Wie schnell bauen Länder?
Wie schnell entsteht Infrastruktur — wie viele Jahre kostet ein Kilometer Neubaustrecke, und wie schneiden Länder wie Deutschland und Frankreich im Vergleich ab?
Stand der Antwort · Stand 2026-09-14
Die Frage ist inzwischen für drei Bauarten beantwortet, jeweils am fairsten Paar, das die Quellen hergeben: Frankreichs jüngste Schnellfahrstrecke entstand mit 4,6 Kilometern pro Monat und damit gut doppelt so schnell wie das deutsche Flachland-Vergleichsstück Hannover–Berlin (2,1); auf der Autobahn lieferte Texas bei gleichem vierstreifigem Querschnitt 0,9 Kilometer pro Monat gegen 0,23 an der A14; und beim Hochhaus baute Peking 5.400 Quadratmeter Geschossfläche pro Monat gegen 2.800 in San Francisco, obwohl das Pekinger Haus fast doppelt so hoch ist.
Die härtere Antwort steht nicht im Ländervergleich, sondern in der Zeit: Dieselben 2,1 Kilometer pro Monat schaffte Deutschland in den 1990er Jahren, heute sind es 0,41 bis 0,47, vier- bis fünfmal langsamer als es selbst, während sechs französische Strecken von 1985 bis 2017 ohne Trend in einem schmalen Band von 3,9 bis 6,9 liegen; die Schere geht auf, weil die deutsche Klinge zurückweicht.
Und ja, es gibt extreme Diskrepanzen, nur verlaufen sie nicht zwischen den Kontinenten: Die breiteste sauber messbare Lücke dieses Issues liegt zwischen zwei europäischen Demokratien, Spanien baute Madrid–Sevilla mit 8,6 Kilometern pro Monat (1987–1992), Großbritannien baut HS2 nach amtlichem Stand vom Mai 2026 mit 0,96 bis 1,17, Faktor 7,4 bis 9,0.
Die Frage
[01.08.] Geschwindigkeit der Implementierung: zum Beispiel, wie viele Jahre es pro Kilometer Zugstrecke in Frankreich und in Deutschland braucht — und man kann da interessante Vergleiche machen, indem man coole KPIs findet, wie viel Zugstrecke pro Monat oder so was. Oder das Gleiche für andere Sachen, die man baut. [05.08., Kurskorrektur] Die Hauptstory ist und bleibt: Geschwindigkeit. Wir brauchen Geschwindigkeit, und das ist das, was wir nicht haben. Die Leitfrage: Wie viel Zeit brauchen wir pro Kilometer Zugstrecke? Ich habe das bisher zu eng gesehen bzw. es wurde zu eng umgesetzt: Nicht nur Zugstrecke. Auch Autobahnstrecke, auch Höhe von Hochhäusern — und gern weitere Ideen, was Menschen bauen und woran man Bautempo messen kann. Vergleichsräume ausdrücklich auch subnational, nicht nur Länder-Aggregate: San Francisco, Texas, Europa (gesamt), Frankreich, Spanien, Italien, Teile von China, UK. Das Ziel: Ich will wissen, ob es extreme Diskrepanzen gibt. [05.08. 14:12, dieselbe Frage, zwei Stunden später] Und weiter zu speed: bei gebäuden... was ist wirklcih vergleichbar? ich denke der quadratmeter wohnfläche / gewerbefläche / industriefläche etc. der gedanke mit der höhe der gebäufe ist nicht so gut aber der quadratmetervergleich ist legit. And one more thing: this is waht inspired the question in the first place: https://patrickcollison.com/fast I feel lik in the future we will have to ask what makes something fast? I dont know. not for now. right now simply lets count the metric correctly.
Erich (Gründer), drei Äußerungen im O-Ton: Mail 2026-08-01 17:40, Gründer-Session 2026-08-05 (Notiz an Hans) und Mail 2026-08-05 14:12.
Das ist die Frage, an der wir hier arbeiten. Fast jeder hat dazu ein Bauchgefühl: Frankreich baut den TGV am Fließband, Deutschland buddelt ein Jahrzehnt an sechzig Kilometern. Unser Ziel ist nicht, dieses Gefühl zu bestätigen oder zu widerlegen, sondern die Frage so ehrlich zu beantworten, wie die Zahlen es zulassen — und vorzuführen, dass „schneller" und „besser" nicht dasselbe sind.
Warum wir hier Länder vergleichen dürfen — anders als bei Issue 001. Bei der Kriminalitätsfrage vergleichen wir nur innerhalb eines Landes, weil die Erfassung zu verschieden ist. Beim Bauen ist der Gegenstand physisch dasselbe: ein Kilometer Schnellfahrstrecke ist ein Kilometer, in Frankreich wie in Deutschland, und die Quellen sind amtlich und vergleichsweise offen. Deshalb ist der Ländervergleich hier erlaubt. Er hat nur andere Fallstricke — und die benennen wir, bevor wir eine Zahl zeigen.
Wo der Vergleich kippt, wenn man nicht aufpasst.
- „Bauzeit" ist nicht definiert. Zählt der Spatenstich? Das Baurecht? Der erste Abschnitt? Jede Definition liefert eine andere Zahl. Wir sagen jedes Mal dazu, welche wir meinen.
- Projektzuschnitte sind verschieden. Gehört nur die Neubaustrecke zum Projekt oder auch angebundene Ausbaustrecken und Bahnknoten? Das verschiebt Kosten je Kilometer spürbar — wir zeigen beide Bezugsgrößen, wo sie auseinanderlaufen.
- Kostenbasen sind nominal. Euro von 1996 und Euro von 2022 sind nicht dasselbe Geld. Ohne amtliche Inflationsbereinigung nennen wir nur Größenordnungen, keinen exakten Faktor „x-mal teurer".
- Topographie und Epoche stecken in jeder Zahl. Eine Röhre durch Fels zu treiben ist etwas anderes, als Gleis auf eine Ebene zu legen; und die 1990er bauten unter anderem Planungsrecht als die 2010er. „Kilometer pro Monat" kann beides verwechseln — deshalb gehört der Caveat neben die Zahl.
Wie wir vorgehen.
- Eine KPI-Familie statt einer Wunderzahl. Bautempo (km/Monat), Projektdauer (Planung und Bau getrennt) und Kostendisziplin (Euro/km) stehen nebeneinander — nie verrechnet. „Wer baut besser?" zerfällt in mehrere Fragen.
- Nur Vergleichbares vergleichen. Flachland gegen Flachland, Gebirge gegen Gebirge, und wo möglich gleiche Epoche gegen gleiche Epoche.
- Planung und Bau getrennt ausweisen, wo die Quellen es hergeben — oft liegt die eigentliche Lücke vor dem ersten Spatenstich.
- Research in Public. Zuerst die Quellentabelle: welche Quelle (A/B/C), was wir ihr entnehmen, was wir verworfen haben. Darunter die Kandidaten-Statistiken.
Was wir bewusst noch nicht zeigen. Kein Endurteil „wer baut besser", keine einzelne Gesamtzahl, in der Tempo, Dauer und Kosten vermengt sind. Diese Seite ist die Werkbank, nicht das Urteil. Die Zahlen wandern in den Essay, wenn sie einer Quellenprüfung standhalten — und keinen Tag früher.
Deutschland misst sein eigenes Bautempo zu grob — die Lücke beginnt beim Zählen
Diese Frage will ein greifbares Maß: Kilometer neue Schnellfahrstrecke pro Monat Bauzeit, Jahre pro Kilometer. Für die deutschen Referenzprojekte der 1990er gibt es dafür genau eine amtliche Primärquelle — die jährlichen Berichte des Bundes zum Ausbau der Schienenwege, seit 1993 gesetzlich vorgeschrieben (§ 7 Bundesschienenwegeausbaugesetz). Und schon diese Quelle zeigt, dass das Problem nicht erst auf der Baustelle anfängt.
Sogar der Bericht über das Bauen kam zu spät. Das Gesetz vom 15. November 1993 verpflichtet zu jährlicher Berichterstattung. Der erste Bericht wurde am 4. Februar 1997 vorgelegt — 3,2 Jahre nach Inkrafttreten der Pflicht; er springt direkt auf den Stand Ende 1995, die Berichtsjahre 1993 und 1994 wurden nie nachgeliefert. Ehrlich gesagt: Wann der erste Bericht rechtlich genau fällig war, hängt von der Auslegung des Inkrafttretens ab — aber selbst konservativ gelesen fehlen mindestens zwei Jahrgänge.
Die strukturelle Lücke ist gravierender als der Verzug. Die Projektblätter dieser Reihe weisen bis einschließlich Jahrgang 1998 nur Gesamtprojekt-Längen aus (Hannover–Berlin: 264 bzw. 263 Kilometer — der Wert wackelt im Bericht selbst) und keine abschnittsscharfen Baubeginn-Daten. Die reine Neubaustrecken-Länge (149,9 km) steht nur sekundär bei Wikipedia. Das heißt: Ein KPI wie „Kilometer Neubaustrecke pro Monat" lässt sich aus den amtlichen Quellen allein nicht exakt berechnen. Auch der Fortschrittswert, den die Berichte führen — Realisierungsstand 48 → 65 → 74 Prozent — ist im Bericht nirgends definiert; vermutlich meint er verausgabte Kosten, nicht gebaute Kilometer. Deutschland misst seinen eigenen Baufortschritt so grob, dass die interessanteste Kennziffer gar nicht sauber ableitbar ist. Das ist die Schwester des issue-001-Befunds: Auch beim Bauen beginnt das Problem bei der Messung, nicht erst bei der Umsetzung.
Und ehrlich in beide Richtungen: Dieselbe Berichtsreihe ist keineswegs wertlos. Aus drei Jahrgängen ließ sich eine rein amtliche Fortschritts-Zeitreihe (48 → 65 → 74 Prozent) und eine stabile Kostenprognose lesen — belastbares Material, nur eben zu grob für den einen KPI, den Erichs Frage am liebsten hätte. Wir zeigen deshalb, was die Quelle hergibt, und kennzeichnen, wo wir auf Sekundärbelege oder eigene Näherungen ausweichen müssen — statt eine Präzision vorzutäuschen, die es amtlich nicht gibt.
Befunde
Wie schnell entsteht ein Kilometer?
km Neubaustrecke je Monat Gesamtkalenderzeit. Je weiter rechts, desto schneller gebaut. Baubeginn bis Inbetriebnahme, alle Gewerke — nicht die reine Bauzeit und nicht die Rohbauphase. Die Bauzeit- und Rohbau-KPIs dieses Issues stehen auf einer anderen Zeitbasis und gehören nicht auf diese Achse.
Die Bänder („0,96–1,17") stehen in den Quellen als Spannen, weil der Baubeginn nicht auf den Monat genau amtlich ist; der Punkt sitzt auf der Bandmitte, die Spanne steht in den Befunden darunter. Alle vier Punkte liegen auf derselben Zeitbasis — Bauzeit- und Rohbau-Kennzahlen dieses Issues sind andere Größen und stehen bewusst nicht auf dieser Achse. Konfidenz des Extrempaars: 0,5.
- Output-KPI: Minuten je Milliarde
- Von der Kopfrelation zum Netz
- Wie man die amtliche Kostenspalte liest
- Grand Parkway und A14: zwei Uhren
- Autobahn-Paar: Kosten je Kilometer
- Texas: 84 km Schnellstraße in 44 Monaten
- Zweites Konsortium, gleiches Tempo
- Vierstreifig gegen vierstreifig
- Madrid–Sevilla: 8,6 km pro Monat
- Der Malus hängt an der Bauart
- Baurecht lag in der Schublade
- LGV Bretagne: der Zweitbeleg
- LGV Nîmes–Montpellier: der Drittbeleg
- Erdbau: das deutsche Pendant
- Extrempaar: Spanien gegen HS2
- Flach gegen flach: die Kontrolle
- +25 % oder +6 %? Die Baseline entscheidet
- Frankreich: 35 Jahre, ein Band
- Die Lücke vor dem Spatenstich
- Der Bau trägt 0,0 Prozentpunkte
- Die halbierte Zukunft: 51,7 auf 32,4
- Wo Prognosen irren — und wo nicht
- Zwei Bilanzen, eine Strecke
- Die Prognose, die lernte
- Wem gehört die gewonnene Stunde?
- Hochhaus: gegengeprüft bei CTBUH
- CITIC gegen Salesforce Tower
- Hochhaus: Kosten je Quadratmeter
- Salesforce Tower: die SEC-Zahl
- Shanghai Tower: der Zweitbeleg
- Auch der Turm wartet: 5,9 Jahre
- HS2 nach dem Reset, amtlich
- HS2: der wandernde Horizont
- Netz gegen Netz, beidseitig
- Der Rohbau-KPI: was er trennt
- Stammbahn: 2,8 Prozent verbaut
- Hannover–Berlin: der wandernde Buchwert
- Deutschland gegen Deutschland: 2,1 auf 0,4
- LGV Est: +10,5 Prozent
- Drei Versprechen, alle gehalten
- Der Inlandsflug drittelte sich
- Auch Frankreich plant lang: 13 Jahre
- Schiene: Kosten je Kilometer
- Hannover–Berlin wurde im Bau billiger
- VDE 8.2: neunzehn Jahre
- Wendlingen–Ulm: 0,47 km pro Monat
- Wendlingen–Ulm: rund 62 Mio. € je km
- Wendlingen–Ulm: 19 Jahre vor dem Bagger
- Wolfsburg: Bau erzeugt einen Markt
- Zwei Renditen, eine Schwelle
Output-KPI: Minuten je Milliarde
Der Output-KPI: Minuten Fahrzeitgewinn je Milliarde – wo Deutschland und Frankreich fast gleichauf liegen, und warum die schnellste Baustelle am wenigsten Zeit kauft
Alle bisherigen Kennziffern dieser Seite messen den Aufwand — Kilometer pro Monat, Jahre pro Kilometer, Euro pro Kilometer. Sie sagen, wie mühsam gebaut wurde, aber nicht, wofür. Der Ertrag einer Schnellfahrstrecke ist gekaufte Zeit. Also drehen wir die Frage um: Wie viele Minuten Fahrzeitgewinn kauft ein Land für eine Milliarde Euro? Das ist kein Effizienz-Urteil (dafür bräuchte es eine Reisenden-gewichtete Nutzen-Kosten-Analyse), sondern eine Vergleichsheuristik — eine grobe, aber ehrliche Output-Brille.
Drei Datenpunkte, alle aus amtlichen Ex-post-Bilanzen:
- LGV Est (FR, 2007): Paris–Straßburg fiel von 3 h 55 auf 2 h 20 — 95 Minuten weniger, für 4,316 Mrd. €₀₉ Ist-Kosten. Macht 22,0 Min./Mrd. €.
- VDE 4 (DE, 1998): Hannover–Berlin fiel um 54 Minuten (165 → 111 Min.), für 2,6 bis 2,9 Mrd. € — 18 bis 21 Min./Mrd. €. Die Spanne ist Absicht: Die deutsche Endabrechnung ist definitorisch offen, deshalb zeigen wir kein Scheingenaues.
- LGV SEA (FR, 2017): Paris–Bordeaux 71 Minuten weniger, für 7,8 Mrd. € — nur 9,1 Min./Mrd. €.
Zwei Lektionen stecken darin, und beide widersprechen der Schlagzeile. Erstens: Beim Bautempo trennt Deutschland und Frankreich der Faktor zehn (4,6 gegen 0,47 km/Monat) — beim erkauften Output je Milliarde liegen das französische und das deutsche Projekt derselben Bau-Epoche mit 22 gegen 18–21 praktisch gleichauf. Deutschland baute langsam, aber je gewonnener Minute nicht teuer. Zweitens: Ausgerechnet die Rekordbaustelle liefert am wenigsten. Die LGV SEA wurde mit 4,6 km/Monat einen Monat vor Plan eröffnet — und kauft mit 9,1 Min./Mrd. € noch nicht die Hälfte der älteren LGV Est. Der Grund steht in einer anderen Spalte: Die Baukosten je Kilometer haben sich seit der Est fast verdoppelt (14,4 → 25,8 M€/km). Schnell bauen und billig Zeit kaufen sind zwei verschiedene Fähigkeiten — kein Land besitzt beide gleichzeitig.
Vier Grenzen, bindend, sonst wird aus der Heuristik ein falsches Urteil. (1) Der KPI zählt nur die Kopfrelation. Dieselbe LGV Est kaufte zusätzlich −80 Min. nach Metz, −88 nach Luxembourg, −73 nach Nancy; ein echter Netz-KPI bräuchte Reisendengewichtung. (2) Die Preisstände sind inkonsistent (€2009 gegen DM-/€-Prognosestände gegen laufende Konzessionspreise 2011–2017) — inflationsbereinigt schrumpft der Abstand Est–SEA etwas, kehrt sich aber nicht um. (3) Die Referenzfahrzeiten sind unterschiedlich definiert (Fahrplan Dezember 2006 gegen Zustand vor Baubeginn). (4) Bei der SEA rechnen wir den Grenz-Nutzen der Teilstrecke (gebaut wurde Tours–Bordeaux, der Gewinn entsteht auf der Gesamtachse Paris–Bordeaux) — die konsistente Lesart zu Est und VDE 4. Deshalb trägt das Paar-Finding nur confidence 0.75: Die einzelnen Zahlen sind hart, die Vergleichbarkeit ist es nur eingeschränkt. Wir zeigen den KPI als das, was er ist — eine Brille, kein Richterspruch.
Von der Kopfrelation zum Netz
Von der Kopfrelation zum Netz: Warum der Zeitkauf-KPI ein Fünftel zu hoch greift – und die »Europamagistrale« zu 84 % ein Inlandsprojekt ist
Der Zeitkauf-KPI dieser Seite zählte bisher nur die Kopfrelation — Paris–Straßburg, 95 Minuten, 22,0 Min. je Milliarde. Das ist die glänzendste Zahl der Strecke, und deshalb die unehrlichste, wenn man sie für den Durchschnitt nimmt. Denn hinter der Kopfrelation liegen 15 weitere Inlandsziele, und die meisten Reisenden fahren nicht bis Straßburg.
Also gewichten wir. Die amtliche Ex-post-Bilanz nennt die Fahrzeitgewinne aller 16 radialen Inlandsrelationen (Tableau 14) und — nur vorab, im Genehmigungsdossier — die prognostizierten Reisenden je Korridor (Tableau 20): Paris–Champagne-Ardenne mittelt −33 Min. (Gewicht 1,82 Mio.), Paris–Lothringen −77 Min. (2,77 Mio.), Paris–Elsass −95 Min. (3,15 Mio.). Reisendengewichtet bleiben −74 Minuten je Fahrt — nicht 95. Geteilt durch die 4,316 Milliarden €₂₀₀₉ Ist-Kosten ergibt das 17,1 Min./Mrd. € statt 22,0: ein Abschlag von gut einem Fünftel (−22 %).
Das ist die eigentliche Lektion, und sie ist bindend: Wer nur die Kopfrelation zählt, überzeichnet den Durchschnittsnutzen systematisch — und dieselbe Korrektur stünde jedem Projekt bevor, auch den deutschen. Deshalb stellen wir die 17,1 nicht gegen die deutschen 18–21 Min./Mrd. €; die sind selbst Kopfrelation. Vergleichbar wird erst Netz gegen Netz.
Drei Grenzen halten den Wert bei confidence 0.6 (Heuristik v2). Die Gewichte sind ex ante — eine Ist-Aufschlüsselung je Relation veröffentlicht die SNCF nicht; da der reale Gesamtverkehr die Prognose nur um 4 % übertraf, sind sie plausibel, aber nicht bestätigt. Innerhalb der Korridore mitteln wir ungewichtet (Metz wiegt schwerer als Remiremont), was den KPI eher konservativ hält. Und Durchbindungen wie internationale Relationen fehlen mangels zuordenbarer Referenzfahrzeit.
Zuletzt die Maßstabs-Pointe: Politisch war die LGV Est die »Europamagistrale«. Verkehrlich fahren nur 15,8 % der Reisenden international (1,9 von 12,0 Mio., 2009) — sie ist zu 84 % ein Inlandsprojekt, und der schwerste Korridor heißt Paris–Elsass, nicht Ausland. Prognose und Realität sind sich darin bis aufs Zehntel einig.
Wie man die amtliche Kostenspalte liest
Wann ist eine Prognose eine Prognose? Wie man die amtliche Kostenspalte liest – und der Frühwarnindikator, der schon 1998 im Bericht stand
Die Kostenzahlen auf dieser Research-Seite stammen aus einer einzigen amtlichen Quelle: den jährlichen Berichten des Bundes zum Ausbau der Schienenwege (§ 7 BSchwAG). Bevor man eine „Prognose" mit einem Ergebnis vergleicht, muss man aber eine Frage stellen, die die Berichte selbst nicht beantworten — ist die Zahl überhaupt eine Prognose?
Fall Köln–Rhein/Main. Die Jahrgänge 1996 bis 1998 führten unverändert „Gesamtkosten 7.750 Mio. DM". Wer das als drei Jahre lang eiserne Kostendisziplin liest, sitzt einer Falle auf: Diese Zahl war der gedeckelte Bundesanteil, ein vertraglicher Höchstbetrag — sie konnte konstruktionsbedingt gar nicht steigen. Der Jahrgang 2005 spricht den Deckel wörtlich aus; die fortgeschriebenen echten Gesamtkosten lagen 2003 bei 6.015 Mio. €, nominal 51,8 Prozent über der umgerechneten Deckelzahl. Dieselbe Spalte, dieselbe Überschrift „Gesamtkosten", mischte also echte Prognosen und Finanzierungsdeckel — ohne das kenntlich zu machen.
Und selbst echte Prognosen sagen weniger, als man denkt. In den 1990er-Jahrgängen sanken die Kostenprognosen aller drei ostdeutschen Einheits-Projekte (Hannover–Berlin −3,4 %, Nürnberg–Erfurt −15,2 %, Erfurt–Leipzig/Halle −12,8 %). Die Richtung war bei allen dieselbe — die Kostenschicksale danach lagen Welten auseinander: Hannover–Berlin endete rund 13 Prozent über der 1997er-Prognose, Nürnberg–Erfurt bei plus 127 Prozent. Eine sinkende Prognose ist kein Happy End; die Frührichtung trennt die Gewinner nicht von den Verlierern.
