegend Ukrainerinnen.

Ein zweiter Nennerwechsel, im selben Bericht, auf der Zeitachse. Zur Einordnung des Niveaus nennt das IAB einen dritten Medianverdienst: Vollzeitbeschäftigte dieser Kohorte kamen nach knapp drei Jahren Aufenthalt auf 2.871 Euro. Das seien, schreibt der Bericht, »rund 72 Prozent des mittleren Verdienstniveaus aller Vollzeitbeschäftigten in Deutschland« — und damit »knapp über der Niedriglohnschwelle von 66 Prozent«. Beide Prozentwerte stammen aus der Quelle, nicht von uns.

Und welcher Maßstab ist das? Die Frage ist nicht pedantisch: Dieselbe BA-Statistik führt für Ende 2024 drei Vollzeit-Mediane, die über 900 Euro auseinanderliegen — 4.013 Euro über alle Beschäftigten, 4.177 Euro für deutsche, 3.204 Euro für ausländische. Gemeint ist der erste. Wer »des deutschen Medians« liest und an den zweiten denkt, landet bei 68,7 statt 72 Prozent — dieser eine Wert ist von uns gerechnet, um zu zeigen, was der falsche Nenner kostet. Genau beziffern lässt sich der Nenner des IAB nicht: Der Bericht benennt seine Bezugsgröße, druckt ihren Wert aber nicht, und aus »rund 72 Prozent« lässt er sich nur auf etwa 3.990 bis 4.020 Euro eingrenzen — verträglich mit den 4.013, aber nicht belegt. Rund 4.000 Euro ist deshalb die genaueste Angabe, die wir verantworten können.

Diese Zahl gehört nicht neben die 2.685 und 2.858 von oben, obwohl alle drei im selben Bericht stehen und alle drei richtig sind: Die beiden Geschlechterwerte sind zum Stichtag Ende 2024 gemessen, der Gesamtwert ab dem individuellen Zuzugsdatum jeder Person. Kalenderzeit gegen Ereigniszeit. Dass es zwei verschiedene Uhren sind, sieht man der Zusammenstellung sofort an, wenn man rechnet: 2.871 liegt über beiden Geschlechtermedianen — bei einem gemeinsamen Median ist das unmöglich.

IAB-Kurzbericht 3/2026, Kosyakova/Jaschke/Wagner, »Deutliche Fortschritte bei der Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter«, S. 5 (Geschlechtermediane) und S. 4 (»rund 72 Prozent … knapp über der Niedriglohnschwelle von 66 Prozent«, ebenso S. 1 und S. 7), 17.02.2026, DOI 10.48720/IAB.KB.2603 (Verdienste aus der BA-Beschäftigungsstatistik über Personenverknüpfung); Vergleichswerte Gesamtdeutschland: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, »Blickpunkt Arbeitsmarkt — Analyse zur Entgeltstatistik 2024«, Oktober 2025, S. 4 und S. 9 (Vollzeit-Mediane 4.013 / 4.177 / 3.204 Euro, Stichtag 31.12.2024)

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