Was sie trennte, stand schon 1998 in einer anderen Spalte: dem Realisierungsstand. Nürnberg–Erfurt kroch mit rund 2,5 Prozentpunkten pro Jahr (3 → 6 → 8 Prozent), Köln–Rhein/Main lief mit rund 21 (8 → 30 → 50). Die Kriecher von damals wurden die Zwei-Jahrzehnte-Projekte (in Betrieb erst 2015 und 2017), die Renner eröffneten 1998 bis 2002. Ein unabhängiger Gegencheck im Geld — bis Ende 2002 verausgabte Mittel — zeigt dasselbe Muster. Daraus wird ein KPI, den diese Frage gut gebrauchen kann: Prozentpunkte Baufortschritt pro Jahr, ablesbar schon während des Baus, nicht erst nach der Eröffnung.
Ehrlich in beide Richtungen. „Realisierungsstand" ist in den Berichten nirgends definiert (vermutlich wertbezogen, nicht kilometerbezogen) — wir nutzen ihn deshalb nur als Tempo-Vergleich innerhalb derselben Reihe, nie als absolute Baufortschrittsmessung. Und der Indikator identifiziert die langsamen Projekte, er erklärt sie nicht: Hinter dem ostdeutschen Kriechen stehen politische Priorisierung und ein Baustopp 1999–2002, nicht Bauunfähigkeit. Die Lehre für das Lesen unserer Quellentabelle bleibt: eine Kostenzahl ohne ihre Semantik (Prognose? Deckel? Abrechnung?) und eine Prognose ohne ihren Baufortschritt sind beide Fallen. Wir kennzeichnen, welche Zahl welche ist.
Grand Parkway und A14: zwei Uhren
Zwei Uhren, dasselbe Quartal: Grand Parkway und A14 begannen zehn Wochen auseinander (Sept. / 30.11.2011). Houston hatte nach 128 Monaten 169,5 km Ring unter Verkehr (1,3 km/Monat), die A14 nach 176 Monaten 35,8 von 155 km (0,20) – Faktor ~6,5 auf Korridorebene
Der Baustellen-Faktor misst einzelne Abschnitte. Die eigentliche Frage aber lautet: Wie lange dauert es, bis ein ganzer Ring, eine ganze Nordverlängerung fährt? Diese Rechnung braucht ein Startdatum – und Texas und Deutschland liefern das seltene Geschenk zweier Uhren, die im selben Quartal losliefen.
Der amtliche Erst-Baubeginn der A14-Nordverlängerung ist der 30. November 2011 (VKE 1.2 Wolmirstedt–Colbitz). Der Baustart von Grand-Parkway-Segment E fiel auf September 2011 – zehn Wochen früher. Kein konstruierter Vergleich also, sondern ein natürliches Experiment: zwei Flachland-Greenfield-Korridore, dieselbe Startlinie.
- Houston: Segmente E + F/G + H/I = 169,5 km Neubau-Ring, voll unter Verkehr seit Mai 2022 – 128 Monate, inklusive aller Pausen zwischen den Bauabschnitten = 1,32 km/Monat.
- A14: frei sind VKE 1.2 + 1.3 + 1.4 plus das Teilstück Lüderitz–Stendal-Süd (seit 29.06.2026) = 35,8 von 155 km – nach 176 Monaten = 0,20 km/Monat.
Das ist Faktor ~6,5 auf Korridorebene. Und selbst der Best Case rettet die Bilanz nicht: Wäre die A14 Ende 2030 komplett fertig, läge sie bei 0,68 km/Monat – immer noch Faktor ~2 unter der längst realisierten Houston-Rate. Wobei 2030 keine Zusage ist, sondern laut Fachpresse unter dem Vorbehalt »bedarfsgerechter Finanzierung« steht. Genau hier liegt der Unterschied, den man nicht wegrechnen darf: Der Grand Parkway ist mautfinanziert und wartet nicht auf Haushaltstranchen; die A14 tut es.
Ein Mensch in der Zahl: Mit der Teilfreigabe vom 29. Juni 2026 bekam die Hansestadt Stendal (~40.000 Einwohner) ihren allerersten Autobahnanschluss – 35 Jahre nach der Wiedervereinigung. Houstons Ring war da schon vier Jahre komplett.
Zwei Ehrlichkeitsnoten: Das Datum 30.11.2011 stützt sich auf eine Dreifach-Kette (Fachpresse, Umweltbaubegleitung, BMVI-Pressemitteilung) – die amtliche LSBB-Projektseite war heute nicht erreichbar. Und die km-Zählung folgt der VKE-Tabelle der Autobahn GmbH; ältere, vor 2011 als Bundesstraße begonnene Abschnitte in Mecklenburg-Vorpommern sind nicht eingerechnet.
Autobahn-Paar: Kosten je Kilometer
Das Geld-Nebenkapitel des Autobahn-Paars: A14 ~14,8 Mio. €/km, Grand Parkway 13–17 Mio. $/km – dieselbe Größenordnung. Je Fahrstreifen-km ist die A14 eher günstiger. Deutschlands Autobahn-Malus ist die Zeit, nicht der Preis je Kilometer (Issue 002, confidence 0,6)
Zum Autobahn-Paar gehört, wie bei der Schiene, die Geldfrage – und sie hat eine Rosling-Pointe. Was glauben die Leute? »Deutschland baut zu teuer.« Was sagen die Daten dieses Paars? Je Kilometer kostet die A14 ungefähr so viel wie ihr texanisches Gegenstück. Der deutsche Malus sitzt nicht im Preis pro Kilometer – er sitzt in der Zeit.
Die Rechnung, in Größenordnungen: Die A14-Nordverlängerung, 155 km vierstreifig, kostet nach aktuellem Stand rund 2,3 Mrd. € – das sind 13–15 Mio. €/km. Die texanischen Segmente liegen bei 13–17 Mio. $/km (Segment E 13,1; F-G 17,1 inkl. über 120 Brücken; H/I 15,3). Dieselbe Größenordnung. Rechnet man auf den Fahrstreifen herunter, liegt die vierstreifige A14 mit ~3,2–3,7 Mio. €/Fahrstreifen-km sogar eher günstiger als das teils zweistreifige H/I und gleichauf mit Segment E.
Warum diese Zahl nur confidence 0,6 trägt – und die Grenzen gehören in jeden Satz darüber:
- Preisjahre nominal und ungleich – Texas 2011–2022, A14-Kostenstand 2025 nach der Baupreisinflation 2021–2023. Ohne Deflationierung und Kaufkraftkorrektur ist nur die Größenordnung belastbar, keine Dezimalstelle.
- Kosten-Scope ungleich – FHWA-Werte teils inkl. Finanzierung und Grunderwerb; hier bewusst die reinen Bausummen verwendet. Die A14-Bundesmittel enthalten Planungskosten.
- A14-Endkosten offen – die letzten Abschnitte sind noch nicht vergeben; 2,3 Mrd. ist ein Zwischenstand nach oben.
- Keine allgemeine DE-vs-US-Aussage – ein Korridor-Paar ist kein Stichprobenbeweis.
Der belastbare Satz ist der schwächere und zugleich der überraschendere: Auf diesem Paar ist kein deutscher Baukosten-Malus je Kilometer sichtbar. Das Geld verrinnt nicht je Kilometer, sondern je Jahrzehnt – im Planungs- und Finanzierungstakt. Deutschland baut nicht teurer. Es baut langsamer.
Texas: 84 km Schnellstraße in 44 Monaten
Nicht nur Schiene: Texas' Grand Parkway lieferte 84 km Schnellstraße samt 84 Brücken in ~44 Baumonaten (1,8–2,0 km/Monat) – die zeitgleich begonnene A14-Nordverlängerung 14,8 km in 65 Monaten (0,23), Faktor ~8 auf der Baustelle
Erich hat den Blick geweitet: nicht nur Zugstrecke, auch Straße. Das erste Paar sucht die größtmögliche Diskrepanz bei sauberer Quellenlage – Texas gegen Deutschland, beide Greenfield, beide Flachland, beide im selben Sommer 2018 begonnen.
- Grand Parkway (Houston), Segmente H/I: 84 km neue Schnellstraße inklusive 84 Brücken, Baubeginn Juli 2018, im Wesentlichen fertig Februar 2022 – 43–46 Monate, also 1,8–2,0 km/Monat (Quelle FHWA).
- A14-Nordverlängerung, Abschnitt Tangerhütte–Lüderitz: 14,83 km, Spatenstich Sommer 2018, Freigabe Dezember 2023 – ~65 Monate, also 0,23 km/Monat (Autobahn GmbH).
Auf der reinen Bauphase ist das Faktor ~8. Zwei Dinge muss man ehrlich abziehen. Erstens der Querschnitt: Der texanische Abschnitt ist überwiegend zweistreifig, die A14 durchgehend vierstreifig; rechnet man auf Fahrstreifen um, bleibt Faktor ~4. Zweitens: Auch Texas plant seit den 1980ern an diesem Ring – der Faktor gilt für die Baustelle, nicht für Idee-bis-Betrieb.
Genau da aber liegt die eigentliche Zahl. Ein einziger deutscher Planfeststellungsabschnitt der A14 (DEGES-Abschnitt 1.1) brauchte vom Verfahrensstart (Februar 2011) bis zum Baubeginn (Dezember 2023) 12 Jahre und 10 Monate – länger als die komplette texanische Lieferung von der Vertragsunterschrift bis zur Vollfreigabe (4 Jahre 11 Monate). Das ist dasselbe Muster, das wir auf der Schiene gefunden haben: Das Baurecht liegt fertig in der Schublade, während die Baustelle wartet.
Zwei offene Flanken, benannt: Die Gesamtrechnung des 155-km-Korridors braucht noch den amtlichen Erst-Baubeginn, und der Kostenvergleich je Fahrstreifen-km steht aus. Der Faktor auf der Baustelle steht; der Rest ist der nächste Schritt.
Zweites Konsortium, gleiches Tempo
Der CNM-Moment des Autobahn-Paars: Ein zweites, unabhängiges Konsortium (Zachry-Odebrecht) baute die Grand-Parkway-Segmente F-1/F-2/G – 60,8 km inkl. über 120 Brücken in 31–32 Monaten (1,9–2,0 km/Monat), exakt die Rate von H/I. Die Texas-Geschwindigkeit ist die Bauform, nicht der Bauherr
Ein einziger schneller Autobahnbau könnte ein Ausreißer sein – ein besonders williger Auftragnehmer, ein glücklicher Boden. Deshalb der zweite Datenpunkt, und wie bei der Schiene von einem anderen Konzern. Die Segmente H/I des Houstoner Grand Parkway baute ab 2018 ein Konsortium; die davor liegenden Segmente F-1, F-2 und G baute von 2013 bis 2016 das unabhängige Konsortium Zachry-Odebrecht. Die Chronologie steht auf der Projektseite der US-Bundesbehörde FHWA: Vergabe September 2012, Baubeginn Juli 2013, Verkehrsfreigabe Februar (F-1/F-2) und März 2016 (G).
Das sind 60,8 km neue vierstreifige Schnellstraße – inklusive über 120 Brücken und einer Flussquerung – in 31 bis 32 Monaten, also 1,9–2,0 km pro Monat. Zum Vergleich der erste Beleg:
- Segmente F-1/F-2/G (Zachry-Odebrecht, 2013–2016) – 60,8 km – 31–32 Mo. – 1,9–2,0 km/Monat
- Segmente H/I (anderes Konsortium, 2018–2022) – 84,2 km – 43–46 Mo. – 1,8–2,0 km/Monat
Zwei Konsortien, die nichts miteinander zu tun haben, eine halbe Dekade auseinander – dieselbe Rate. Das ist genau die Logik, mit der auf der Schiene die LGV CNM den Faden gehärtet hat: Die Geschwindigkeit ist eine Eigenschaft der Bauform und des Liefermodells, nicht des Bauherrn. Und ein Bonus fällt ab: F-G ist vierstreifig (2+2), damit querschnittsnäher an der durchgehend vierstreifigen A14 als das teils zweistreifige H/I.
Ehrlich abzuziehen ist wenig, aber Genanntes bleibt genannt: Der Baubeginn steht in der FHWA-Quelle nur als »Juli 2013«, ein tagesgenaues Datum liegt nicht vor (±1 Monat Unschärfe); das ältere Segment D (Bestand seit 1994) bleibt aus der Rechnung draußen.
Vierstreifig gegen vierstreifig
Die Querschnitts-Flanke schließt: Grand-Parkway-Segment E ist vierstreifig wie die A14 – 24,5 km in ~27 Monaten (0,9 km/Monat), Faktor ~4 bei gleichem Querschnitt. Und weil E konventionell vergeben wurde, fällt auch das »nur-Design-Build«-Argument
Der Eröffnungstext zum Autobahn-Paar ließ eine Flanke offen und benannte sie: Das schnelle texanische H/I ist überwiegend zweistreifig, die A14 durchgehend vierstreifig. Rechnet man auf Fahrstreifen um, schätzten wir gestern den fairen Vergleich auf Faktor ~4. Diese Schätzung ist jetzt ein gemessener Datenpunkt – denn ein Segment desselben Rings ist gebaut wie die A14.
Grand-Parkway-Segment E, zwischen I-10 und US 290, ist laut TxDOT eine vierstreifige, anbaufreie Mautstraße: 15,2 Meilen = 24,5 km. Baustart September 2011, Verkehrsfreigabe 21. Dezember 2013 – rund 27 Monate, also 0,9 km pro Monat. Der querschnittsgleiche deutsche Gegenpart ist die A14 VKE 1.4 (Tangerhütte–Lüderitz), ebenfalls vierstreifiger Greenfield-Neubau im Flachland: 14,83 km in ~65 Monaten = 0,23 km/Monat. Das ist Faktor 3,9 ≈ 4 – bei gleichem Querschnitt, auf vergleichbar flachem Grund.
Zwei Dinge machen diesen Punkt stärker als den ersten. Erstens: Die frühere ~4 war eine Korrektur; jetzt steht dort ein reales vierstreifiges Projekt. Zweitens – und das räumt ein Gegenargument ab: Segment E wurde konventionell in vier klassischen Losen vergeben (Webber, J.D. Abrams, Hassell, Williams Brothers), kein Design-Build. Der Faktor hängt also nicht an der amerikanischen Vergabe-Magie. Selbst der langsamste, querschnittsgleiche, konventionell vergebene Texas-Punkt schlägt die A14-Baustelle noch um das Vierfache.
Die Grenze, sauber genannt: Querschnitt, Länge und Eröffnungsjahr 2013 bestätigt TxDOT amtlich; der Baustart September 2011 und das Datum 21.12.2013 stammen aus übereinstimmender Lokalpresse und Verbandsquelle. Ein bis zwei Monate Unschärfe verschieben die Rate nur zwischen 0,85 und 0,94 – am Faktor ändert das nichts.
Madrid–Sevilla: 8,6 km pro Monat
Spaniens erste Schnellfahrstrecke: 471 km in 54,5 Monaten = 8,6 km pro Monat über alle Gewerke – schneller als jede französische LGV auf gleicher Basis, und der Spurweiten-Grundsatzentscheid fiel erst 14 Monate nach Baubeginn
Bevor eine Zahl beeindruckt, muss klar sein, was sie misst – sonst vergleicht man Äpfel mit Fahrplänen. Spaniens erste Schnellfahrstrecke Madrid–Sevilla ging 471 km lang am 21. April 1992 in Betrieb. Der Bau begann am 5. Oktober 1987. Das sind 54,5 Monate, und 471 durch 54,5 ergibt 8,6 Kilometer neue Strecke pro Monat – gerechnet über den gesamten Kalender vom ersten Spatenstich bis zum kommerziellen Betrieb, mit allem darin: Erdbau, 32 Viadukte, 17 Tunnel, Oberbau, Fahrdraht, Signaltechnik.
Genau diese Definition ist der Punkt. Der Rohbau-KPI, mit dem wir bisher Frankreichs Rekorde gemessen haben (SEA 8,9 km/Monat), zählt nur Erd- und Ingenieurbau. Auf der gleichen Gesamtkalender-Basis wie hier kommt Frankreichs schnellste Neubaustrecke auf 4,6 – die LGV Sud Europe Atlantique, 302 km in 66 Monaten, und die 66 Monate sind keine Schätzung von uns, sondern eine Angabe des Konzessionärs. Die Bretagne-Strecke kommt auf 3,3. Sauber verglichen war Spanien 1987–92 also rund 1,9-mal so schnell wie Frankreichs beste Lieferung – 25 Jahre später. Wir mischen die beiden Maße nicht; wer sie mischt, bekommt eine Scheinüberlegenheit geschenkt.
Eine Nebenpointe erklärt das Tempo mit: Der Grundsatzentscheid, europäische Regelspur statt der breiten iberischen zu bauen, fiel am 9. Dezember 1988 – 14 Monate nach Baubeginn. Spanien baute, während es die Grundsatzfrage noch klärte.
Drei Grenzen gehören in jeden Satz darüber. Erstens ist das ein einzelner Datenpunkt aus den späten 80ern; Lohn-, Vergabe- und Umweltrecht sind mit heute nur eingeschränkt vergleichbar. Zweitens trägt die Zahl confidence 0,7, und der Grund ist seit dem 6. August 2026 präziser bekannt: Eröffnungsdatum, Streckenlänge (470,5–471 km), der Regelspur-Entscheid und die Bauwerksmengen stehen amtlich bei der erhebenden Infrastruktur- gesellschaft Adif. Den Baubeginn und die Investitionssumme nennt Adif dagegen nicht – beide stehen allein beim Fachorgan der spanischen Bahnstiftung, quergeprüft an einer unabhängigen Presse-Rekonstruktion. Der Nenner unserer Rechnung, die 54,5 Monate, hängt damit weiter an einer Sekundärquelle; wir setzen ihn deshalb nicht fester, als er ist. Drittens ist der Kostenwert (rund 2,1 Mrd. € nominal, ~4,45 Mio. €/km) nominal von 1992, ebenfalls nicht amtlich gedeckt und nur inflationiert vergleichbar – eine Größenordnung, keine Messung.
Der Malus hängt an der Bauart
Die Pointe des Issues nimmt Form an: Der Bautempo-Malus des Westens ist bauartabhängig – Hochhaus Faktor ~1,9, Autobahn 6,5–8, Schienen-Rohbau 8–12. Der Westen verliert dort, wo gestreckt, genehmigt und tranchiert wird
Jetzt lassen sich die drei Bauarten nebeneinanderlegen, und daraus wird die eigentliche Geschichte des Issues. Beginnen wir mit dem, was die meisten glauben: »Der Westen kann nichts mehr bauen, China baut alles in Tagen.« Was sagen die Daten?
- Hochhaus (China vs. San Francisco): Faktor ~1,9 (Band 1,7–2,6)
- Autobahn (Texas vs. A14): Faktor ~6,5–8
- Schienen-Rohbau (Frankreich vs. Deutschland): Faktor 8–12
Das Erstaunliche steht ganz oben: Beim komplexesten Gebäudetyp überhaupt – dem Supertall-Turm – baut ausgerechnet San Francisco, Amerikas angeblich bau-unfähigste Stadt, nur um Faktor zwei langsamer als Chinas Flaggschiffe. Der dramatische Rückstand liegt woanders, nämlich bei der linearen Infrastruktur: Straße und Schiene, wo der Faktor auf 6,5 bis 12 springt. Das Gefälle zwischen beiden Welten ist rund Faktor 4.
Die Geschichte ist also nicht »der Westen ist überall langsam«. Sie ist präziser und interessanter: Er verliert dort, wo gestreckt, genehmigt und tranchiert wird – wo eine Trasse über Dutzende Kilometer, Dutzende Eigentümer, Planfeststellung und Haushaltstranchen läuft. Wo dagegen ein Grundstück, ein Eigentümer und eine private Finanzierung ab Tag eins stehen – beim Turm –, schrumpft der Abstand.
Vier Grenzen, damit dieser Satz trägt:
- Die Faktoren stammen aus verschiedenen Länderpaaren (CN/US bei Gebäuden, US/DE und FR/DE bei Infrastruktur) und verschiedenen Einheiten (m²/Monat vs. km/Monat). Verglichen wird der jeweils gemessene Rückstand des Langsameren, nicht ein einheitliches Länderranking.
- N ist klein: drei Türme, zwei Autobahnkorridore, rund zehn Schienenprojekte.
- Die naheliegende Ursache – ein Grundstück gegen kilometerlange Trassen – ist eine Hypothese, keine Messung. Erichs Meta-Frage »what makes something fast?« ist ausdrücklich vertagt; hier steht nur das gemessene Gefälle.
- Auch beim Turm liegt der westliche Zeitverlust überwiegend vor dem ersten Bagger – das zeigt der Salesforce-Vorlauf-Text desselben Zyklus.
Baurecht lag in der Schublade
Das Baurecht lag in der Schublade: Alle acht VDE-8.2-Abschnitte Erfurt–Gröbers waren bis Juli 1996 planfestgestellt – gebaut wurde im Median erst 9,8 Jahre später, weil das Geld fehlte
Wenn deutsche Großprojekte ein Jahrzehnt länger dauern, vermutet man den Stau bei den Genehmigungen – endlose Planfeststellung, klagende Anwohner. Für die VDE 8.2 zwischen Erfurt und Gröbers stimmt das nachweislich nicht. Eine einzige amtliche Tabelle im Verkehrsinvestitionsbericht 2012 (BT-Drs. 18/580, S. 52) reicht, um es zu zeigen.
Die acht Planfeststellungsabschnitte hatten ihr Baurecht binnen 20 Monaten Mitte der 1990er: der erste Beschluss im Dezember 1994, der letzte im Juli 1996. Gebaut wurde danach zwischen 2001 und 2006. Die Lücken zwischen Baurecht und Baubeginn betragen 64, 66, 80 und fünfmal 116 bis 120 Monate – im Median 9,8 Jahre. Der Grund steht in derselben Tabelle: Die Finanzierungsvereinbarung für Erfurt–Gröbers datiert erst auf den 20. Juni 2003, dazwischen lag ein Baustopp aus Haushaltsgründen (1999–2002). Die vier Baubeginne von 2005 und der von 2006 folgen also der Finanzierung, nicht dem Baurecht.
Das ist das deutsche Gegenstück zur französischen DUP-Lücken-Reihe – mit vertauschten Rollen. In Frankreich frisst die Zeit vor dem Baurecht: Die Lücke zwischen Nutzungserklärung und Baubeginn wuchs dort von −2 Monaten (LGV Nord, 1989) auf 68 Monate (LGV Est, 2002). In Deutschland lag das Baurecht ein Jahrzehnt fertig in der Schublade, während das Geld tröpfelte. Beide verlieren ihre Zeit vor dem Spatenstich – aber an verschiedenen Stellen der Pipeline.
Eine Grenze, die den Befund eher verschärft: »Baubeginn« kann Vorabmaßnahmen meinen (der Finnetunnel begann 2001 auf dem Papier, seine Hauptarbeiten erst 2008). Die wahre Lücke bis zum echten Baubetrieb ist also eher größer als 9,8 Jahre, nicht kleiner.
LGV Bretagne: der Zweitbeleg
Ein Konsortium, ein Zufall? Die LGV Bretagne–Pays de la Loire baute mit einem anderen Konzern 182 km Rohbau in ~24–29 Monaten (6,3–7,6 km/Monat) – jetzt amtlich belegt, und 65 Mio. € unter Budget
Eine einzelne Rekordbaustelle beweist wenig – vielleicht war die LGV SEA nur besonders gut geführt. Deshalb der zweite Datenpunkt, und zwar von einem anderen Konzern: Die LGV Bretagne–Pays de la Loire (Le Mans–Rennes) baute nicht VINCI, sondern Eiffage. 182 km Neubaustrecke, PPP-Vertrag von 2011, Eröffnung 2. Juli 2017.
Der Rohbau-Kalender ist jetzt amtlich: Die gesetzlich vorgeschriebene Bilanz nach dem LOTI-Gesetz, gemeinsam veröffentlicht von SNCF Réseau und Eiffage als Bauherren, datiert die Arbeiten »engagés au cours de l'été 2012« und den Abschluss des Génie civil auf Ende 2014. Das sind rund 24 bis 29 Monate für 182 km – 6,3 bis 7,6 km/Monat. Organisiert war es wie bei der SEA: 7 unabhängige Lose à 16–30 km, alle gleichzeitig, Spitze rund 4.000 Beschäftigte – Termin trotz dokumentierter Wetterprobleme gehalten. Die amtliche Überschrift über dem Abschnitt lautet schlicht »Des délais respectés«: eingehaltene Fristen als Selbstverständlichkeit.
Damit steht die eigentliche Pointe. Zwei konkurrierende Konzerne, die eine Strecke 340 km, die andere 182 km – und beide brauchen für den Rohbau dasselbe ~2-Jahres-Fenster. Die Kalenderzeit skaliert also nicht mit den Kilometern. Sie hängt an der Parallelität: Wer alle Lose gleichzeitig baut, für den ist die doppelte Länge fast gratis. Das ist der Grund, warum die deutschen Vergleichswerte so weit abfallen – nicht weil dort mehr Erde liegt, sondern weil dort nacheinander gebaut wurde.
Ein Beifang fürs Kostenkapitel, ebenfalls amtlich: Die BPL schloss mit 2,832 Mrd. € ab – 65 Mio. € unter Budget (Preisstand 2010). Dieselben PPP-Konsortien, die in zwei Jahren rohbauen, hielten auch den Plan. Und die eine Grenze bleibt: Auch die BPL ist Flachland ohne Tunnel – der faire Kontrast dazu steht in der Flachland-Kontrolle des Thüringer Beckens, nicht in den deutschen Tunnelstrecken.
LGV Nîmes–Montpellier: der Drittbeleg
Drei Strecken, drei konkurrierende Konzerne, dasselbe Fenster: Die LGV CNM (Nîmes–Montpellier) zog 80 km Rohbau in ~24–27 Monaten durch – damit ist das ~2-Jahres-Fenster kein Konzern-Verdienst, sondern die Bauform
Zwei Strecken könnten Zufall sein. Deshalb der dritte Datenpunkt – und wieder von einem anderen Konzern. Nach VINCI (SEA) und Eiffage (BPL) baute die LGV CNM (Nîmes–Montpellier) das Bouygues-Konsortium Oc'Via. Die Chronologie steht auf Oc'Vias eigener Projektseite, Datum für Datum deckungsgleich mit der IESF-Fachdokumentation: Der erste Beton wurde am 12. Februar 2014 gegossen, die Gleisverlegung begann im Februar 2016. Das sind 24 Monate für 80 km (60 km Neubaustrecke plus 20 km Anschlüsse); rechnet man die Erdbau-Vorarbeiten ab Mitte 2013 hinzu, rund 27. Und das durch die Cévennen-Fluten des Herbstes 2014 hindurch – der Termin hielt.
Damit steht die Reihe vollständig:
- SEA / VINCI – 340 km – Rohbau in 38 Monaten – 8,9 km/Monat
- BPL / Eiffage – 182 km – Rohbau in ~24–29 Monaten – 6,3–7,6 km/Monat
- CNM / Bouygues – 80 km – Rohbau in ~24–27 Monaten – ~3 km/Monat
Drei Konzerne, die im Wettbewerb zueinander stehen, und dasselbe ~2- bis 2,5-Jahres-Fenster. Man sieht auch, wie es funktioniert: Die km/Monat-Rate fällt mit der Länge (11,3 → 6,1 → 3), das Kalenderfenster bleibt – weil mit den Kilometern auch die Zahl der gleichzeitig bebauten Lose steigt. CNM hatte sechs Simultan-Sektoren, 188 Ingenieurbauwerke, eins alle 425 Meter. Wer viermal so lang baut, nimmt viermal so viele Baustellen und ist trotzdem in zweieinhalb Jahren durch. Die Kalenderzeit ist die Konstante, die Kilometer sind die Variable.
Eine Grenze bleibt: Alle drei sind Flachlandtrassen ohne Großtunnel. CNM ist immerhin eine gemischte Strecke (Fracht plus Personenverkehr) mit schärferen Trassierungsvorgaben – das härtet den Befund eher, als es ihn schwächt.
Erdbau: das deutsche Pendant
Das deutsche Pendant existiert – und ist 8- bis 12-mal langsamer: VDE 8.2 feierte 2012 den Erdbau-Abschluss auf 100 km Erfurt–Gröbers, nach Baubeginnen 2001–2006 sind das 0,7–1,1 km Rohbau je Monat
Man könnte einwenden, Deutschland feiere solche Rohbau-Meilensteine gar nicht, der Vergleich sei schief. Er ist es nicht. Am 4. Dezember 2012 meldete die Deutsche Bahn den Abschluss des Erdbaus auf 100 km zwischen Erfurt und Gröbers (VDE 8.2) – dasselbe Ereignis, das VINCI in Frankreich mit 8.500 Beschäftigten feierte, nur in klein.
Die amtlichen Baubeginne stehen im Verkehrsinvestitionsbericht 2012 (BT-Drs. 18/580): je Planfeststellungsabschnitt zwischen Mai 2001 und Juli 2006. Für 100 km Erdbau ergibt das je nach Baseline eine Rohbauphase von 92 bis 139 Monaten – 0,7 bis 1,1 km/Monat. Gegen die französischen 8,9 der SEA ist das Faktor 8 bis 12. Und die freundliche 1,1-Lesart ist eher zu großzügig: Der »Baubeginn« der Drucksache greift früh (der Finnetunnel etwa startete seine Hauptarbeiten erst 2008).
Jetzt die eigentliche Überraschung – die Massen-Gegenprobe, die der Topographie-Ausrede den Boden entzieht. Die DB bewegte für die 100 km rund 5,5 Mio. m³ Erdmassen, also grob 55.000 m³/km. Die schnelle SEA bewegte 108 Mio. m³ auf 340 km – rund 318.000 m³/km, also etwa sechsmal mehr Erde je Kilometer. Die langsamere Strecke hatte im Erdbau-Gewerk also weniger zu bewegen, nicht mehr. (Größenordnung, keine Präzisionszahl: Die DB zählt »Erdmassen und Baustoffe«, Frankreich Ab- und Auftrag; selbst bei Faktor-2-Unschärfe bleibt das Vorzeichen.)
Ein Vorbehalt in eigener Sache: Die Dezember-PM der DB ist heute nur noch bibliografisch gesichert – die Original-URL ist tot, es gibt kein Archiv-Abbild. Die tragende Last des Befunds hängt deshalb an der amtlichen Drucksachen-Tabelle, nicht an der Pressemitteilung. Was die Zahl misst, ist Kalenderzeit, nicht Ressourceneinsatz: VDE 8.2 wurde sequenziell und finanzierungsgetaktet gebaut, die SEA simultan auf 15 Losen mit Vertragspönale. Genau diese Differenz ist der Befund.
Extrempaar: Spanien gegen HS2
Das Extrempaar des Issues liegt innerhalb Europas: Spanien baute 1987–92 rund 8-mal schneller als das UK 2020–2036+ – und je Kilometer für grob ein Fünfzigstel des Geldes. Die größte saubere Bau-Diskrepanz verläuft quer durch Europa, nicht zwischen den Kontinenten
Was glauben die meisten? Dass die krassen Bau-Unterschiede zwischen Ost und West liegen, zwischen China und Europa. Die bisherigen Paare dieses Issues legen das nahe: Hochhaus-Faktor rund 2, Autobahn 6,5–8, Schienen-Rohbau 8–12. Was sagen die Daten, wenn man Spanien gegen das UK stellt? Die breiteste sauber messbare Lücke des ganzen Issues verläuft quer durch Europa – zwischen zwei EU- bzw. Europarats-Demokratien mit vergleichbarem Lohnniveau.
Wir führen zwei Zahlen getrennt, weil sie unterschiedlich belastbar sind.
Tempo. Auf identischer Basis – gebaute Kilometer je Kalendermonat, von Baubeginn bis Betrieb, mit allen Gewerken – baute Madrid–Sevilla 8,6 km/Monat, HS2 baut 0,96–1,17. Das ist Faktor 7,4 bis 9,0, grob das Achtfache. Diese Aussage ruht auf zwei einzeln belegten, gleich definierten Findings; sie ist die feste Seite des Paars.
Kosten je Kilometer. Hier nur eine Größenordnung, kein Komma: HS2 kostet 450–530 Mio. €/km (aus 87,7–102,7 Mrd. £). Madrid–Sevilla kostete nominal ~4,45 Mio. €/km; auf heutige Preise gebracht rund 10–11 Mio. Das ergibt grob Faktor 40 bis 50 – aber dieser Faktor trägt fünf Caveats, und ohne sie ist er irreführend. Erstens, 34 Jahre Abstand: Sicherheits-, Umwelt- und Beteiligungsstandards sind 2026 strenger als 1988. Zweitens, Topographie und Design sind nicht gleich: HS2 verläuft zu über 50 % in Einschnitten/Tunneln plus drei Großbahnhöfe. Drittens, die Preisbasen (britische »mixed price base« gegen inflationierte Peseten) sind eine Näherung; ±20 % ändern das Bild nicht. Viertens, HS2s Eröffnung ist ein Fenster – rutscht es weiter, wächst der Faktor. Fünftens – seit dem 6. August 2026 wissen wir es genauer –, die spanische Kostenbasis ist nicht amtlich gedeckt: Adif führt zwar Eröffnung, Länge und Bauwerksmengen der Strecke, nennt aber weder Baubeginn noch Investitionssumme; die 4,45 Mio. €/km stammen allein aus dem Fachorgan der spanischen Bahnstiftung. Wir setzen den Kostenfaktor deshalb nicht fester, sondern weicher: Er ist eine Hausnummer mit belegter Herkunft, kein gemessener Wert.
Die ehrliche Klammer: Selbst Frankreichs SEA (2011–17, heutige Standards, ~26 Mio. €/km) liegt noch Faktor 17–20 unter HS2. Der Kostenabstand ist also nicht allein Zeitgeist. Aber er ist auch nicht reine Ineffizienz – und genau deshalb steht er hier als Größenordnung, nicht als Urteil.
Flach gegen flach: die Kontrolle
Flach gegen flach, Erdbau gegen Erdbau: Im tunnelfreien Thüringer Becken schaffte VDE 8.2 nur 0,35–0,5 km je Monat – die ebenso flache LGV SEA war 20- bis 30-mal schneller
Der deutsch-französische Tempovergleich hat einen naheliegenden Einwand: Deutschland baute durch Tunnel und über Talbrücken, Frankreich über flaches Land. Um diesen Einwand sauber zu prüfen, braucht man ein deutsches Flachlandstück ohne Tunnel – und es gibt es, amtlich und archiviert.
Der rund 30 km lange Abschnitt der VDE 8.2 im Thüringer Becken ist genau das: kein Großtunnel, reiner Erdbau. Die DB meldete am 12. Juni 2012 dessen Fertigstellung; die Pressemeldung nennt sogar den Preis – »etwa 150 Millionen Euro« Einzelinvestition, also rund 5 Mio. €/km reiner Erdbau. Die amtlichen Baubeginne (BT-Drs. 18/580) liegen im Frühjahr bis Herbst 2005. Rechnung: 30 km in 86 Monaten (ab April 2005) = 0,35 km/Monat; wohlwollend, ab sichtbarem Baubetrieb Sommer 2007, 0,51.
Zum Vergleich stellt man nicht die gesamte SEA daneben, sondern ihre reine Erdbewegungsphase: 11,3 km/Monat. Flach gegen flach, Erdbau gegen Erdbau, ergibt das Faktor 22 bis 32. Der Tunnel-Einwand ist damit erledigt – und zusammen mit der Massen-Gegenprobe (die schnelle Strecke bewegte je Kilometer mehr Erde) ist die Topographie als Haupterklärung der Lücke doppelt widerlegt.
Was bleibt als Erklärung übrig? Nicht das Gelände, sondern die Organisation: Parallelität der Lose statt Sequenz, Finanzierungstakt (die Finanzierungsvereinbarung kam erst 2003, Baubeginne tröpfelten 2005/06) und Termindruck – PPP-Pönale in Frankreich gegen ein Haushaltsrecht ohne Deadline in Deutschland.
Zwei Grenzen: Das Thüringer Becken ist ein Abschnitt, kein eigenständiges Projekt – seine Losgröße von 30 km entspricht aber fast genau einem französischen Einzellos, was den Vergleich eher fair macht. Und der Erdbau lief nicht durchgehend unter Volllast: Genau das ist der Befund, nicht ein Messfehler.
+25 % oder +6 %? Die Baseline entscheidet
+25 % oder +6 %? Auch in Frankreich entscheidet die Baseline die Schlagzeile – und in der saubersten Kostenbilanz steckt ein amtliches Baukartell
In unserem Text zu Hannover–Berlin stand die Lehre, dass eine Kostenzahl ohne ihre Vergleichsbasis wertlos ist. Frankreich liefert dazu das Lehrstück. Die LGV Nord kostete am Ende 3.334 Mio. € (Preisstand 2003). Ob das viel ist, hängt allein davon ab, womit man vergleicht:
- gegen die Enquête publique (Bürgerbeteiligung 1988, 2.666 M€): +25 %
- gegen die DAM (Ministergenehmigung 1989, bereinigt 3.148 M€): +6 %
- gegen die Revision 1991 (3.266 M€): +2 %
Dieselbe Strecke, dieselbe Endsumme — eine Schlagzeile von »ein Viertel teurer« bis »punktgenau«. Wer die Zahl nennt, hat sich stillschweigend für einen Nullpunkt entschieden. Der Bilan zerlegt den Überschuss von 668 Mio. € ehrlich: 54 % waren Programmänderungen nach der Bürgerbeteiligung (Durchquerung Lille, zusätzliche Anschlüsse, Lärmschutz), 24 % Präzisierung der frühen, nur auf ±15–20 % genauen Schätzung, und 22 % Baukonjunktur samt Kartell. Nicht die Baustelle trieb die Kosten, sondern die nachverhandelten Wünsche zwischen Beteiligung und Genehmigung.
Über fünf Projekte gilt dieselbe Regel: gegen die Ministergenehmigung (DAM) einstellig, gegen die Bürgerbeteiligung +10–25 %. Das ist strukturell identisch mit dem deutschen Fall (Köln–Rhein/Main: »Kostentreue« nur gegen den gedeckelten Bundesanteil).
Und dann die Fußnote, die man nicht verschweigen darf: In dieser saubersten der französischen Kostenbilanzen steckt ein amtlich dokumentiertes Baukartell (»ententes« der Tiefbaufirmen). Wie groß der Schaden war, beziffern die Beteiligten um den Faktor 11 auseinander — die SNCF nennt 13 Mio. €, der Rechnungshof 145 Mio. € (Preisstand 2003). Der Bilan referiert beide Zahlen nebeneinander; wir tun es ihm gleich, statt eine zu wählen.
Frankreich: 35 Jahre, ein Band
35 Jahre, sechs Baustellen, ein Band: Frankreich baut konstant 4–7 km LGV pro Monat – und der Rekord begann vor der Genehmigung
Wer glaubt, Frankreich habe den TGV in einer goldenen Frühzeit schnell gebaut und danach an Tempo verloren, findet in den amtlichen Ex-post-Bilanzen das Gegenteil. Sechs Schnellfahrstrecken, Baubeginn zwischen 1985 und 2012, liegen in einem schmalen Band:
- TGV Atlantique (1985–1990): 282 km → 4,2 km/Monat
- LGV Nord (1989–1993): 333 km → 6,9 km/Monat
- LGV Rhône-Alpes (1989–1994): 106 km → 1,9 km/Monat (Ausreißer, s. u.)
- LGV Méditerranée (1996–2001): 250 km → ≈4,0 km/Monat
- LGV Est Phase 1 (2002–2007): 300 km → 4,6 km/Monat
- LGV SEA (2012–2017): 302 km → 4,6 km/Monat
Über 32 Jahre Baubeginn-Spanne bleibt das Kernband 3,9–6,9 km/Monat — kein Abwärtstrend. Die dokumentierte Verlangsamung französischer Großprojekte findet also nicht auf der Baustelle statt, sondern davor und daneben (siehe unseren Text zur DUP-Lücke).
Der Rekord der ganzen deutsch-französischen Karte ist die LGV Nord: 333 Kilometer in vier Jahren. Sie trägt eine Pointe, die man kaum glaubt: Der Bau begann im Sommer 1989 — vor der Baugenehmigung (DUP-Dekret 29.09.1989, Ministerbilligung erst 13.04.1990). Frankreichs schnellste Baustelle startete, bevor die Erlaubnis vorlag; erzwungen vom Kanaltunnel-Termin. Nach heutigem Umwelt- und Beteiligungsrecht wäre das nicht mehr möglich — genau das macht die Zahl zum historischen Grenzpunkt, nicht zum Vorbild.
Drei Ehrlichkeiten binden uns. Erstens: Rhône-Alpes (1,9) ist als Lyoner Umfahrung mit dichter Knotenarbeit nicht bandtypisch — wir weisen sie als Ausreißer aus, statt sie wegzulassen. Zweitens sind Méditerranée-Baubeginn nur jahresgenau belegt, daher die ~-Angabe. Drittens, und wichtigster Merker: Bautempo ist nicht Effizienz. Ein Flachland-Kilometer entlang der A1 ist ungleich schneller gelegt als ein Kilometer durch den Berg — der KPI misst Realisierungstempo, nicht, ob gut gewirtschaftet wurde.
Die Lücke vor dem Spatenstich
Die Lücke liegt vor dem Spatenstich – jetzt auch innerhalb Frankreichs: von −2 Monaten (LGV Nord 1989) über 68 (LGV Est 2002) auf 105 Monate (LGV CNM 2014)
Unser Text zum Bautempo zeigt: Frankreichs Baustellen sind über 35 Jahre gleich schnell geblieben. Trotzdem dauern die Projekte insgesamt länger als früher. Wo also sitzt die Verzögerung? Die amtlichen Bilanzen erlauben die Probe aufs Exempel — sie datieren für jede Strecke die Déclaration d'utilité publique (DUP), die Baugenehmigung, und den tatsächlichen Baubeginn. Der Abstand dazwischen:
- TGV Atlantique: DUP 05/1984 → Bau 02/1985 = 9 Monate
- LGV Nord: DUP 09/1989 → Bau Sommer 1989 = ≈ −2 Monate (Bau vor Genehmigung)
- LGV Rhône-Alpes: DUP 10/1989 → Bau ab 10/1989 = ≈ 0 Monate
- LGV Méditerranée: DUP 05/1994 → Bau 1996 = ≈ 20–30 Monate
- LGV Est Phase 1: DUP 05/1996 → Bau 01/2002 = 68 Monate
- LGV SEA: DUP 06/2009 → Bau Anfang 2012 = ≈ 31 Monate
- LGV CNM (Nîmes–Montpellier): DUP 05/2005 → Bau 02/2014 = 105 Monate
Das ist die Antwort in einer Zahlenreihe: Von faktisch null (1989) über fast sechs Jahre (LGV Est) auf fast neun (LGV CNM). Während die Bauphase stabil blieb – die CNM baute ihre 80 km in denselben ~24 Monaten wie die Schwesterstrecken –, hat sich die Vor-Baustellen-Phase monoton gedehnt: genau der Befund, den wir für den deutsch-französischen Vergleich vermutet hatten, gilt jetzt belegt auch innerhalb Frankreichs. Und der ganze Bogen der CNM macht es plastisch: von der Aufnahme in den Schéma directeur 1992 bis zum Personenverkehr 2018 vergingen 26 Jahre für 60 Kilometer – schnell war nur die Baustelle.
Wichtig ist, wie man das liest. Die Lücke ist nicht per se Stillstand. Bei der LGV Est waren es 17 Gebietskörperschaften, deren Finanzierung erst zusammengebaut werden musste; bei der SEA die Vergabe der privaten Konzession (die dann als Beschleuniger wirkte). Der Méditerranée-Bilan benennt den Mechanismus selbst: Verzug »zunächst durch die Abstimmung des endgültigen Trassenverlaufs, dann durch die Streckung der Finanzierung«. Es sind produktive Phasen — aber es sind eben diese Phasen, die die Gesamtdauer treiben, nicht der Bau. Und der Extremfall LGV Nord, wo der Bagger vor der Genehmigung anrückte, markiert, wie grundlegend anders die Regeln der 1980er waren.
Der Bau trägt 0,0 Prozentpunkte
Die Pointe ist die Null: In der amtlichen Zerlegung des Méditerranée-Absturzes trägt der Bau exakt 0,0 Prozentpunkte bei
Wenn ein Großprojekt seine Rendite verfehlt, lautet die Reflex-Erklärung: der Bau wurde zu teuer. Bei der LGV Méditerranée lässt sich diese Vermutung ausnahmsweise überprüfen, denn der amtliche Nachher-Bilanz zerlegt den Renditeverfall Ursache für Ursache. Die geplante wirtschaftliche Rendite lag bei 8,0 %, herausgekommen sind 4,1 %. Woher kommen die fehlenden 3,9 Prozentpunkte?
- fehlende Erlöse: −2,5 Pp. (64 % des Verfalls) — zu wenig Fahrgäste
- Betriebskosten: −0,8 Pp. (21 %)
- Gewerbesteuer: −0,5 Pp. (13 %) — eine Steuer, die es zur Planungszeit noch gar nicht gab
- Rollmaterial: −0,1 Pp. (3 %)
- Infrastruktur-Baukosten: 0,0 Pp. (0 %)
Die Pointe steht in der letzten Zeile. Der Bau, das teuerste und sichtbarste Stück des Projekts, trägt zum Absturz null bei. Der TGV Süd wurde gebaut, wie er geplant war; was fehlte, waren Reisende, und was aus dem Ruder lief, waren die laufenden Kosten. Das CGEDD fasst es in einen Satz: »les coûts d'investissements prévus sont respectés, pas les coûts d'exploitation« — die geplanten Investitionskosten werden eingehalten, die Betriebskosten nicht. Es ist derselbe Befund, den Frankreichs Bilanz-Serie schon dreimal gezeigt hat — nur steht er hier zum ersten Mal als zitierfähige Null in einer amtlichen Tabelle.
Die Ehrlichkeit dazu: Die 8-%-Vergleichsbasis (»DAM«) ist eine Rekonstruktion — die SNCF konnte ihre Original-Rechennotizen nicht mehr finden, das steht wörtlich im Bericht. Verglichen wird also das Ist gegen eine nachgebaute Prognose. Und der Absturz ist strukturell, nicht konjunkturell: Selbst wenn der Verkehr nach 2006 wieder auf Plan-Tempo gewachsen wäre, brächte das laut CGEDD nur +0,5 Pp., zehn Prozent mehr Durchschnittserlös nur +0,1 Pp. Die verlorenen vier Prozentpunkte holt kein besseres Jahr zurück.
Die halbierte Zukunft: 51,7 auf 32,4
Die halbierte Zukunft: Für 2041 rechnete die Planung 51,7 Mio. Reisende – der Nachher-Bilanz nur noch 32,4 Mio.
Eine Verkehrsprognose reicht weit über die Eröffnung hinaus — bei der LGV Méditerranée bis ins Jahr 2041. Der amtliche Nachher-Bilanz stellt in einer einzigen Tabelle nebeneinander, was zwei Jahrgänge derselben Behörde für dieses ferne Jahr erwarteten:
- Planung (a priori): 51,7 Mio. Reisende auf der Strecke
- Nachher-Bilanz (a posteriori): 32,4 Mio. Reisende
Das ist ein Minus von 37 % — nicht bei der Eröffnung, sondern in der erwarteten Zukunft. Und die schönste Fassung steckt im Vergleich mit der Welt ohne die Strecke: Ohne Neubau hatten die Planer für 2041 schon 31,7 Mio. Fahrgäste erwartet. Der revidierte Wert mit Strecke (32,4) liegt gerade 2 % darüber. Auf dem Papier von 2007 bringt der TGV im Jahr 2041 also kaum mehr Verkehr, als man ohne ihn ohnehin erwartet hätte. Entsprechend schrumpft der Projektgewinn für 2041 von 20,0 auf 8,3 Mio. Reisende — ein Minus von 58 %.
Nicht der Zug war falsch berechnet, sondern das unterstellte Frankreich: Die Planung schrieb ewige 2,5 % Verkehrswachstum pro Jahr fort, der Bilanz nur noch 1,4 %. Über vier Jahrzehnte klafft aus einem Zehntelpunkt jährlich eine halbierte Zukunft.
Die Ehrlichkeit dazu — und der Grund für die vorsichtige Einstufung (conf 0,75): Beide Werte sind Projektionen. Auch die 32,4 Mio. sind keine Messung, sondern eine Prognose des Jahrgangs 2007 auf Basis der Ist-Zahlen bis 2006 — ob 2041 wirklich 32 Millionen fahren, weiß niemand. Die Planungszeile ist zudem eine Rekonstruktion (das genehmigte Verkehrsniveau, fortgeschrieben mit den alten Wachstumsraten), keine einzelne Originalzahl aus einem 1994er-Dokument. Was die Tabelle sicher zeigt, ist nicht die Zukunft — sondern wie stark sich die Erwartung an die Zukunft korrigiert hat.
Wo Prognosen irren — und wo nicht
Frankreichs Prognosen irren nicht überall gleich: Die Straße trafen sie punktgenau, das Flugzeug verschätzten sie zweimal
Die grobe Erzählung lautet: »Verkehrsprognosen werden schöngerechnet.« Der amtliche Nachher-Bilanz der LGV Méditerranée erlaubt einen genaueren Blick, weil er den Verkehrsgewinn 2004 nach Herkunft zerlegt — woher die neuen Bahnreisenden kamen, geplant gegen real:
- vom Flugzeug: geplant 3,2 Mio., real 1,8 Mio. — um Faktor 1,8 überschätzt
- von der Straße: geplant 1,2 Mio., real 1,2 Mio. — Punktlandung
- neu erzeugter Verkehr: geplant 2,2 Mio., real 1,5 Mio.
Der Fehler sitzt also nicht überall, sondern fast ganz im Flug-Segment. Und er ist keine Schönfärberei, sondern ein Denkfehler über den Konkurrenten: Der Pariser Méditerranée-Luftverkehr lag schon vor Eröffnung unter 6 Mio. Reisenden im Jahr — ein Report von 3 Mio. war von vornherein unplausibel. Überschätzt wurde nicht der TGV, sondern das Wachstum des Flugzeugs, das er ablösen sollte. Das CGEDD sagt es in einem Satz: »Le TGV n'a pu conquérir un trafic qui n'existait pas« — der TGV konnte keinen Verkehr erobern, den es nicht gab.
Das ist das Echo der LGV Nord. Auch dort saß der ganze Prognosefehler in einem einzigen Segment — dem Verkehr nach Großbritannien, um Faktor 2,4 überschätzt. Zweimal derselbe Fehlermodus: die Straße vor der eigenen Haustür schätzt Frankreich präzise, den fernen oder umkämpften Markt (International, Flugzeug) zweimal deutlich zu hoch.
Die Ehrlichkeit dazu: Die Zahlen gelten fürs reduzierte Projekt (die Teilstrecke Nîmes–Montpellier war noch nicht gebaut, kostet laut CGEDD ~0,4 Mio. Gewinn), der »neu erzeugte Verkehr« ist ein Saldo und keinem einzelnen Treiber sauber zuzuordnen, und 2004 ist ein Zwischenschnitt — der Gesamtgewinn erreichte 2006 das geplante Niveau. Der Report schwankt außerdem mit dem Wettbewerb: Nach dem EasyJet-Rückzug aus Marseille stieg der Flug-Report 2006 wieder auf 2,2 Mio. Ein realer Effekt — aber er erklärt nur einen Teil der Lücke.
Zwei Bilanzen, eine Strecke
Zwei Bilanzen, eine Strecke: Der Betreiber verliert 2.175 Mio. €, die Gesellschaft landet bei ±0
Ob ein Projekt »gescheitert« ist, hängt davon ab, wen man fragt. Die LGV Méditerranée liefert zwei amtliche Bilanzen derselben Strecke, aus demselben Bericht — und sie ziehen in verschiedene Richtungen.
Für den Betreiber ist die Zahl hart: Die wirtschaftliche Gesamtbilanz fiel um 2.175 Mio. € schlechter aus als geplant. Das klingt nach Desaster. Rechnet man die Strecke jedoch aus Sicht der Gesellschaft — inklusive der Zeit, die jeder Reisende gewinnt —, kippt das Bild ins Neutrale: Vom versprochenen Nettonutzen von 2.980 Mio. € blieben ex post noch 50 Mio. € übrig. Das ist keine Zahl, die man feiert, aber auch kein Verlust: eine Punktlandung auf der Rentabilitätsschwelle. Der sozioökonomische Zins liegt bei exakt 8,0 % — genau dem Diskontsatz, an dem sich Lohnen und Nicht-Lohnen scheiden. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis sank von 0,65 auf 0,01.
Wie passt beides zusammen? Die Zerlegung adelt die Reisenden. Ihr Zeitgewinn — der Surplus — blieb mit 2.796 Mio. € zu rund 83 % intakt, während der Betreiber-Überschuss sich fast halbierte. Das Projekt kippte auf der Betreiber-, nicht auf der Nutzerseite: Es ist dasselbe 83/17-Muster, das die gebaute Stunde schon über den Fahrpreis zeigte. Wer nur die −2.175 Mio. € zeigt, erzählt die halbe Geschichte; wer nur die ±0 zeigt, die andere Hälfte.
Die Ehrlichkeit dazu: Die Kollektivbilanz rechnet ohne Externalitäten (Unfälle, Luft, CO₂ — ex post gut zehn Prozent des Surplus wert) und ohne den Staat. Der Diskontsatz von 8 % war die damalige französische Norm; mit heutigen 4 bis 4,5 % sähe die Bilanz freundlicher aus — die Schwellen-Punktlandung gilt nur im 8-%-Regime. Und die 12,2 % aus dem Genehmigungs-Dossier sind nicht ganz vergleichbar: Sie enthielten die nie gebaute Teilstrecke Nîmes–Montpellier.
Die Prognose, die lernte
Die Prognose, die lernte – aber langsamer, als sie zuerst aussah: Frankreichs TGV-Verkehrszahlen auf gleicher Reifestufe
»Verkehrsprognosen sind immer schöngerechnet« — das glaubt man gern. Frankreichs amtliche Nachher-Bilanzen zeigen etwas Feineres, und mit dem jetzt ausgewerteten Méditerranée-Kapitel auch etwas Ehrlicheres als unsere erste Fassung. Der Trick ist, alle Projekte auf derselben Reifestufe zu lesen — im zweiten Jahr nach Eröffnung, bevor die Wachstumsdynamik die Startlücke kaschiert:
- TGV Atlantique (1989): −30 %
- LGV Rhône-Alpes (1996): −15 %
- LGV Nord (2002): −50 % — der Ausreißer
- LGV Méditerranée (2003): −15 % (19,5 statt ~23 Mio.; bis 2006 auf ~−10 % geschlossen)
- LGV Est (2009): +4 % — Punktlandung
So gelesen ist die Reihe keine gleichmäßige Kurve, sondern ein Plateau bei −15 % für die Inlandsprojekte der 90er, mit dem Sprung zur Punktlandung erst bei der Est. Die berühmten −4 % der Rhône-Alpes, die in unserer ersten Fassung wie ein früher Lernschritt aussahen, waren der Wert nach sechs Betriebsjahren — nicht auf year-2 vergleichbar. Wir hatten Reifestufen vermischt; das ist hier korrigiert. Die Lernkurve bleibt real, aber sie kommt später und langsamer, als die schöne Schlagzeile behauptete.
Und die zwei schlechten Werte sind nicht dieselbe Krankheit. Die LGV Nord verfehlte ihren Markt: Der Großbritannien-Verkehr existierte schlicht nicht in prognostizierter Höhe (16,6 statt 6,9 Mio., Faktor 2,4 daneben). Die Méditerranée dagegen traf ihn — ihr Verkehrsgewinn erreichte 2006 mit 6 Mio. Reisenden exakt das geplante Niveau, nur drei Jahre später, weil der Anlauf zu steil geplant war. Ein Zeitfehler, kein Phantom.
Die schärfste Pointe trägt trotzdem die Nord, als Anti-Mythos: schnellste Baustelle, planmäßig eröffnet, im Budget-Korridor — und doch das Projekt mit der niedrigsten Rendite für die Bahn (2,9 statt 12,9 %; Est 5,9, Rhône-Alpes 6,3, Atlantique rund 7). Für die Allgemeinheit blieben zwei der vier unter dem Mindestsatz von 8 %: die Nord mit 5,0 und die Est mit 4,2 Prozent. Zwischen den beiden gibt es keine Reihenfolge, weil schon ein Wechsel des Bewertungsrahmens die Est um einen Punkt bewegt. Wer nur Bautempo und Termintreue misst, hätte die Nord gefeiert.
Korrektur vom 14. September 2026. Bis heute stand hier, die Nord sei »als einzige LGV unter der 8-%-Schwelle«. Die 8 Prozent sind der Mindestsatz für die Rendite der Allgemeinheit, und darunter liegt auch die Est: 4,2 statt 8,5 Prozent geplant, der Bilan LOTI der Est sagt es selbst. Der Satz stammte aus einem Feld des researchers vom 5. August, das ihn für die Est ungemessen behauptete; er hat das Renditekapitel des Est-Bilans am 14. September zum ersten Mal gelesen. Was bleibt: Die Nord hat mit 2,9 Prozent die niedrigste Rendite für die Bahn unter den vier Projekten. Was neu dazukommt: die Rendite je Projekt, jetzt aus allen vier Bilans belegt.
Zwei Ehrlichkeiten bleiben. Die Nullpunkte sind nicht identisch (Bürgerbeteiligung vs. Ministergenehmigung) — Richtung und Größenordnung tragen das, die Nachkommastelle nicht. Und die Méditerranée-Baseline ist a posteriori rekonstruiert (eine gestrichene Teilstrecke herausgerechnet, laut CGEDD »peu modifié«). Wir tragen beides mit, statt es zu glätten.
Wem gehört die gewonnene Stunde?
Wem gehört die gewonnene Stunde? Auf der LGV Méditerranée behielten die Reisenden 83 % des Zeitgewinns – auf der LGV Nord nur die Hälfte
Eine neue Schnellstrecke schenkt jedem Fahrgast Zeit — bei der LGV Méditerranée rund eine Stunde je Fahrt. Die spannende Frage ist, wer diesen Gewinn behält: die Reisenden, oder der Betreiber, der ihn über einen höheren Fahrpreis wieder einsammelt. Das CGEDD rechnet es vor. Der Zeitgewinn ist ökonomisch etwa 16,4 € pro Fahrt wert; der reale Durchschnittserlös lag 2006 nur um 2,8 € über der Vergleichssituation. Der Betreiber schöpft also 17 % des Surplus ab — die Reisenden behalten 83 %.
Der Maßstab macht die Zahl sprechend: Auf der prestigeträchtigen LGV Nord waren es — gleiche Methodik, gleicher Bericht — 50 %. Zwei Strecken, zwei Machtverhältnisse. Im Süden hält das Flugzeug den Preis in Schach; im Norden, nach dem Tunnel quasi ohne Konkurrenz, konnte der Betreiber die Hälfte der gewonnenen Stunde für sich verbuchen.
Das heißt nicht, dass der TGV im Süden billig blieb. Das Bürgerbeteiligungs-Versprechen lautete: konstante Preise. Real stiegen sie über 14 Jahre um +4 % — und das im Zickzack: erst −16 % im Preiskampf mit dem Flugzeug, dann +17 %, als die Luftkonkurrenz nachließ. »Der TGV ist teurer geworden« stimmt als Richtung. Nur behielten die Reisenden trotzdem den weit größeren Teil des Zeitgewinns.
Und der eigentliche wirtschaftliche Absturz des Projekts kam nicht vom Bau. Die Gesamtbilanz fiel um 2.175 Mio. € schlechter aus als geplant — getrieben von Betriebskosten (+583 Mio. Abweichung) und Erlösen (−1.288 Mio.), während die Baukosten nahezu trafen (−292 Mio. netto). Frankreichs Bilanz-Serie bestätigt zum dritten Mal das CGEDD-Diktum: die geplanten Investitionskosten werden eingehalten, die Betriebskosten nicht.
Die Ehrlichkeit dazu: Die 83/17-Aufteilung ist eine CGEDD-Konstruktion mit einem normativen Zeitwert (16,4 €/h ist ein Kalkulationswert, kein Marktpreis) — deshalb conf 0,80. Und der Nord-Vergleich von 50 % stammt aus demselben Bericht: methodenkonsistent, aber keine unabhängige zweite Quelle.
Hochhaus: gegengeprüft bei CTBUH
Gegengeprüft in der Standard-Datenbank: Auf CTBUH-normierter Basis baute der CITIC Tower ~5.400 m²/Monat gegen ~2.500–2.700 beim Salesforce Tower – Faktor 2,0–2,2, und die »Baubeginn«-Frage ist jetzt amtlich definiert
Unser Faktor-2-Befund beim Hochhaus-Paar stützte sich bisher auf die Generalunternehmer beider Türme. Jetzt kommt ein Zweitbeleg von einem anderen Herausgeber mit einer anderen Flächendefinition dazu: die Referenzdatenbank des Council on Vertical Urbanism (ehemals CTBUH), die Instanz, die weltweit definiert, welches Gebäude wie hoch und wann fertig ist. Woher ihre Gebäudeseiten die Zahlen haben, nennt die Datenbank nicht.
Sie führt beide Türme mit standardisierter Fläche und standardisierten Zeitpunkten. Auf Tower-GFA-Basis (nur der Turm-Fußabdruck, ohne Sockelbau) baute der CITIC Tower 350.000 m² in 65 Monaten = ~5.400 m²/Monat; der Salesforce Tower 130.064 m² in 48–53 Monaten = ~2.500–2.700 m²/Monat. Das ergibt Faktor 2,0–2,2 – exakt in der Mitte unseres bisherigen Bands 1,7–2,6, das sich damit verengt. Die Extremwerte des Bands entstanden aus zu früh (Zeremonie) oder zu spät (Hauptvertrag) gesetzten Startdaten – beide sind per Definition ausgeschlossen.
Und genau diese Definitionen sind der zweite Gewinn: Die frei zugänglichen CTBUH Height Criteria legen fest, was zählt. »Under Construction« beginnt erst, wenn das Baufeld geräumt ist und Gründungs- bzw. Pfahlarbeiten laufen – Grundsteinlegungen und Abrisse zählen nicht. »Completed« verlangt Rohbau- und Fassaden-Fertigstellung plus »zumindest teilweise beziehbar«. Damit ist die politisch heikelste Frage dieses Issues – was ist eigentlich der Baubeginn? – nicht mehr unsere Auslegung, sondern eine amtliche Regel, an der jede unserer Zeitspannen prüfbar wird.
Korrektur vom 14. September 2026. Bis heute stand hier »ein unabhängiger Zweitbeleg«. Gemessen ist die Unabhängigkeit an zwei Dingen: am Herausgeber (die Datenbank gegen die Generalunternehmer beider Türme) und an der Flächendefinition (Tower-GFA statt Bruttogeschossfläche). Nicht gemessen ist sie an der Datenbasis, denn die Gebäudeseiten nennen nicht, woher ihre Felder stammen. Das Wort ist gestrichen, und an seiner Stelle steht, was gemessen ist. Die Zahlen dieses Textes und der Faktor 2,0 bis 2,2 bleiben.
CITIC gegen Salesforce Tower
Die dritte Bauart: Pekings CITIC Tower baute ~5.400 m² Bruttofläche pro Monat, San Franciscos Salesforce Tower ~2.800 – Faktor ~1,9 (Band 1,7–2,6), obwohl Peking das fast doppelt so hohe Haus stellte
Erich hat die Gebäude-Metrik geschärft: Nicht die Höhe zählt, sondern die Fläche – wie viele Quadratmeter Nutzfläche entstehen pro Monat Bauzeit? So wird ein 300-Meter-Turm mit einem 600-Meter-Turm vergleichbar. Für das erste Paar stellen wir die jeweils höchsten Bürotürme zweier Städte nebeneinander, beide im selben Fenster (2012/13–2018) gebaut, beide brutto gerechnet:
- CITIC Tower, Peking (528 m, 108 Obergeschosse): 427.000 m² Bruttogeschossfläche, Baubeginn Mai 2012, Übergabe laut Generalunternehmer CSCEC Dezember 2018 – rund 79 Monate, also ~5.400 m²/Monat.
- Salesforce Tower, San Francisco (326 m, 61 Obergeschosse): 1,6 Mio. sq ft brutto = 148.600 m², Tiefbau ab August 2013, Eröffnung Januar 2018 – rund 53 Monate, also ~2.800 m²/Monat.
Das ist Faktor ~1,9 – und hier kippt die Erwartung. Auf der Schiene fanden wir Faktor 8–12, bei der Autobahn 6,5–8. Beim komplexesten Gebäudetyp überhaupt schrumpft der Abstand auf unter zwei. Und das, obwohl Peking das fast doppelt so hohe, statisch weit anspruchsvollere Haus baute (528 gegen 326 Meter, acht Untergeschosse, Erdbebenzone). Höhenbereinigt wäre der Vorsprung größer – die Fläche misst ihn konservativ.
Drei Grenzen, die zu jeder dieser Zahlen gehören:
- »Baubeginn« ist bei Türmen so definitionsanfällig wie bei der Schiene. Für den CITIC Tower existieren drei Startdaten (Zeremonie 09/2011, Baubeginn 05/2012, Vertragszählung 07/2013). Deshalb führen wir ein Band statt eines Punktwerts: CITIC 4.900–6.700, Salesforce 2.600–2.800 → Faktor 1,7–2,6. Die Kernaussage übersteht jede Wahl.
- Beide Flächen sind brutto, inklusive Untergeschosse. Rechnet man Salesforce auf Nettomietfläche, stiege der Faktor auf 2,2–3,0 – wir bleiben bei der vorsichtigeren Brutto-Basis.
- Nur je ein Projekt. Ob Pekings Tempo ein Einzelfall ist, prüft der Shanghai-Zweitbeleg dieses Zyklus.
Der belastbare Satz: Auf der vertikalen Baustelle ist Amerikas angeblich bau-unfähigste Stadt nur um Faktor zwei langsamer – nicht um Faktor zehn.
Hochhaus: Kosten je Quadratmeter
Der Westen zahlt nicht weniger, er baut nur langsamer: Pekings CITIC Tower (~8.700–8.900 $/m², Schätzung) und San Franciscos Salesforce Tower (~7.200–7.600) liegen nahe Kosten-Parität – der Faktor-2-Tempovorsprung ist nicht erkauft
Der naheliegende Verdacht beim Hochhaus-Paar: Peking baut doppelt so schnell, weil es billiger baut – weniger Standard, weniger Sicherheit, weniger Kosten. Die Zahlen sagen das Gegenteil. Je Quadratmeter Bruttofläche kostete der Salesforce Tower ~7.200–7.600 $ (SEC-Bericht, amtlich). Der CITIC Tower kam laut Entwickler-Schätzung von 2012 auf 24 Mrd. Yuan – inklusive des für 6,3 Mrd. Yuan gekauften Rekord-Grundstücks – das sind ~8.700–8.900 $/m², ohne Grundstück noch ~6.400–6.600. Das Verhältnis CITIC zu Salesforce liegt damit im Band 0,85–1,25: Kosten-Parität, kein China-Rabatt. Selbst im günstigsten Fall liegt Peking bei ~84 % des San-Francisco-Niveaus – während das Tempo-Verhältnis bei ~200 % liegt. Der westliche Rückstand ist Zeit, nicht Geld – genau wie bei der Autobahn (13–15 Mio. €/km Deutschland gegen 13–17 Mio. $/km Texas).
Nur der Shanghai Tower ist mit ~3.900–4.450 $/m² (14,8–15,9 Mrd. Yuan) etwa halb so teuer. Und hier korrigieren wir uns selbst: Ein früher notierter Kandidat von »~1.490 $/m²« (5,4 Mrd. Yuan, aus einem Branchendossier) war um Faktor ~3 zu niedrig und ist durch alle anderen Quellen widerlegt – er fällt raus.
Warum trägt dieser Text nur mittleres Vertrauen? Weil die Kostenbegriffe nicht deckungsgleich sind: Salesforce ist ein bilanzieller Investitionswert samt kapitalisierter Zinsen, CITIC eine Schätzung vor Fertigstellung, Shanghai ein Presse-Band ohne auffindbare amtliche Quelle. Gerechnet wird zu Marktwechselkursen, nicht kaufkraftbereinigt (PPP-gerechnet wäre China relativ teurer), und es sind nur drei Gebäude. Die Kernaussage aber übersteht jede Variante: Es gibt keinen Billigbau-Effekt, der den Tempovorsprung erklären würde.
Salesforce Tower: die SEC-Zahl
Vom Presse-Circa zur Pflichtangabe: Der Salesforce Tower kostete laut SEC-Bericht seines Eigentümers 1.073,5 Mio. $ (95-%-Anteil) – rund 7.200–7.600 $ je m²
Für das Tempo des Salesforce Tower hatten wir harte Daten; für seine Kosten bisher nur eine gerundete Presse-Zahl (»ca. 1,1 Mrd. $«). Die ist jetzt ersetzt – durch eine Quelle, die niemand schönt: den bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Geschäftsbericht (Form 10-K, 2017) des Miteigentümers Boston Properties. Dessen Bautabelle weist für den Turm zum Stichtag 31.12.2017 aus: 1.073,5 Mio. $ »Estimated Total Investment« – das ist der 95-%-Anteil von Boston Properties, hochgerechnet auf 100 % ergibt das ~1,13 Mrd. $. Die kolportierte 1,1-Milliarden-Zahl war also gar nicht falsch – sie traf ungefähr das implizite Gesamtprojekt.
Auf die Bruttofläche von 148.600 m² gerechnet sind das ~7.200–7.600 $/m²; misst man nur die reine Turm-/Nettomietfläche (130.064 m²), sind es 8.300–8.700 $/m². Diese Zahl trägt das Kosten-Kapitel des Hochhaus-Paars.
Zwei Dinge gehören sichtbar dazu. Erstens: »Estimated Total Investment« ist eine Investitions-, keine reine Baukostengröße – sie enthält Grundstück, kapitalisierte Zinsen und Vermietungskosten und ist per Stichtag noch geschätzt (der Turm war da erst zu 7 % in Betrieb). Zweitens eine Pointe zur Endpunkt-Frage, die uns durch das ganze Issue begleitet: Am 31.12.2017 war der Turm zu 97 % vermietet, aber erst zu 7 % bezogen. »Eröffnung Januar 2018« heißt Teilbezug – die volle Auslastung erwartete der Eigentümer selbst erst für 2018/19.
Shanghai Tower: der Zweitbeleg
Kein Einzelfall: Shanghai Tower baute 576.000 m² in 85 Monaten = ~6.800 m²/Monat – selbst mit dem spätesten Endpunkt bleiben ~5.000, fast doppelt so schnell wie San Franciscos Flaggschiff
Der CITIC Tower könnte ein Ausreißer sein – ein Prestigeprojekt, das die Regel nicht trägt. Also prüfen wir mit einem zweiten, unabhängigen Punkt: andere Stadt, anderer Bauherr, anderes Jahrzehnt.
Der Shanghai Tower (632 m, 128 Geschosse, Büro/Hotel/Retail) fasst 576.000 m² Bruttofläche. Von der Grundsteinlegung im November 2008 bis zur Fertigstellung 2015 vergingen rund 85 Monate – das sind ~6.800 m²/Monat. Bis zur offiziellen Eröffnung 2016 sind es noch ~6.300.
Jetzt der ehrliche Härtetest: Was, wenn wir den ungünstigsten Endpunkt nehmen? Der Vollbezug zog sich wegen Abnahme- und Aufzugsthemen bis etwa 2018. Rechnet man die volle Strecke – 115 Monate –, bleiben immer noch ~5.000 m²/Monat. Das ist das 1,8-Fache des Salesforce-Hauptwerts (2.800). Selbst mit jedem Zweifel zugunsten der langsameren Lesart bleibt der Abstand.
Zusammen ergeben die beiden chinesischen Türme ein konsistentes Bild: ein Supertall-Band von rund 5.000 bis 6.800 m²/Monat aus zwei voneinander unabhängigen Projekten. San Franciscos Flaggschiff liegt bei 2.600–2.800. Der Faktor ~1,9 aus dem Kernpaar ist damit kein Zufallstreffer.
Zwei Grenzen gehören dazu: Der Shanghai Tower mischt Büro, Hotel und Retail – wir führen ihn als Gesamt-Gewerbefläche, weil die Quellen ihn nicht flächenscharf nach Nutzungsart trennen. Und die maschinell prüfbare Quelle ist ein Fachdossier, das Bauherrn-Angaben weitergibt; die Eckdaten (Baustart 11/2008, Richtfest 08/2013, 576.000 m²) stehen deckungsgleich bei vier Herausgebern, von denen keiner sagt, woher er sie hat, und keiner sie selbst gemessen hat. Das belegt die Weitergabe, nicht die Zahl. Die Standarddatenbank CTBUH, seit dem 13. September 2026 wieder ohne Browser lesbar, führt den Turm allein mit 420.000 m² Turmfläche und einem Baufenster 2009 bis 2015; das sind rund 4.900 bis 5.800 m²/Monat, und auf beiden Flächenbegriffen bleibt Shanghai bei fast dem Doppelten von San Francisco. Die Rate ist robust – die Nachkommastelle nicht.
Korrektur vom 13. September 2026. Bis heute stand hier, die Eckdaten seien »über mindestens vier unabhängige Quellen deckungsgleich«, und dasselbe im Quellenfeld dieses Textes. Der researcher hat die vier am 13. September an drei Achsen gemessen: vier verschiedene Herausgeber, null mit eigenem Erhebungsweg, null, die ihre Datenbasis nennen. Dieselbe Zahl in vier Ausgaben ohne Herkunft ist die Signatur einer Datenbasis, die viermal weitergegeben wird, nicht die vierer Messungen. Das Wort »unabhängig« ist gestrichen, die Zahl der Quellen bleibt. Dazugekommen, nicht korrigiert: die Nachprüfung in der Standarddatenbank CTBUH mit 420.000 m² Turmfläche und dem Baufenster 2009 bis 2015; 576.000 und 420.000 sind zwei Flächenbegriffe (ganze Anlage mit 166.000 m² unter der Erde gegen den Turm allein), kein Widerspruch. Die 6.800 und 5.000 m²/Monat dieses Textes bleiben.
Auch der Turm wartet: 5,9 Jahre
Auch der Turm wartet vor dem Bagger: Salesforce Tower brauchte 5,9 Jahre vom Wettbewerbsentscheid bis zum Hauptbaubeginn – länger als die Bauzeit selbst (4,4 Jahre); Pekings CITIC kam in ~1,5 Jahren zum Baubeginn
Bei Schiene und Autobahn fanden wir dasselbe: Der westliche Zeitverlust sitzt selten auf der Baustelle, sondern davor. Gilt das auch für den Turm – dort, wo der Bau-Faktor doch so klein ist?
Die Chronologie des Salesforce Tower: Der internationale Wettbewerb der Transbay-Behörde TJPA wurde im September 2007 entschieden (Hines/Pelli). Verkauft wurde das Grundstück aber erst am 26. März 2013; die Grundsteinzeremonie folgte einen Tag später, der Tiefbau ab August 2013. Eröffnung war im Januar 2018. Macht 5,9 Jahre Vorlauf vom Entwurf bis zum Hauptbaubeginn – gegen 4,4 Jahre Bauzeit. Die Papierphase war länger als das Bauen.
Der Kontrast: Pekings CITIC Tower bekam sein Grundstück Ende 2010, die Zeremonie folgte im September 2011, der Baubeginn im Mai 2012 – rund anderthalb Jahre Vorlauf.
Damit steht dasselbe Muster nun bei der dritten Bauart: Schiene (Baurecht 1996, Baubeginn im Median +9,8 Jahre), Autobahn (12,9 Jahre Planfeststellungs-Vorlauf), Hochhaus (5,9 > 4,4 Jahre). Der Westen verliert vor dem ersten Spatenstich.
Und hier die Grenze, die diesen Text auf confidence 0,5 hält – sie gehört in jeden Satz darüber: Die 5,9 Jahre sind Vorlauf, nicht Genehmigungsdauer. In sie fallen die Finanzkrise 2008/09, die Neuordnung der Transbay-Finanzierung und der Entitlement-Prozess (der Transit Center District Plan wurde erst 2012 beschlossen). Diese Anteile lassen sich aus den vorliegenden Quellen nicht trennen. Belegt ist die Gesamtlücke selbst – alle drei Daten sind mehrfach dokumentiert –, nicht ihre Ursache. Die saubere Aussage lautet deshalb: Die Papierphase war länger als die Bauphase. Nicht: »Die Bürokratie kostete sechs Jahre.«
HS2 nach dem Reset, amtlich
HS2 nach dem Reset, amtlich (Mai 2026): 225 km London–Birmingham für 87,7–102,7 Mrd. £, Eröffnung frühestens Mai 2036 – im Hauptbaufenster 0,96 bis 1,17 km pro Monat, der langsamste Datenpunkt des ganzen Issues, und das in einem reichen Land im Jahr 2026
Am langsamen Ende steht kein armes Land und kein fernes Jahrzehnt. Es steht das Vereinigte Königreich, heute. Nach dem »Programme Reset« beziffert das britische Verkehrsministerium die erste HS2-Phase amtlich: 225 km London–Birmingham, 87,7 bis 102,7 Mrd. £, Eröffnung des Kernabschnitts Old Oak Common–Curzon Street zwischen Mai 2036 und Oktober 2039, die Anbindung an den Londoner Bahnhof Euston sogar erst 2040–2043.
Auf denselben Nenner gebracht wie Spanien und Frankreich – gebaute Kilometer geteilt durch die Kalendermonate von der Baufreigabe (Notice to Proceed, April 2020) bis zur Eröffnung – sind das 0,96 bis 1,17 km pro Monat. Zur Erinnerung die Schienen-Nachbarn auf gleicher Basis: Madrid–Sevilla 8,6, die besten LGV 3,3–5,0. HS2 liefert ein Achtel bis ein Viertel davon und ist damit der langsamste Datenpunkt des gesamten Issues – langsamer als jedes Autobahn-, Rohbau- oder Hochhaus-Paar, das wir bisher kartiert haben.
Die Zahl trägt confidence 0,8, und die Grenzen gehören dazu. Erstens ist die Baufreigabe 2020 ein später Startpunkt; rechnet man ab den Enabling Works 2017, sinkt die Rate auf 0,84–0,97 – noch langsamer. Zweitens liegen über 50 % der Strecke in Einschnitten und Tunneln (51,4 km Doppelröhren), dazu drei Großbahnhöfe in dichter Bebauung. Das erklärt einen Teil des Tempos – aber es ist eine Design-Entscheidung, kein Naturgesetz. Drittens gilt das Fenster für die Betriebsstufe ohne Euston; der Fehler ist klein und konservativ, das echte Tempo eher niedriger. Viertens warnt der Rechnungshof (NAO) im Juni 2026, auch diese Baseline sei noch nicht belastbar bestätigt: Die Zahlen können sich weiter verschlechtern, kaum verbessern. Der belastbare Satz bleibt unbequem: Ein reiches Land baut hier langsamer als jeder andere Datenpunkt, den wir haben.
HS2: der wandernde Horizont
Der wandernde Horizont: 2016 lag die HS2-Eröffnung amtlich zehn Jahre entfernt – zehn Jahre später liegt sie amtlich zehn bis dreizehn Jahre entfernt. Die Ziellinie weicht um rund ein Jahr pro Jahr zurück, dokumentiert nur in Regierungs- und Rechnungshof-Papieren
Manche Verspätung lässt sich nicht als einzelner Verzug beziffern, sondern nur als Muster über die Zeit. HS2 liefert das seltene Beispiel, in dem es amtlich und in drei Fixpunkten sichtbar wird.
2016 urteilte der britische Rechnungshof (NAO): Eröffnung der ersten Phase 2026, damals zehn Jahre entfernt, Kostenprognose 27,4 Mrd. £. 2020, bei der Baufreigabe, nannte das Verkehrsministerium das Fenster 2029–2033, Zielkosten rund 40 Mrd. £. 2026 heißt das amtliche Fenster 2036–2039 (Kernabschnitt), Euston 2040–43, Kosten 87,7–102,7 Mrd. £.
Rechnet man nach: Das Eröffnungsziel wanderte zwischen 2016 und 2026 um zehn bis dreizehn Jahre – bei zehn verstrichenen Jahren. Der Horizont entfernt sich um rund ein Jahr pro Kalenderjahr. Nach zehn Jahren Arbeit ist die Ziellinie amtlich weiter weg als beim Start. Getrennt davon, und nur als Größenordnung: nominal sind die Kosten auf das 3,2- bis 3,7-Fache gestiegen; preisbereinigt eher das 2,3- bis 2,8-Fache.
Drei Grenzen halten das ehrlich. Erstens sind die Preisbasen der drei Stände nicht identisch (2015 / 2019 / mixed) – der Kostenfaktor ist eine nominale Näherung, deshalb steht der reale daneben. Zweitens wanderte der Scope mit: 2016 galt Euston als Endpunkt, die 2026er Fenster gelten für Old Oak Common. Das lindert die Drift sogar – gegen die 2016er Definition wären es 14–17 Jahre. Drittens war das 2016er Ziel ein Planungs-, kein Bauversprechen. Aber genau diese Sorte Versprechen ist die Vergleichsbasis der Projekte, die ihr Fenster hielten: Frankreichs SEA (versprochen 2011, geliefert pünktlich Juli 2017, beim Nachbarn BPL sogar 65 Mio. € unter Budget) und Madrid–Sevilla (beschlossen 1986, in Betrieb 1992). Die Drift ist also keine Eigenschaft des Bauens an sich – sie ist die Eigenschaft dieses einen Projekts, und sie lässt sich auf das Jahr genau beziffern.
Netz gegen Netz, beidseitig
Netz gegen Netz, jetzt beidseitig: Deutschland kauft die Minute so günstig wie Frankreich – und der Fünftel-Abschlag, der die LGV Est traf, kann den Korridor gar nicht treffen
Der Schwestertext zu dieser Zahl hat die glänzendste französische Kennziffer selbst zerlegt: Paris–Straßburg kauft 95 Minuten und damit 22,0 Min. je Milliarde — aber reisendengewichtet über alle Ziele bleiben nur 17,1 Min./Mrd. €, ein Abschlag von gut einem Fünftel. Wir haben damals gesagt: Diese 17,1 gehören nicht neben die deutschen 18–21, denn die sind selbst Kopfrelation. Vergleichbar wird erst Netz gegen Netz — und die deutsche Netz-Zahl fehlte. Jetzt ist sie da.
Der Trick ist, dass man die (nicht veröffentlichten) Reisenden je Relation für Hannover– Berlin gar nicht braucht. Denn alle bezifferten Fahrzeitgewinne des Korridors liegen im schmalen Band 47 bis 60 Minuten: Berlin–Hannover −54 (amtlich, 165 → 111 Min.), Berlin–Frankfurt −47 (auf 4:04), Berlin–Ruhr/Köln ≈ −60. Wenn jeder Einzelwert zwischen 47 und 60 liegt, dann liegt jedes wie auch immer gewichtete Mittel zwingend ebenfalls darin. Geteilt durch die 2,678–2,946 Mrd. € ergibt das 16,0 bis 22,4 Min./Mrd. €, zentral rund 19. (Diese Kostenspanne steht inzwischen komplett auf Ist-Ausgaben: Eine amtliche Endabrechnung existiert nicht — es gibt nur einen Buchwert, der zwischen 2.678 und 2.946 Millionen wandert; die tiefere Prognose 2,611 fällt damit heraus. Details im Research-Text »Was Hannover–Berlin gekostet hat«.)
Damit ist die Waage im Gleichgewicht: Netz gegen Netz steht FR 17,1 gegen DE 16,0–22,4 — fast gleichauf, die deutsche Seite eher leicht vorn. Und die eigentliche Lektion ist, dass der Fünftel-Abschlag, der die LGV Est traf, den Korridor gar nicht treffen kann. Die LGV Est ist ein Baum mit Ästen: Ihre Relationsgewinne streuen von −2 bis −111 Minuten, und je nachdem, welcher Ast schwer wiegt, verschiebt sich das Mittel massiv (Kopf 95 → Netz 74). VDE 4 ist ein Stamm ohne Äste: Praktisch jeder Fernreisende durchfährt denselben Neubauabschnitt und erntet denselben absoluten Gewinn, egal ob er in Hannover, Köln oder Frankfurt aussteigt. Der Kopf-zu-Netz-Abschlag ist hier strukturell auf −13 bis +11 % begrenzt. Der −22 %, die man leicht für ein Naturgesetz nimmt, sind in Wahrheit Baum-Geometrie.
Drei Grenzen halten den Wert bei confidence 0.65 — der Sprung von 0,6, seit die Kostenseite auf Ist-Ausgaben statt auf einer Prognose steht. Der Ruhr-/Köln- und der Frankfurt-Wert sind zeitgenössische Fachpresse und DB-Angaben, nicht amtlich wie die −54 nach Hannover. Zwei Relationen (Berlin–Braunschweig, Berlin–Amsterdam) sind unbeziffert — Ausreißer nach unten dort denkbar, aber verkehrlich nachrangig; Verwässerung durch Zwischenhalte ist marginal (Stendal erhielt nur zwei Tagesrandhalte). Und: Beide Netz-KPIs, der deutsche wie der französische, sind untere Ränder des Gesamtnutzens. Sie zählen gekaufte Minuten, nicht gekaufte Fahrten. Am Eröffnungstag 1998 sprang Berlin–Düsseldorf von 9 auf 17 Zugpaare täglich — ein Korridor, der doppelt so oft fährt, halbiert die mittlere Wartezeit, und kein Fahrzeit-KPI erfasst das. Dass die Rechnung trägt, stützt die Nachfrage selbst: Der Berlin-Verkehr wuchs 1999–2008 um fast die Hälfte auf 27.000 Reisende pro Tag — genau der Durchgangsverkehr, der den vollen Gewinn erntet.
Der Rohbau-KPI: was er trennt
Wie schnell ist gebaut? Der Rohbau-KPI trennt Baggertempo von Kalenderzeit – die LGV SEA schaffte 340 km Erd- und Ingenieurbau in 38 Monaten (8,9 km/Monat), die reine Erdbewegung sogar 11,3
Wenn Frankreich eine Hochgeschwindigkeitsstrecke in fünf Jahren baut und Deutschland für eine vergleichbare zwanzig braucht, liegt der schnelle Verdacht nahe: dort weniger Berge, weniger Tunnel, leichteres Gelände. Um diesen Verdacht überhaupt prüfen zu können, brauchen wir eine Zahl, die nur eine Sache misst: wie viele Streckenkilometer Rohbau pro Monat Kalenderzeit entstehen – Erd- und Ingenieurbau, bevor Gleis und Oberleitung kommen.
Der Ankerwert ist die LGV Sud-Europe-Atlantique (Tours–Bordeaux). VINCI meldete am 7. Juli 2015 den Abschluss von Erd- und Ingenieurbau auf 340 km in 38 Monaten (Baubeginn erstes Halbjahr 2012). Das sind 8,9 km/Monat – oder 7,9, wenn man nur die 302 km Doppelspur-Hauptstrecke zählt. Die reine Erdbewegung lief noch dichter: April 2012 bis Herbst 2014, rund 30 Monate, 15 Erdbau-Lose gleichzeitig, 1.600 Maschinen, 108 Mio. m³ bewegt – 11,3 km/Monat. Die Fachdokumentation der französischen Ingenieurgesellschaft IESF (Dez. 2021) deckt sich mit der VINCI-Meldung in allen Kernzahlen.
Der entscheidende Punkt ist der Mechanismus dahinter. Diese Geschwindigkeit ist kein Baggertempo, sondern Organisationstempo: Alle 15 Lose starteten simultan, Spitze 8.500 Beschäftigte. Wer die Baustelle in fünfzehn parallele Baustellen zerlegt, dessen Kalenderzeit hängt kaum noch an den Kilometern. Genau das prüfen die Schwestertexte gegen – deutsches Pendant, Flachland-Kontrolle, ein zweites französisches Konsortium.
Drei Grenzen halten die Zahl ehrlich. Erstens ist »Baubeginn H1 2012« halbjahresgenau – ±2 Monate bedeuten rund ±0,5 km/Monat. Zweitens hat VINCI ein Interesse am Rekord-Narrativ; Termine und Kilometer sind aber öffentlich nachprüfbar. Drittens, und das ist der Kern: Die SEA ist eine Flachlandtrasse ohne Großtunnel. Für Tunnelstrecken ist dieser Wert ausdrücklich kein Maßstab – und genau deshalb trennt der KPI den Rohbau von der gesamten Kalenderzeit eines Projekts.
Stammbahn: 2,8 Prozent verbaut
Zwanzig Jahre im Bedarfsplan, 2,8 Prozent verbaut: der Wiedergänger neben der Schnellbaustrecke
Neben der Neubaustrecke Hannover–Berlin, die zwischen 1991 und 1998 geplant und gebaut wurde, läuft ein zweites Projekt auf genau derselben Achse — und es erzählt die deutsche Langsamkeit noch schärfer als jede Baustelle. Der Restausbau der alten Stammstrecke (Elektrifizierung, drittes Gleis) steht seit dem Bedarfsplan 2004 im Vordringlichen Bedarf, der höchsten Dringlichkeitsstufe der Bundesschienenwege.
Der Bericht von 2004 führte ihn als »neues Vorhaben« mit 468 Millionen Euro — und mit dem bemerkenswerten Satz, die »Planfeststellung ist im Zuge des VDE Nr. 4 bereits erfolgt«. Ausgaben bis Ende 2003: null. Zwanzig Jahre später, im Verkehrsinvestitionsbericht für 2023, heißt dasselbe Vorhaben »ABS Hannover–Berlin (Lehrter Stammbahn)«, ist mit 876 Millionen Euro veranschlagt — und trägt den Status: »Das Projekt befindet sich in der Planung.« Kumuliert verausgabt sind 24,4 Millionen Euro, also 2,8 Prozent; 851,6 Millionen sind offen.
Das ist der reinste Beleg für die Kernthese dieses Issues: Die deutsche Uhr läuft langsam vor allem vor dem ersten Spatenstich. Die Schnellbaustrecke daneben brauchte sieben Baujahre. Ihr Restausbau, gleiche Trasse, wartet seit zwanzig Bedarfsplan-Jahren darauf, dass er beginnt — und sein Kostenansatz wuchs in dieser Wartezeit um 87 Prozent, nominal, schneller als bei manchem tatsächlich gebauten Projekt. Nicht das Bauen ist hier teuer geworden, sondern das Warten.
Drei Grenzen, bindend. Erstens ist der Projektzuschnitt 2004 (141 km) und 2023 (135 km, inzwischen mit Abschnitten für 250 km/h) nicht deckungsgleich — die 87 Prozent sind Ansatz gegen Ansatz bei ähnlichem, nicht identischem Umfang. Zweitens heißt »2004 planfestgestellt« nicht, dass das Baurecht 2023 noch gilt: Planfeststellungen verfallen, der Status »in der Planung« deutet auf ein neues Verfahren. Drittens meint »ohne Baubeginn« den Berichtsstatus P — die 24,4 Millionen sind Planungs- und Vorleistungen, kein Gleis.
Hannover–Berlin: der wandernde Buchwert
Was hat Hannover–Berlin gekostet? Es gibt keine Antwort – nur einen Buchwert, der dreimal wandert
Man sollte meinen, für ein Bahnprojekt, das 1998 in Betrieb ging, gäbe es eine schlichte, endgültige Zahl: So viel hat es gekostet. Für die Neubaustrecke Hannover–Berlin gibt es sie nicht. Es gibt keine amtliche Schlussrechnung — es gibt einen Buchwert, der dreimal die Stelle wechselt.
Die gesetzliche Berichtsreihe des Bundes führt für dieselbe Strecke, je nach Jahrgang: 3.047 Millionen Euro (Bericht 2003) → 2.678 (Sachstand 2015 und 2018, dort mit dem Vermerk »noch zu investieren: 0« — faktisch als abgerechnet geführt) → 2.684 (2020 bis 2023) → 2.946 (seit dem Jahrgang 2024). Der letzte Sprung ist der merkwürdigste: plus 262 Millionen Euro, sechsundzwanzig Jahre nach der Eröffnung, bei wortgleichem Projektblatt — gleicher Umfang, gleicher Projektstand, kein Satz Erklärung. Die Nachbarprojekte im selben Bericht bewegen sich derweil kaum (VDE 3: 318→318, VDE 5: 2.400→2.405).
Damit ist eine Frage, die uns lange beschäftigt hat, richtig beantwortet — nämlich als falsch gestellt. Wir hatten eine 101-Millionen-Lücke zwischen dem 2003er-Wert und dem heutigen gesucht. Doch dazwischen lagen noch zwei weitere »endgültige« Werte. Wer die eine Kostenzahl nennt, hat sich stillschweigend für einen Jahrgang entschieden.
Und doch trägt die Reihe eine Pointe, die dem deutschen Selbstbild widerspricht: Gegen die früheste amtliche Prognose von 1993 (2.702 Mio. €, damals 5.285 Mio. DM) lag der Buchwert zwanzig Jahre lang darunter — bei den 2.678 der Jahrgänge 2015/2018 um 0,9 Prozent, nominal, real also deutlich. Selbst nach der rätselhaften Umbuchung von 2024 stehen nur plus 9 Prozent in 31 Jahren. Die ehrliche Aussage ist deshalb eine Spanne: −0,9 bis +9,0 Prozent, je nachdem, welchem Jahrgang man glaubt. Zum Vergleich aus derselben Berichtsreihe: VDE 8.1 endete +127 Prozent über seiner 1997er-Zahl.
Zwei Ehrlichkeiten, bindend. Erstens behaupten wir nur die Reihe, nicht ihre Erklärung: Warum 2024 die 262 Millionen dazukamen, ist offen (denkbar sind Umbuchungen von Abgrenzungsmaßnahmen oder nachlaufende Restarbeiten — belegt ist keines). Zweitens ist auch der niedrigste Wert ein Buchwert, keine geprüfte Schlussrechnung. Genau deshalb trägt jede Kostenkennziffer zu diesem Projekt hier die Spanne 2,678 bis 2,946 Milliarden Euro — und keinen Punkt, den es amtlich nie gab.
Deutschland gegen Deutschland: 2,1 auf 0,4
Deutschland gegen Deutschland: In den 1990ern entstanden 2,1 km Neubaustrecke pro Monat – heute 0,4 bis 0,5. Das Land wurde gegen sich selbst vier- bis fünffach langsamer
Frankreich baut seit 35 Jahren konstant 4 bis 7 Kilometer Schnellfahrstrecke pro Monat – über sechs Baustellen ohne Abwärtstrend (siehe unseren Text zur französischen Zeitreihe). Deutschland nicht. Vier deutsche Neubaustrecken, nach Baubeginn geordnet, zeigen einen klaren Bruch:
- Hannover–Berlin (VDE 4), 1992–1998, Flachland: 150 km in 70 Monaten → 2,1 km/Monat
- Köln–Rhein/Main, 1995–2002, Mittelgebirge: 177 km in 84 Monaten → 2,1 km/Monat
- Ebensfeld–Erfurt (VDE 8.1), 1996–2017, Mittelgebirge: 107 km in 260 Monaten → 0,41 km/Monat
- Wendlingen–Ulm, 2012–2022, Mittelgebirge: 60 km in 127 Monaten → 0,47 km/Monat (eigener Text)
Zwischen dem Deutschland der 1990er und dem der 2010er liegt der Faktor vier bis fünf – gegen sich selbst, nicht gegen den Nachbarn.
Die zwei mittleren Zeilen tragen die eigentliche Pointe. Köln–Rhein/Main querte das Mittelgebirge mit 30 Tunneln und 18 Talbrücken auf gut einem Viertel der Strecke – und schaffte trotzdem 2,1 km/Monat, exakt das Flachland-Tempo von Hannover–Berlin. Das 1990er-Deutschland baute also selbst durch den Berg so schnell wie durch die Ebene. Das 2010er-Deutschland baut durch denselben Berg (VDE 8.1, Wendlingen–Ulm) ein Fünftel so schnell. Nicht die Geologie hat sich geändert, sondern das Jahrzehnt.
Drei Ehrlichkeiten binden uns. Erstens mischt der Faktor Topografie und Epoche: Hannover–Berlin war flach, die drei jüngeren Strecken sind Mittelgebirge. Ein aktuelles deutsches Flachland-Großprojekt, an dem sich der reine Zeiteffekt sauber messen ließe, existiert nicht – das ist selbst ein Befund. Aber Köln–Rhein/Main hält die These auch topografiebereinigt: Mittelgebirge damals 2,1, Mittelgebirge heute 0,4–0,5. Zweitens misst der KPI Kalenderzeit, nicht Bauleistung je Baustelle: In VDE 8.1 steckt ein mehrjähriger Finanzierungs-Baustopp (ca. 1999–2002); ohne ihn läge das Tempo näher an 0,48. Und Köln–Rhein/Main ging 19 Monate später ans Netz, als die amtliche Planung von 1998 versprach – schnell gebaut heißt nicht termintreu. Drittens, Anker-Vorbehalt Hannover–Berlin: Die 2,1 sind die obere, NBS-spezifische Lesart ab Grundsteinlegung 11/1992; Streckenlänge und Baubeginn stützen sich hier auf eine Sekundärquelle (primary: false). Rechnet man ab dem amtlichen Projekt-Baubeginn 1991 (Drucksache 13/11468), sinkt der Wert auf 1,7–1,9. Auch dann bleibt der Bruch zu den 2010ern intakt.
LGV Est: +10,5 Prozent
Kostentreue auf Französisch: Die LGV Est wurde 10,5 Prozent teurer als genehmigt und 10 Monate später fertig – eine Größenordnung unter den deutschen Vergleichswerten
Die LGV Est kostete am Ende 4.316 Mio. € (Preisstand 2009) – 10,5 Prozent mehr, als die Ministergenehmigung 2002 vorsah. Bereinigt man um nachträglich hinzugenommene Bauteile („opérations concomitantes", rund ein Drittel der Steigerung), bleiben gegenüber dem Gemeinnützigkeitsdossier 9,6 Prozent. Fertig war die Strecke 10 Monate nach dem Zieltermin. Ein französisches Rechnungshof-nahes Gutachten nannte die Kostenkontrolle 2004 „satisfaisante".
Der Maßstab entsteht im Vergleich. Wendlingen–Ulm stieg vom Finanzierungsvertrag 2009 (2,025 Mrd. €) auf veranschlagte 3,7–4,0 Mrd. € – plus 83 bis 97 Prozent; der reine Bundesanteil verdreifachte sich sogar. Zehn Prozent gegen neunzig: Das ist keine Nuance, das ist eine Größenordnung. Beide Länder werden teurer als geplant – aber nicht im selben Maßstab.
Drei Ehrlichkeiten, damit die Zahl trägt. Erstens hängt jede Kostentreue-Zahl vom Anker ab: Gemessen wird hier gegen die Genehmigung 2002; je später der Anker, desto kleiner die Abweichung – der ehrlichere Langfrist-Vergleich gegen das Dossier von 1996 (+9,6 %) liegt aber ähnlich. Zweitens sind die 10,5 Prozent real (Preisstand 2009), die deutschen Werte dagegen nominal, also inklusive Baupreisinflation – der Faktor-Vergleich ist damit konservativ zugunsten Deutschlands gerechnet; real bliebe der deutsche Aufschlag kleiner, aber ein Mehrfaches des französischen. Drittens: Verzug hat Gründe, hier ein verspäteter Finanzierungsvertrag – benannt, nicht wegerklärt.
Drei Versprechen, alle gehalten
Dasselbe Projekt hielt alle drei Versprechen: Fahrzeit auf die Minute, Verkehr auf 4 Prozent genau, Kosten +10,5 Prozent – die LGV Est als Gegenbeleg zur Prognose-Skepsis
Prognosen zu Großprojekten haben einen schlechten Ruf – zu Recht: Der französische Rechnungshof attestierte den Schnellfahrstrecken 2014 eine systematische Überschätzung. Die LGV Est ist der Gegenbeleg im eigenen Portfolio. Dasselbe Projekt hielt gleich drei Zusagen etwa zur selben Zeit ein.
Fahrzeit. 2010 fuhr der Zug Paris–Straßburg in exakt den 2 Stunden 20 Minuten, die das Ministerium 2002 genehmigt hatte – Abweichung null. Über alle 16 Inlandsrelationen lag die Spanne bei ±10 Minuten; vier Städte waren sogar schneller als zugesagt. Verkehr. 12,0 Millionen Reisende 2009 gegen 11,5 Millionen prognostiziert – plus 4 Prozent, bei einer Prognose von rund einem Jahrzehnt zuvor. Kosten. Plus 10,5 Prozent gegenüber der Genehmigung (siehe Schwestertext). Fahrzeit, Verkehr, Kosten – dreimal Punktlandung.
Der Kontrast zu Deutschland ist maximal: Bei VDE 8 sanken die Verkehrsprognosen zwischen 1993 und 1997, während die Kosten stiegen. Hier stimmte alles zugleich.
Vier Ehrlichkeiten. Erstens rundet Tableau 14 auf ±5 Minuten – die „exakte" Null trägt die Größenordnung, nicht die Sekunde. Zweitens sind drei Relationen langsamer, weil ein zusätzlicher Halt eingelegt wurde: eine Angebotsentscheidung, kein Baumangel. Drittens fehlen gegenüber dem älteren Vollausbau-Versprechen von 1996 (1 h 50) rund 30 Minuten – bewusst in zwei Bauphasen geteilt und im selben Bericht transparent ausgewiesen, nicht still verschoben. Viertens lag der reine Neuverkehrsgewinn mit 4,2 Millionen um 7 Prozent unter der Prognose, weil der Bestandsverkehr stärker wuchs als erwartet. Die Bilanz ist gut – aber sie ist es mit offenen Karten.
Der Inlandsflug drittelte sich
Bau verschiebt Märkte: Nach Eröffnung der LGV Est fiel der konkurrierende Inlandsflug in drei Jahren von 1,4 auf 0,5 Mio. Reisende (−64 %) – die internationalen Flüge kaum
Alle fünf Kennziffern dieser Reihe messen, wie schnell gebaut wird – Kilometer, Minuten, Fahrzeitgewinn je Milliarde. Diese Zahl misst, was das Bauen danach auslöst. Als der TGV Est im Juni 2007 den Fahrplan übernahm, brach der Flugverkehr auf den parallelen Inlandsrelationen ein: von 1,4 Mio. Reisenden im letzten Vor-TGV-Jahr auf 0,5 Mio. drei Jahre später – ein Minus von 64 Prozent. Schon im ersten Betriebsjahr waren es minus 40 Prozent.
Der saubere Beleg liegt im Vergleich. Genau in diesen Jahren lagen Wirtschaftskrise und der isländische Vulkanausbruch von 2010 – man könnte den Einbruch also der Konjunktur zuschreiben. Tut man aber nicht: Die internationalen Flugverbindungen ab denselben Flughäfen gaben im gleichen Zeitraum nur um 11 bis 17 Prozent nach. Wo der Zug schnell wurde, verschwand das Flugzeug; wo er es nicht wurde, blieb es. Die Differenz isoliert den TGV-Effekt.
Die Größenordnung ist auch von anderer Seite gedeckt: Die Ex-post-Bilanz führt rund 36 bis 44 Prozent des Verkehrsgewinns auf verlagerten Flugverkehr zurück – die realen ~0,9 Mio. weniger Flugreisende passen dazu.
Das ist die französische Hälfte eines Paars. In Deutschland erzeugte der Bau einen Markt (Wolfsburg, 800 Berlin-Pendler zu VW), in Frankreich verschob er einen. Beides ist Nutzen, den kein Fahrzeit-KPI erfasst.
Zwei Ehrlichkeiten: Der Bericht selbst mahnt wegen Krise und Vulkan zur Vorsicht – der Erstjahreseinbruch und die internationale Kontrollgröße tragen die Aussage trotzdem. Und Air France stellte Paris–Straßburg erst später ganz ein; das liegt außerhalb des Berichtszeitraums und ist hier nicht mitgezählt. Der echte Rückgang ist also eher größer als kleiner.
Auch Frankreich plant lang: 13 Jahre
Auch Frankreich plant lang: Bei der LGV Est vergingen 13 Jahre bis zum ersten Bagger – rund 70 Prozent der Projektdauer. Der Unterschied liegt nicht im Planen, sondern im Bauen danach
„Frankreich kann bauen, Deutschland verplant sich" – der Satz ist so eingängig, dass ihn kaum jemand prüft. Die amtliche Ex-post-Bilanz der LGV Est zerlegt ihn. Von der Regierungsmission Essig (1989) bis zum ersten Bagger (Januar 2002) vergingen 13 Jahre – rund 70 Prozent der gesamten Projektdauer bis zur Eröffnung 2007. Frankreich plant also keineswegs im Vorbeigehen: Öffentlichkeitsbeteiligung 1994, Gemeinnützigkeitserklärung 1996, Finanzierungsvertrag 2000, Ministergenehmigung 2002 – ein Jahrzehnt Papier vor dem ersten Kubikmeter Erde.
Der deutsche Vergleichsfall liegt gleichauf: Bei Wendlingen–Ulm entfielen mit 19 Jahren vor Baubeginn rund 64 Prozent der Projektdauer auf die Planung. Beide Länder verbringen den Löwenanteil der Zeit vor dem Spatenstich. Wo sie auseinanderlaufen, ist die Bauphase danach: 5,4 Jahre für 300 Kilometer in Frankreich gegen rund 10 Jahre für 60 Kilometer im Filstal. Nicht das Planen unterscheidet die beiden – das Bauen tut es.
Zwei Ehrlichkeiten. Erstens ist „Planungsbeginn" ein Definitionsakt: Rechnet man ab der Öffentlichkeitsbeteiligung 1994, bleiben 7,4 Jahre; ab der Gemeinnützigkeitserklärung 1996 noch 5,7 – die Konzertation reicht sogar bis in die frühen 1980er zurück. Wir nehmen bewusst den frühesten amtlichen Projektakt, auf beiden Seiten gleich. Zweitens ist das ein Zwei-Projekte-Vergleich, kein Länderdurchschnitt. Was er zeigt, ist trotzdem robust: Wer die lange Bauzeit erklären will, findet die Antwort hinter dem Spatenstich, nicht davor.
Schiene: Kosten je Kilometer
Auch Frankreich baut nicht mehr billig – und ein deutsches Projekt liegt exakt auf LGV-Niveau: Die Kostenspreizung im Schienenbau ist innerdeutsch, nicht deutsch-französisch
Man vermutet: Deutschland baut Schiene teurer als Frankreich. Die Zahlen sagen etwas Interessanteres. Auch Frankreich baut längst nicht mehr billig – und ein deutsches Projekt liegt exakt auf französischem Niveau.
Der französische Rechnungshof rechnet vor, wie die LGV-Baukosten in dreißig Jahren gestiegen sind: von 4,8 Millionen Euro je Kilometer (Paris–Lyon, Preisstand 2003) auf 26 Millionen heute – rund das Fünffache. Gegenprobe an der jüngsten Strecke: Die LGV SEA kostete 7,8 Milliarden Euro auf 302 Kilometern, ebenfalls etwa 26 M€/km.
Und die deutsche VDE 8.2, Erfurt–Leipzig/Halle? 2.967 Millionen Euro auf 122 Projektkilometern ergeben 24 Millionen je Kilometer (rechnet man alles der Neubaustrecke allein zu: 26) – nominal praktisch gleichauf mit der französischen LGV, obwohl VDE 8.2 das Mittelgebirge mit 15,5 Kilometern Tunnel und 14,4 Kilometern Talbrücken quert. Der Bruch verläuft erst eine Zeile weiter: Wendlingen–Ulm liegt bei rund 62 M€/km (eigener Text), dem Zweieinhalbfachen – getrieben durch 61 Kilometer Tunnelröhre unter der Alb. »Deutschland baut teuer« ist zu grob: Die Streuung im eigenen Land ist größer als der Abstand zum Nachbarn.
Zwei Ehrlichkeiten binden uns. Erstens sind das nominale Euros verschiedener Preisstände – VDE 8.2 wurde über 1996–2024 ausgegeben, die LGV SEA 2011–2017. Ohne amtliche Inflationsbereinigung zeigen wir Größenordnungen, keinen exakten Faktor; real wäre die früher ausgegebene deutsche Zahl eher teurer, nicht billiger. Zweitens ist auch der französische Fünffach-Anstieg nur teilweise real: Der Ausgangswert steht in Euro von 2003, der Endwert in laufenden Euro von 2014. Tempo und Kostendisziplin sind zwei getrennte Fragen – Frankreich gewinnt die erste klar und hält bei der zweiten nur ungefähr mit.
Hannover–Berlin wurde im Bau billiger
Das Klischee sagt »im Bau wird alles teurer« – Hannover–Berlin wurde während des Baus billiger: Die amtliche Prognose sank 1993–1997 um 3,4 Prozent
Es gibt eine Erzählung, die noch tiefer sitzt als »Deutschland baut langsam«: Großprojekte werden im Bau immer teurer. Jeder kennt sie, kaum jemand prüft sie. Am deutschen Flachland-Referenzprojekt der 1990er, Hannover–Berlin, lässt sie sich prüfen.
Die amtliche Gesamtkostenprognose stand Anfang 1993 bei 5.285 Millionen DM. Vier Jahre später, mitten in der heißen Bauphase (der Realisierungsstand kletterte in diesen Jahren von 48 auf 65 Prozent), führte dieselbe gesetzliche Berichtsreihe des Bundes 5.107 Millionen DM – 3,4 Prozent weniger, nominal, und im dritten Berichtsjahr unverändert stabil. Real, bei kumuliert acht bis zehn Prozent Inflation über diese Jahre, sank der Planungsansatz noch deutlicher. Das Projekt, an dem sich das Klischee bewähren müsste, tat ihm laut eigener amtlicher Fortschreibung nicht den Gefallen.
Zwei Ehrlichkeiten binden uns. Erstens vergleichen wir hier Prognosestände, nicht Prognose gegen geprüfte Endabrechnung – die gibt es für diese Strecke ohnehin nicht (siehe unseren Companion-Text zum wandernden Buchwert, der zeigt, wie die Endsumme über zwei Jahrzehnte weiterwandert). Über die volle Laufzeit liegt der spätere Buchwert je nach Jahrgang zwischen −0,9 und +9 Prozent gegen 1993 – auch das weit entfernt von einer Explosion. Zweitens ist eine sinkende Frühprognose kein Gütesiegel: Die Nachbarprojekte VDE 8.1 und 8.2 zeigten in denselben 1990er-Jahrgängen ebenfalls sinkende Prognosen, und eines (VDE 8.1) endete trotzdem 127 Prozent darüber. Die Richtung einer frühen Prognose trennt Gewinner nicht von Verlierern – was sie trennt, steht im Bautempo, nicht in der Kostenspalte.
VDE 8.2: neunzehn Jahre
Neunzehn Jahre für eine Strecke, die niemand langsam gebaut hat: VDE 8.2 lag von 1996 bis 2015 zwischen erstem Bagger und Gesamtbetrieb
Die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle, im amtlichen Kürzel VDE 8.2, brauchte vom ersten Bagger bis zum durchgängigen Betrieb 19,2 Jahre: Baubeginn im Oktober 1996 auf dem Abschnitt Gröbers–Leipzig, Teilbetrieb mit Flughafenbahnhof im Juni 2003, Gesamtinbetriebnahme zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015. Das steht so im Sachstandsbericht des Verkehrsministeriums (Stand Juli 2025); die Strecke ist 123 Kilometer lang und kostete 2.967 Millionen Euro.
Neunzehn Jahre für 123 Kilometer – daraus lässt sich leicht ein Skandal-Tempo rechnen: rund 0,53 Kilometer pro Monat. Genau das darf man aber nicht tun, und das ist der Kern dieses Textes. Die 19,2 Jahre sind Brutto-Kalenderzeit, kein durchgehendes Bauen. Der Hauptabschnitt Erfurt–Gröbers begann erst Jahre nach dem ersten Spatenstich, dazwischen lagen Finanzierungspausen. Es war nie eine einzige Baustelle, die zwei Jahrzehnte lang kroch – es war eine Strecke, die in Etappen und mit Wartezeiten dazwischen entstand. Ein km-pro-Monat-KPI wäre hier schlicht irreführend; deshalb steht hier die Jahres-Zahl und keine Tempo-Zahl.
Warum sie trotzdem zählt: Sie misst die gefühlte Projektdauer – die Zeit, die zwischen erstem Aufreißen und nutzbarer Verbindung verstreicht. Und genau das ist die deutsche Kernfrage dieses Issues. Nicht, wie flink ein einzelnes Gewerk arbeitet (das prüfen auf der Research-Seite die Rohbau-Werte von 0,7 bis 1,1 km/Monat und die Thüringer-Becken-Kontrolle), sondern warum zwischen Entschluss und Fahrgast so viele Jahre liegen. Die Baustelle war nicht langsam. Die Uhr lief trotzdem neunzehn Jahre.
Wendlingen–Ulm: 0,47 km pro Monat
Wie schnell entstehen 60 Kilometer? Wendlingen–Ulm baute 0,47 km pro Monat – ein Zehntel der französischen LGV SEA, aber mit mehr Tunnelröhre als Strecke
Die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm am Fuß der Schwäbischen Alb ging im Mai 2012 in den Bau und im Dezember 2022 ans Netz: 60 Kilometer in gut zehneinhalb Jahren, rund 0,47 Kilometer pro Monat. Das klingt langsam – und ist es, gemessen am Nachbarn: Die gleichaltrige französische LGV SEA schaffte auf 302 Kilometern 4,6 Kilometer pro Monat, fast das Zehnfache.
Aber der Faktor zehn ist nur mit einem Warnschild ehrlich. Wendlingen–Ulm quert die Alb mit 12 Tunneln und 61 Kilometern Tunnelröhre auf 60 Kilometern Strecke – es steckt mehr Röhre im Berg als Bahn im Land. Die LGV SEA ist Flach- bis Hügelland fast ohne Tunnel. Wer beide direkt gegeneinanderstellt, vergleicht Bergwerk mit Acker.
Was der Vergleich trotzdem trägt: Wendlingen–Ulm ist kein Ausreißer. Die ebenfalls gebirgige Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt (VDE 8.1) landet bei 0,41 km/Monat – zwei unabhängige deutsche Mittelgebirgsprojekte zwischen 0,4 und 0,5. Das ist die deutsche Gebirgs-Baseline, kein einzelner Skandalfall.
Zwei Ehrlichkeiten, damit die Zahl trägt. Der KPI misst Kalenderzeit, nicht Bauleistung je Baustelle – auf 60 Kilometern arbeiteten viele Gewerke gleichzeitig; er sagt, wann die Strecke fertig war, nicht wie fleißig eine einzelne Baustelle war. Und die Planungsjahre davor sind hier nicht enthalten: Sie sind die größere Hälfte der Wendlingen–Ulm-Geschichte und stehen im eigenen Text. Wer nur die Bauzeit empört zitiert, misst das kleinere Jahrzehnt.
Wendlingen–Ulm: rund 62 Mio. € je km
Was Wendlingen–Ulm kostet – und warum es keine Endrechnung gibt: rund 62 Mio. € je km (veranschlagt), Bundesanteil seit 2009 verdreifacht, Schlussrechnung existiert nicht
Rund 62 Millionen Euro je Kilometer: So teuer ist die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm, wenn man die vom Land Baden-Württemberg genannten 3,7 Milliarden Euro auf 60 Kilometer verteilt. Das ist etwa das 2,4-Fache der französischen LGV SEA (~26 M€/km) und das 2,5-Fache der deutschen VDE 8.2 Erfurt–Leipzig/Halle (~24–26).
Der interessante Bruch verläuft damit nicht zwischen den Ländern, sondern innerhalb Deutschlands: ein deutsches Projekt auf französischem Kostenniveau, ein anderes beim Zweieinhalbfachen. Der Treiber ist die Alb – 61 Kilometer Tunnelröhre kosten strukturell mehr als freie Strecke.
Zwei bindende Ehrlichkeiten. Erstens sind das nominale Euro verschiedener Preisstände; ohne amtliche Inflationsbereinigung zeigen wir Größenordnungen, keinen präzisen Faktor. Zweitens ist der Wert „veranschlagt", nicht „abgerechnet" – und hier schließt sich ein Faden negativ: Eine amtliche Schlussrechnung existiert nicht. Der Bundeshaushalt 2024 führt die Strecke weiter als offene Maßnahme, mit über 130 Millionen Euro, die für 2025 ff. noch vorbehalten sind. Wer eine belastbare Endabrechnung erwartet, muss auf einen späteren Haushaltsjahrgang warten.
Dieselbe Haushaltsanlage trägt eine zweite Zahl – und die öffnet die Frage der Budgettreue. Der reine Bundesanteil an der Strecke ist seit der Etataufnahme 2009 von 0,92 auf 2,88 Milliarden Euro gestiegen, Faktor 3,1 (nominal). Wichtig, sonst wird die Zahl falsch gelesen: Diese Reihe ist nicht mit den 3,7–4,0 Mrd. € Gesamtkosten zu verrechnen – sie lässt den festen Landeszuschuss (950 Mio. €), EU- und DB-Mittel außen vor. Sie sagt nichts über den Preis je Kilometer, aber viel über die Treue zum Versprochenen: Der Bund plante 2009 mit rund einem Drittel dessen, was er am Ende trägt.
Wendlingen–Ulm: 19 Jahre vor dem Bagger
Zwei Drittel der Uhr laufen vor dem Bagger: Bei Wendlingen–Ulm vergingen 19 Jahre von der Bedarfsplan-Verankerung (1993) bis zum Spatenstich (2012) – rund 64 Prozent der Projektdauer
Man empört sich leicht über „zehn Jahre für 60 Kilometer". Nur misst diese Empörung das falsche Jahrzehnt. Die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm wurde 1993 gesetzlich im Bundesbedarfsplan verankert (Bundesschienenwegeausbaugesetz); der erste Spatenstich fiel im Mai 2012. Dazwischen: 19 Jahre Raumordnung, Planfeststellung und ein jahrelanges Ringen um die Finanzierung. Gebaut wurde danach 10,6 Jahre. Von rund 30 Projektjahren vergingen also fast zwei Drittel – 64 Prozent – bevor der erste Bagger anrückte.
Der Anfangspunkt ist eine Wahl, und wir zeigen sie offen: Ab Heimerls erstem Trassenvorschlag 1988 wären es 24 Jahre vor dem Bau, ab dem Raumordnungsverfahren 1994 noch knapp 18. Welchen man auch nimmt – die Größenordnung steht: Die Bauzeit ist der kleinere Teil der deutschen Uhr.
Und die bequeme Pointe stimmt nicht. „Frankreich baut, Deutschland verplant sich" – die amtliche Bilanz der LGV Est widerlegt das: Dort lag der Planungsanteil mit rund 70 Prozent sogar höher als bei Wendlingen–Ulm. Lang zu planen ist keine deutsche Krankheit, sondern der Normalzustand des europäischen Schnellbahnbaus. Was die Länder trennt, ist das Bauen danach.
Zwei Vorbehalte. „Planung" lief nicht 19 Jahre durchgehend aktiv – die Finanzierungs- Hängepartie der 2000er ist Leerlauf, nicht Arbeit; der Anker misst institutionelle Kalenderzeit, nicht Planungsaufwand. Und ein Zwei-Projekte-Vergleich ist kein Länderdurchschnitt. Robust bleibt trotzdem: Wer die lange deutsche Uhr erklären will, findet den größeren Teil der Antwort vor dem Spatenstich, nicht dahinter.
Wolfsburg: Bau erzeugt einen Markt
Bau erzeugt Märkte, nicht nur Minuten: Ab 1998 lag Wolfsburg 58 Minuten von Berlin entfernt – 2013 pendelten täglich 800 Menschen von Berlin zu VW, aber nur 250 zurück
Alle unsere Bau-Kennziffern messen, was ein Neubau beschleunigt — Minuten, Kilometer, Fahrzeitgewinn je Milliarde. Diese Zahl misst etwas anderes: was er erschafft. Vor September 1998 war Wolfsburg kein Fernverkehrshalt Richtung Berlin. Mit der neuen Strecke rückte die Stadt auf 58 Minuten an Berlin heran (schnellster ICE; im Takt 71 Minuten, Fahrplandaten SIGNAL 8-09/1998). Eine Distanz von 230 Kilometern wurde damit pendelbar — und prompt entstand ein Pendlerstrom, den es zuvor schlicht nicht gab.
Interessant ist seine Richtung. 2013 fuhren täglich rund 800 Menschen von Berlin zur Arbeit nach Wolfsburg, aber nur 250 in die Gegenrichtung — ein Verhältnis von gut drei zu eins. Die Strecke exportiert Arbeitswege in die Stadt mit dem Wohnungsangebot, nicht in die mit den Jobs: Man wohnt in Berlin und arbeitet bei VW, kaum umgekehrt. Der Bau hat nicht nur eine Verbindung schneller gemacht, er hat einen kleinen, klar gerichteten Arbeitsmarkt geöffnet.
Das ist die deutsche Kehrseite eines französischen Befunds. Auf der LGV Est verschob der Bau Marktanteile — der konkurrierende Inlandsflug brach in drei Jahren um 64 Prozent ein. In Wolfsburg erzeugte er einen Markt. Beides ist Nutzen, den kein Fahrzeit-KPI erfasst; beides zeigt, dass »wie schnell gebaut wird« und »was das Bauen bringt« zwei verschiedene Fragen sind.
Zwei Ehrlichkeiten gehören dazu. Beide Zahlen stammen aus Sekundärquellen — die Fahrzeit aus einem Fachverbandsheft, die Pendlerzahlen aus Regionalpresse (confidence 0.65). Und die 800/250 sind eine Momentaufnahme von 2013, kein amtlich fortgeschriebener Zeitreihenwert. Die Größenordnung trägt die Aussage, die zweite Nachkommastelle nicht.
Zwei Renditen, eine Schwelle
Zwei Renditen, eine Schwelle: Die amtlichen Nachbilanzen der vier LGV unserer Reihe nennen je eine Rendite für die Bahn und eine für die Allgemeinheit. Unter dem Mindestsatz von 8 Prozent für die Allgemeinheit liegen zwei der vier, Nord (5,0) und Est (4,2), nicht eine; die Nord bleibt das Projekt mit der niedrigsten Rendite für die Bahn (2,9 Prozent)
Jede französische Schnellfahrstrecke bekommt Jahre nach der Eröffnung eine amtliche Nachbilanz, den Bilan LOTI. Darin stehen zwei Renditen, und man muss sie auseinanderhalten. Die erste ist die Rendite für die Bahn: was die Strecke den Bahnakteuren einbringt, gemessen an dem, was sie gekostet hat. Die zweite ist die Rendite für die Allgemeinheit, der sozioökonomische Ertrag, in den Zeitgewinne der Reisenden, Unfälle und Umwelt eingehen. Für die zweite gilt in Frankreich ein Mindestsatz von 8 Prozent. Wer darunter liegt, hat nach dieser Rechnung der Allgemeinheit weniger gebracht, als das Kapital anderswo gebracht hätte.
Seit dem 14. September liegen beide Renditen für alle vier Projekte unserer Reihe vor, aus den vier Bilans, die dieses Issue seit August zitiert. Für die Bahn: Atlantique rund 7 Prozent, Nord 2,9, Rhône-Alpes 6,3, Est 5,9; geplant waren 12,9, 12,9, 10,4 und 7,2. Für die Allgemeinheit: Atlantique rund 12, Nord 5,0, Rhône-Alpes 10,3, Est 4,2; geplant 23,4, 20,3, 15,4 und 8,5. Kein Projekt hat auf einer der beiden Achsen seine Prognose erreicht.
Unter dem Mindestsatz von 8 Prozent liegen zwei der vier: die Nord und die Est. Bis heute stand in unserem Text zur Lernkurve, die Nord sei die einzige. Der Satz stammte aus einem Feld des researchers, das die Est-Zahl nie gemessen hatte: Der Est-Bilan ist seit dem 4. August zitiert, sein Renditekapitel wurde erst heute gelesen. Der Bilan sagt selbst, dass die 4,2 Prozent unter dem Mindestsatz liegen.
Was daraus folgt und was nicht. Die Nord bleibt das Projekt mit der niedrigsten Rendite für die Bahn, 2,9 Prozent, drei Punkte unter der Est, dem nächsten der vier. Für die Allgemeinheit gibt es zwischen Nord (5,0) und Est (4,2) keine Reihenfolge. Der Est-Bilan nennt selbst, dass ein Wechsel des Bewertungsrahmens seinen Wert um einen Punkt hebt, und ein Abstand, der kleiner ist als eine Konventionswahl, ordnet nichts.
Die Prognosen stammen aus verschiedenen Dossiers, und für Nord und Atlantique nennen die Quellenrecords das Dossier nicht. Die Abstände zwischen Plan und Ist sind deshalb nur grob vergleichbar; ob ein Projekt ex post unter der Schwelle liegt, hängt daran nicht.
Und die Est-Rendite für die Bahn ist die Summe zweier Häuser, Netz und Betreiber, während die älteren Bilans für die integrierte SNCF rechnen. Der Est-Bilan weist selbst darauf hin, dass die Aufteilung an Annahmen über die Trassenpreise hängt. Für die Frage, ob die Nord das niedrigste Ergebnis für die Bahn hat, reicht der Abstand von drei Punkten auch dann, wenn man diese Unschärfe abzieht.
Auflage für jede Darstellung dieser Zahlen:
- BINDEND, aus dem Finding: Die 8 Prozent sind der Mindestsatz der Rendite für die Allgemeinheit. Auf die Rendite für die Bahn wird die Schwelle nicht angewandt; dort liegen alle fünf Projekte darunter, und das sagt nichts.
- BINDEND, aus dem Finding: Keine Reihenfolge zwischen Nord und Est auf der Rendite für die Allgemeinheit. Der Abstand (0,8 Punkte) ist kleiner als die Bewegung, die der Est-Bilan für einen Wechsel des Bewertungsrahmens nennt (1,0 Punkt).
- BINDEND, aus dem Finding: Die Prognosen der Renditen stammen aus verschiedenen Dossiers, für Nord und Atlantique ist das Dossier in den Records nicht benannt. Die Abstände zwischen Plan und Ist sind deshalb nur grob vergleichbar; der Vergleich unter der Schwelle ex post hängt nicht daran.
- BINDEND, aus dem Finding: Die Est-Rendite für die Bahn ist die Summe zweier Häuser (Netz und Betreiber), die älteren Bilans rechnen für die integrierte SNCF. Der Est-Bilan nennt eine Sensitivität von 0,1 bis 0,6 Punkten aus der Aufteilung.
Quellen
Jede Quelle offen bewertet — A, B oder C — mit dem, was wir ihr entnehmen, und ihren Fallstricken. Aufklappen für Details; verworfene Quellen bleiben mit Begründung sichtbar.
CNAin NutzungPrimärquelleCSCEC (China State Construction Engineering Corp.), Projektchronik CITIC Tower (China Zun) · CSCEC — Generalunternehmer des CITIC Tower
CNBin Nutzungchina.org.cn (30.08.2012): 'Beijing's tallest building may cost 24 bln yuan' — Kostenschätzung CITIC Real Estate für den CITIC Tower · china.org.cn (staatliches Portal), referiert den Entwickler CITIC Real Estate
CNBin NutzungSouth China Morning Post (24.04.2016) + konvergente Sekundärquellen — Baukosten/Gesamtinvestition Shanghai Tower · SCMP (Leitmedium Hongkong); Konvergenzprüfung gegen Wikipedia-Beleglage und Fachpublikationen
CNBin NutzungThe Skyscraper Museum (New York), Supertall!-Dossier CITIC Tower · The Skyscraper Museum
CNBin NutzungWorld Construction Network, Projektdossier Shanghai Tower · World Construction Network (GlobalData) — Fachdossier, relayed Bauherrn-Angaben
DEAin NutzungPrimärquelleAutobahn GmbH des Bundes, Projektseite »Nordverlängerung Magdeburg–Wittenberge–Schwerin« (A14-Lückenschluss, 155 km) — ergänzt um DEGES-Content-Hub mit Abschnitts-Chronologien · Die Autobahn GmbH des Bundes (Betreiberin) / DEGES (Planungs- und Baumanagement mehrerer Abschnitte)
DEAin NutzungPrimärquelleSchnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm — Projektseite der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH · DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH (Deutsche Bahn)
DEAin NutzungPrimärquelleVerkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2023 (Drucksache 21/125) · Deutscher Bundestag / Bundesregierung (BMDV) — Nachfolgereihe der Berichte zum Ausbau der Schienenwege
DEAin NutzungPrimärquelleVerkehrswegeinvestitionen des Bundes 2024 (VWIB), Anlage zum Einzelplan 12 des Bundeshaushalts 2024, Teil B Tabelle 1 (Bedarfsplanmaßnahmen Schiene) · BMDV / Bundeshaushalt (bundeshaushalt.de)
DEAin NutzungPrimärquelleSachstandsbericht Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (Stand: Juli 2025) · Bundesministerium für Verkehr (BMV)
DEAin NutzungPrimärquelleVerkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2012 (BT-Drucksache 18/580, 18.02.2014) — Unterrichtung durch die Bundesregierung · Deutscher Bundestag / Bundesregierung (BMVBS)
DEAin NutzungPrimärquelleReihe · 6 JahrgängeBerichte zum Ausbau der Schienenwege (1996–2005) · Deutscher Bundestag / Bundesregierung (BMV), Unterrichtung nach § 7 BSchwAG
DEAKandidatPrimärquelleLandesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, Projektseiten A14-Nordverlängerung (VKE-Einzelseiten 1.1 ff.) · Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB)
DEAin NutzungPrimärquellevde8.de-Pressemeldungsarchiv (DB Netz AG / DB ProjektBau, Projektsite VDE 8) — via Internet Archive, plus bibliografisch gesicherte DB-Pressemitteilungen 2012 · Deutsche Bahn AG / DB Netz AG (Bauherr)
DEBin NutzungSIGNAL — Fachzeitschrift des Berliner Fahrgastverbands IGEB, Jahrgänge 1997/1998 (via signalarchiv.de) · Berliner Fahrgastverband IGEB e.V. (Sekundärquelle, zeitgenössisch)
DEBin NutzungPrimärquelleProjektseite Neubaustrecke Wendlingen–Ulm des Landesverkehrsministeriums · Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg
DECin NutzungWikipedia: Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin · Wikipedia (Sekundärquelle)
ESAin NutzungPrimärquelleAdif Alta Velocidad — LAV Madrid-Sevilla: Historia + Línea Madrid-Sevilla (»La infraestructura, en cifras«) · Adif Alta Velocidad (staatlicher Infrastrukturbetreiber, Ministerio de Transportes)
ESBin NutzungVía Libre — »El AVE cumple 15 años« (Dossier zur LAV Madrid–Sevilla: Chronologie, Mengen, Investition) · Fundación de los Ferrocarriles Españoles (FFE, Stiftung der spanischen Eisenbahnen; Vía Libre ist ihre Fachzeitschrift)
FRAin NutzungPrimärquelleRapport sur les bilans LOTI de la LGV Rhône-Alpes, de la LGV Méditerranée et des gares nouvelles (n° 005448-01, 10.07.2008, Chapulut/Taroux) + Avis délibéré du CGEDD (11.07.2008) · CGEDD (Conseil général de l'environnement et du développement durable), auf Basis der RFF-Bilans (LN4 an DGMT 11.10.2006, LN5 an CGEDD 23.07.2007); amtlich gehostet vom IGEDD
FRAin NutzungPrimärquelleBilan LOTI du TGV Atlantique — Rapport CGPC (Affaire n° 1999-0163-01, 10.07.2001, Rapporteur J.-N. Chapulut) · Conseil Général des Ponts et Chaussées (CGPC), auf Basis des SNCF-Bilans 1996–1998; amtlich gehostet vom IGEDD
FRAin NutzungPrimärquelleLa grande vitesse ferroviaire : un modèle porté au-delà de sa pertinence (Rapport public thématique, 23.10.2014) · Cour des comptes (französischer Rechnungshof)
FRAin NutzungPrimärquelleLGV Bretagne–Pays de la Loire (Le Mans–Rennes) — Konzern-Projektseite Eiffage / Eiffage Rail Express · Eiffage (Baukonzern und PPP-Partner via Eiffage Rail Express)Zurückgezogen am 14.08.2026 — das stand hier vorher:Die BPL-Gesamtkalenderzeit von ≈ 3,3 km/Monat steht »vs. SEA 4,6–5,0«.
Warum das falsch war: Nur die Vergleichsgröße ist überholt, nicht der eigene Wert. LISEA publiziert 66 Monate Bauzeit für die LGV SEA (Bilan LOTI intermédiaire, Kap. 2.5) — der Vergleichswert heißt 4,6 ohne Spanne. Ich führe den Widerruf hier trotzdem, weil ein Leser die Spanne an dieser Stelle gelesen hat und ihr Verschwinden sonst still wäre.Unberührt davon bleibt: Alles Eigene dieses Records: die 182 km, die ~55 Monate, die 3,3 km/Monat Gesamtkalenderzeit, das Rohbau-Band 6,0–7,6 und die Bewertung A. Der BPL-Abstand zur SEA wird durch den Wegfall der Spanne nicht größer und nicht kleiner — die untere SEA-Lesart war immer schon der Vergleichspunkt.
Die BPL-Gesamtkalenderzeit von ≈ 3,3 km/Monat steht »vs. SEA 4,6–5,0«.
FRAin NutzungPrimärquelleOc'Via, Projektseite »Le projet CNM« — Konzessionär/Bauherr des Contournement Nîmes–Montpellier (PPP mit SNCF Réseau, Betrieb bis 2037) · Oc'Via (Projektgesellschaft; Bauphase: Bouygues 49 %, Colas Rail 18 %, Spie Batignolles 14 %, ATSA 12 %, Colas 7 %)
FRAin NutzungPrimärquelleSynthèse de l'évaluation de la LGV Tours–Bordeaux (April 2022, Synthese des Abschlussberichts Mai 2021) · Région Nouvelle-Aquitaine (Inspection Générale des Services); durchgeführt von Quadrant/Systra/A'Urba, Verkehrsdaten von SNCF
FRAin NutzungPrimärquelleBilan LOTI de la LGV Est européenne phase 1 — Rapport (Mai 2013, 104 S.) · Réseau Ferré de France (RFF), heute SNCF Réseau; erstellt mit CGEDD/SNCF im Comité de pilotage
FRAin NutzungPrimärquelleBilan LOTI de la LGV Nord — Rapport (Mai 2005, 54 S., Rapporteur J.-J. d'Angelo) · Réseau Ferré de France (RFF) mit EUREVAL-C3E/AJI-EUROPE, unter Aufsicht von DTT und CGPC; amtlich gehostet vom IGEDD
FRAin NutzungPrimärquelleSNCF Réseau / Eiffage (LGV BPL): Synthèse Bilan LOTI intermédiaire, volet socio-économique (Leaflet Okt. 2020) — amtlich vorgeschriebener Zwischenbilan der LGV Bretagne–Pays de la Loire · SNCF Réseau + Eiffage Rail Express (Maîtres d'ouvrage), publiziert über das Observatoire lgvbpl.com
FRAin NutzungPrimärquelleLGV Sud Europe Atlantique (Tours–Bordeaux) — Konzessionär LISEA / Baukonsortium VINCI · LISEA (Konzessionär) / VINCI (Generalunternehmer)Zurückgezogen am 14.08.2026 — das stand hier vorher:Die LGV SEA wurde mit 4,6–5,0 km Neubaustrecke pro Monat gebaut (302 km, Bauzeit »~5,5 Jahre«, H1 2012 → 02.07.2017).
Warum das falsch war: Nicht falsch gerechnet, sondern von der Quelle überstimmt. Die Spanne war die ehrliche Folge einer Unschärfe, die wir selbst tragen mussten: Der Konzessionär datiert seinen Baubeginn nur auf »Début 2012«, also lag die Bauzeit zwischen 61 und 66 Monaten und die KPI zwischen 5,0 und 4,6. Am 13.08. habe ich im Bilan LOTI intermédiaire (Kap. 2.5, S. 17) gefunden, dass LISEA die DAUER selbst publiziert: »Les travaux de construction ont duré 66 mois«. Damit ist die Untergrenze der Spanne die Bauherrenangabe (302/66 = 4,5758 → 4,6) und die Obergrenze 5,0 setzt 61 Monate ab Juni 2012 voraus, die der Bauherr ausschließt. Eine Spanne, deren oberes Ende die Quelle bestreitet, ist keine Unsicherheit mehr, sondern eine falsche Unsicherheit — sie lässt die Zahl weicher aussehen, als sie ist.Unberührt davon bleibt: Der Wert 4,6 km/Monat selbst — er ändert sich um keine Ziffer, er wechselt nur den Status: von der konservativen Lesart einer Annahme zur gerundeten Bauherrenangabe. Ebenso unberührt: die 302 km, die Termine, die Rohbau-KPI (38 Monate) und der Faktor ~10 gegen Wendlingen–Ulm.2026-08-02-lgv-sea-bautempo — überstimmt durch 2026-08-13-fr-sea-66-monate-bauzeit-vom-bauherrn
Die LGV SEA wurde mit 4,6–5,0 km Neubaustrecke pro Monat gebaut (302 km, Bauzeit »~5,5 Jahre«, H1 2012 → 02.07.2017).
FRBin NutzungOc'Via Construction: »Le contournement ferroviaire de Nîmes et Montpellier — Les Équipements Ferroviaires« (O. Fricout, Direktor EF, Präsentation 08.04.2015, gehostet bei der AFGC) · AFGC — Association Française de Génie Civil (Host); Autor: Oc'Via Construction (Bouygues-Konsortium)
FRBin NutzungIESF Comité génie civil: »Lignes ferroviaires à grande vitesse en France« (Noël Richet, Dez. 2021, 14 S.) — Ingenieurs-Fachdokumentation zu LGV SEA, BPL und CNM · IESF — Ingénieurs et Scientifiques de France (Ingenieursgesellschaft), Comité génie civil
FRCverworfenPrimärquelleObservatoire du TGV Est-européen / Cete de l'Est — erhoffte Relations-Aufkommensdaten (Reisende je Einzelrelation) · Cerema (vormals Cete de l'Est) / SNCF
INTAin NutzungPrimärquelleSkyscraper Center (Gebäude-Datenbank) + CTBUH Height Criteria (Standarddefinitionen) — Council on Vertical Urbanism (CVU, ehemals CTBUH) · CVU/CTBUH — der internationale Standardsetzer für Hochhaus-Daten; Site firmiert seit der Umbenennung als Council on Vertical Urbanism, der Criteria-Inhalt referenziert weiter den CTBUH-Standard
INTCin NutzungPatrick Collison, »Fast« — Sammlung schnell umgesetzter Großprojekte · Patrick Collison (privat kuratierte Liste)
UKAin NutzungPrimärquelleHS2 Phase 1: decision to continue delivery following programme reset — Accounting Officer Assessment summary (Mai 2026) · Department for Transport (DfT, UK-Verkehrsministerium)
UKAin NutzungPrimärquelleFull Business Case: High Speed 2 Phase One (April 2020) — die amtliche Baseline bei Baufreigabe · Department for Transport (DfT, UK-Verkehrsministerium)
UKAin NutzungPrimärquelleNAO: Progress with preparations for High Speed 2 (Juni 2016) — früher amtlicher Termin-/Kostenstand · National Audit Office (NAO, UK-Rechnungshof)
USAKandidatPrimärquelleClark Construction, Pressemeldung »Clark to Build San Francisco's Salesforce Tower« (2013) · Clark Construction Group — Generalunternehmer-JV
USAin NutzungPrimärquelleFHWA Center for Innovative Finance Support, Project Profile »Grand Parkway (SH 99) Segments D-G« (Houston, TX) · Federal Highway Administration (US-Bundesbehörde)
USAin NutzungPrimärquelleFHWA Center for Innovative Finance Support, Project Profile: »Grand Parkway (SH 99) Segments H-I« (Texas, Design-Build 2017–2022) · FHWA — Federal Highway Administration (US-Bundesbehörde), TIFIA-Kreditgeberin des Projekts
USAin NutzungPrimärquelleHathaway Dinwiddie Construction, Projektseite Salesforce Tower (JV mit Clark Construction) · Hathaway Dinwiddie Construction Company — Generalunternehmer-JV
USAin NutzungPrimärquelleBoston Properties Inc. / Boston Properties L.P., Form 10-K Geschäftsjahr 2017 (SEC EDGAR) · U.S. Securities and Exchange Commission (Einreicher: Boston Properties, Eigentümer Salesforce Tower zu 95 %)
USAin NutzungPrimärquelleTxDOT, Projektseite SH 99 Grand Parkway Segment E (I-10 West → US 290) · Texas Department of Transportation (Bundesstaats-Verkehrsbehörde, Bauherrin)
USBin NutzungPrimärquelleZachry Construction, Projektreferenz »SH-99 Grand Parkway Segments F-1, F-2 & G« · Zachry Construction Corporation (ausführende Baufirma, Teil des Design-Build-JV Zachry-Odebrecht Parkway Builders)
Kandidaten-Statistiken
Datenpunkte, die für die Antwort in Frage kommen — noch keine Ergebnisse, sondern Kandidaten, die wir prüfen.
37 Kandidaten-Statistiken, noch ohne Ergebnis
- VKE 1.4: 14,83 km in ~65 Baumonaten (Sommer 2018 → 14.12.2023) = 0,23 km/Monat
- Korridor: Erstbaubeginn 30.11.2011 → 08/2026: 35,8 km frei in 176 Monaten = 0,20 km/Monat; Best Case (155 km bis Ende 2030) = 0,68 km/Monat, Fertigstellung offen und laut Fachpresse unter Finanzierungsvorbehalt
- Planung Abschnitt 1.1: Verfahrensstart Feb. 2011 → PFB Okt. 2020 → Baubeginn Dez. 2023 = 12 Jahre 10 Monate vor dem ersten Bagger
- NBS Wendlingen–Ulm: 60 km, Baubeginn Mai 2012 → IBN 11.12.2022 ≈ 10,6 Jahre ≈ 0,47 km Neubaustrecke pro Monat Bauzeit
- Tunnelanteil als Vergleichbarkeits-Variable: 61 km Tunnelröhren auf 60 km Strecke (Boßler 8,8 km, Albvorland 8,2 km)
- Planungszeit (2026-08-03 emittiert): 1993 Bedarfsplan-Gesetz → Spatenstich Mai 2012 = 19 Jahre vor dem Bau, also 19 von 30 Projektjahren = 64 % (Finding 2026-08-03-wendlingen-ulm-planungszeit)
- Lehrter Stammbahn: 20 Jahre Vordringlicher Bedarf, 2,8 % Mittelabfluss, Ansatz +87 % (Finding 2026-08-05-stammbahn-wiedergaenger)
- Aggregat-Diskrepanz VWiB vs. Sachstandsbericht am selben Stichtag (20,2 vs. 20,9 Mrd. €) — Kandidat für ein Finding zur Buchführungs-Qualität, falls das Issue ein Methodik-Kapitel bekommt
- Mittelabfluss-Tempo Neuer Vorhaben (z. B. Hannover–Bielefeld: 18,4 von 6.678 Mio. € = 0,3 %) als Rohstoff für 'Planungszeit vor dem Spatenstich' über VDE hinaus
- Wendlingen–Ulm: Bundesanteil 923,8 → 2.878,4 Mio. € (Faktor 3,1) — amtliche Plan-Ist-Zeitreihe der Bundesmittel
- gleiche Tabelle enthält alle laufenden Schienen-Bedarfsplanmaßnahmen — Kandidat für systematischen Plan-Ist-Vergleich über viele Projekte
- VDE 8.2 (NBS Erfurt–Leipzig/Halle, 123 km): erster Baubeginn Okt 1996 → Gesamt-IBN 13.12.2015 = 19,2 Jahre brutto
- VDE 8.1 (NBS Ebensfeld–Erfurt, 107 km): Baubeginn April 1996 (S. 18, Bündelungsabschnitt A 71 Ichtershausen–Traßdorf — 2026-08-03 aus dem PDF verifiziert) → IBN 10.12.2017 = 21,7 Jahre; Baustopp 1999–2002 steckt implizit drin (Finding 2026-08-03-vde81-ebensfeld-erfurt-bautempo)
- Kosten je km: VDE 8.2 = 2.967 Mio. € auf 114 km NBS + 8 km ABS → 24,3–26,0 Mio. €/km, nominal LGV-SEA-Niveau (Finding 2026-08-03-vde82-kosten-je-km)
- VDE 4 Hannover–Berlin (S. 13, 2026-08-03 verifiziert): Gesamtlänge 264 km, HGV-Aufnahme September 1998, Gesamtinvestition 2.946 Mio. € — Basis des Flachland-Paars (Finding 2026-08-03-hannover-berlin-flachland-tempo); NBS-Länge Oebisfelde–Staaken nennt der Bericht NICHT (149,9 km aus Sekundärquelle)
- Zeitreihen-Kandidat: ABS-Abschnitte VDE 8.1 mit Baubeginn 2018/2021 und IBN 2024/2025 — jüngere Vergleichspunkte fürs 'Wird Deutschland langsamer?'-Kapitel
- VDE-4-Buchwert-Zeitreihe (2026-08-05 aus den Jahrgängen 2015/2018/2020/2021/2023/2024/2025 extrahiert, Faden 1): 2.678 (2015, 2018; jeweils 'noch zu investieren: 0') → 2.684 (2020, 2021, 2023) → 2.946 (2024, 2025) — Sprung +262 Mio. € im Jahrgang 2024 bei textidentischem Projektblatt, im Bericht nicht erklärt (Finding 2026-08-05-vde4-endabrechnung-wandernder-buchwert)
- PFB→Baubeginn VDE 8.2 Erfurt–Gröbers: Median 117 Monate (Spanne 64–120)
- Jahrgangs-Serie: Verkehrsinvestitionsberichte existieren jährlich (Berichtsjahr 2010 = Drs. 17/8700 usw.) — dieselbe PFA-Tabelle über Jahrgänge ergäbe eine amtliche Zeitreihe der Terminverschiebungen je Abschnitt
- VDE 8.1-Kapitel (Projekt Nr. 9, S. 48 ff.) noch unausgewertet — gleiche Tabellenstruktur für Ebensfeld–Erfurt
- VDE 4 Kostenprognose-Zeitreihe: 5.285 Mio. DM (Stand 1.1.1993) → 5.107 Mio. DM (Stand 1.1.1997) = −3,4 % nominal (Finding 2026-08-04-vde4-kostenprognose-sank)
- Realisierungsstand-Zeitreihe Startpunkt: 48 % zum 31.12.1995 (Finding 2026-08-04-vde4-realisierungsstand-zeitreihe)
- Kontrastprojekte 2026-08-04 ausgewertet: KRM-Deckel (Finding 2026-08-04-krm-gesamtkosten-deckel), VDE-8-Prognose-Anker 1993 (Finding 2026-08-04-vde8-prognosen-sanken-endkosten-explodierten), Realisierungsstand-Startpunkte 8/3/4 % (Finding 2026-08-04-realisierungstempo-trennt-projekte)
- Achtung Jahresscheiben-Unschärfe: Jahrgang nennt Berichtszeitraum bis 31.12.1995, führt aber bereits die Spatenstiche April/Okt 1996 — Projektblätter wurden offenbar bis zur Publikation Feb 1997 fortgeschrieben
- VDE 4 Realisierungsstand 65 % zum 31.12.1996 → Jahresscheibe 1996 = +17 pp (Finding 2026-08-04-vde4-realisierungsstand-zeitreihe)
- Kostenprognose 5.107 Mio. DM Stand 1.1.1997 — zweiter Punkt der Kostentreue-Serie (Finding 2026-08-04-vde4-kostenprognose-sank)
- Projektblatt Nr. 22 ABS/NBS Hamburg/Bremen–Hannover (»Y-Trasse«): seit den 1990ern geplant, nie gebaut — Kandidat für Planungszeit-ohne-Ergebnis-KPI
- NBS Köln–Rhein/Main: Baubeginn Dez 1995 (amtlich), Plan-Inbetriebnahme Mai 2001, Ist Juli/Dez 2002 → Plan-Ist-Verzug ~1,5 Jahre; 177 km / ~79 Monate ≈ 2,2 km/Monat im Mittelgebirge mit 30 Tunneln
- ABS/NBS Hannover–Berlin: amtlicher Projekt-Baubeginn 1991 → Sensitivität zur NBS-Grundsteinlegung 11/1992 (Finding 2026-08-03-hannover-berlin-flachland-tempo)
- Gesamtbauleistungs-Tabelle S. 10–11: Ausgabenprofile je Projekt 1993–1997 — Kandidat für 'Mittelabfluss vs. Baufortschritt'
- KRM Plan-Ist-Verzug: Plan Mai 2001 (Jahrgang 1998) → Regelbetrieb 15.12.2002 = 19 Monate (Finding 2026-08-04-krm-bautempo-und-verzug)
- Ausgaben-bis-2002-Quote als zweiter Fortschrittsindikator: VDE 8.1 = 12,7 %, VDE 8.2 = 18,7 %, KRM = 90,6 %, VDE 4 = 90,9 % (Finding 2026-08-04-realisierungstempo-trennt-projekte)
- Y-Trasse (Nr. 22 Hamburg/Bremen–Hannover): Gesamtkosten 1.278 Mio. €, Ausgaben bis 2002: 0,62 Mio. €, Status P — Planungszeit-ohne-Ergebnis-Kandidat wird härter
- Stammbahn 2004: 468 Mio. €, 141 km, 0,00 € verausgabt, Planfeststellung via VDE 4 »bereits erfolgt« (Finding 2026-08-05-stammbahn-wiedergaenger)
- Nicht-Vergleichbarkeits-Warnung des Berichts selbst (Abschn. 7) als Beleg, warum es keine konsistente VDE-4-Kostenreihe über die Dokumentfamilien hinweg gibt (Finding 2026-08-05-vde4-endabrechnung-wandernder-buchwert)
- Zeitreihen-Anker Stand 31.12.2003 für ~30 Bedarfsplan-Vorhaben (Gesamtinvestition + kumulierte Ausgaben) — Rohstoff für ein späteres 'Mittelabfluss-Tempo'-Kapitel
- ABS Hamburg–Berlin: bestehende Strecke auf 230 km/h ertüchtigt, IBN Dez 2004, Fahrzeit bis 90 Min. — Ausbau-Gegenstück zur NBS-Debatte (Was kauft ein Upgrade vs. Neubau?)
- EU-Kofinanzierung KRM: 52 von 6.015 Mio. € = 0,9 % — Größenordnung für die Finanzierungsstruktur-Fußnote im Essay
- Erdbau-Stückkosten Thüringer Becken: ~150 Mio. € / 30 km = ~5 Mio. €/km reiner Erdbau (Flachland) — möglicher Kosten-KPI-Baustein gegen SEA-Terrassementkosten, falls COSEA-Loskosten auffindbar
- Berlin–Düsseldorf: 9 → 17 Zugpaare/Tag am 27.09.1998 (+89 %) — Frequenz als zweite Bau-Dividende
- Relationsgewinne im Band 47–60 Min. → Netz-KPI-Schranke ohne Reisendengewichte konstruierbar
- 3,7 Mrd. € / 60 km ≈ 62 Mio. €/km (Spanne bis 67 bei 3,99 Mrd.)
- NBS Oebisfelde–Staaken: 149,9 km, Nov 1992 → Sep 1998 = 70 Monate ≈ 2,1 km/Monat (Flachland)
- Verkehr im Korridor: 1999 ≈18.000 → 2008 27.000 Reisende/Tag (+50 %, DB Welt 9/2008)
- Prognose-Kandidat (Scope ungeklärt): 4,3–5,3 Mio. Fahrgäste/Jahr Neubauvariante (Gutachten 1991) vs. Ist ≈9,9 Mio. 2008 — nur mit Primärbeleg des Gutachtens weiterverfolgen
- Gesamtkalender-Tempo Madrid–Sevilla: Eröffnung und Streckenlänge jetzt amtlich (21.04.1992, 470,5–471 km); Baubeginn weiter via Vía Libre 05.10.1987 → 8,6 km/Monat unverändert
- Planungs-Pointe amtlich bestätigt: Systementscheid (AV + Regelspur) Dezember 1988 = 14 Monate NACH Baubeginn — und die Linie eröffnete trotzdem termingerecht zur Expo
- Gesamtkalender-Tempo: 471 km / 54,5 Monate (05.10.1987–21.04.1992) ≈ 8,6 km/Monat über ALLE Gewerke — siehe Finding
- Idee-zu-Betrieb: NAFA-Beschluss 1986 → Betrieb 04/1992 ≈ 5,5–6 Jahre für 471 km
- Kosten je km: ~4,45 Mio. €/km nominal (740,7 Mio. Ptas/km)
- RA: 106 km / 57 Mon. = 1,9 km/Monat (Teileröffnung nach 38 Mon. ≈ 2,8) — genutzt in 2026-08-05-fr-bautempo-zeitreihe (als Ausreißer ausgewiesen)
- Med: 250 km / ~62 Mon. ≈ 4,0 km/Monat — genutzt in 2026-08-05-fr-bautempo-zeitreihe
- RA: DUP→Baubeginn ≈ 0 Monate (Okt. 1989); Med: DUP Mai 1994 → Bau 1996 — genutzt in 2026-08-05-fr-dup-baubeginn-luecke
- RA +22 % (Programm), Med +10,4/+3,8 % — genutzt in 2026-08-05-fr-kostentreue-baseline-kartell
- RA-Verkehr −4 % (2000) — genutzt in 2026-08-05-fr-verkehrsprognosen-lernkurve
- Betriebskosten-Differentiale ×2,6 (Med) / +183 % (RA) — Reserve: der blinde Fleck ALLER Ex-ante-Rechnungen
- TRI-Reihe 10,4→6,3 (RA), →4,1 (Med) — Reserve für Rendite-Slot
- Med-Verkehr: 2003 19,5 MV (−15 % vs. DUP), 2006 22,4 MV (~−10 %); Gewinn 2006 = 6 MV = Plan — genutzt in 2026-08-05-fr-med-verkehrsprognose-luecke-geschlossen
- Med-Zerlegung 2004: Avion 3,2→1,8, Route 1,2→1,2, Induit 2,2→1,5 — genutzt in 2026-08-05-fr-med-phantomreport-luftverkehr
- Med-Surplus: Betreiber 17 % vs. Nord 50 %, Preisindex 84→104,4 — genutzt in 2026-08-05-fr-med-surplus-verteilung-preise
- Med-Langfrist 2041 (Annexe 1, korrigiert: 32,43 vs. 51,7 MV, nicht '52 MV Fußnote 7'; Gewinn 20,0→8,3 MV) — genutzt in 2026-08-05-fr-med-langfristprojektion-2041
- Med-TRI-Zerlegung (S. 14–15): 8,0→4,1 %, Effet coût infra 0,0 Pp., Recettes 64 %/Betrieb 21 %/TP 13 %; Bilanz −2.175 vs. −12 M€; DAM-Basis von SNCF rekonstruiert (Originalnotizen verloren) — genutzt in 2026-08-05-fr-med-tri-zerlegung-bau-unschuldig
- Med-Kollektivbilanz (S. 15–16): 50 vs. 2.980 M€, B/K 0,01 vs. 0,65, sozio-TRI 8,0 % = Diskontsatz; Reisenden-Surplus 2.796 M€ intakt — genutzt in 2026-08-05-fr-med-kollektivbilanz-nullpunkt
- Reserve: Betriebskosten-Differential-Zeitreihe a priori 15→17 vs. a posteriori 38,7→64 M€ (2003–2006, Annexe 4, S. 31); Drei-Jahrgänge-Vergleich DAM/Citroën-2000/ex-post (S. 32); Péage-Sensitivität SNCF-TRI ±1,1–1,3 Pp. (S. 18)
- 282 km / 67,5 Monate (02/1985–09/1990) = 4,2 km/Monat; Branche Ouest nach 55 Monaten — genutzt in 2026-08-05-fr-bautempo-zeitreihe
- DUP→Baubeginn 9 Monate, Genehmigung→Baubeginn 16 Tage — genutzt in 2026-08-05-fr-dup-baubeginn-luecke
- Kosten +20 % / construction initiale +1 % — genutzt in 2026-08-05-fr-kostentreue-baseline-kartell
- Eröffnungsverkehr −30 % — genutzt in 2026-08-05-fr-verkehrsprognosen-lernkurve
- Planungszeit: Studienstart 1975 → Baubeginn 1985 = 10 Jahre; Regierungsbeschluss Nov. 1982 → Baubeginn = 27 Monate — Reserve
- Baukosten-Zeitreihe je km über alle LGV seit 1981 (4,8 → 26 M€/km) — Spiegel-KPI zur Bauzeit-Frage
- Planungs- vs. Bauzeit je LGV, falls der Bericht Débat-public-/DUP-Daten projektscharf listet
- BPL Gesamtkalender: 182 km, Chantier Dez. 2012 → Eröffnung 01.07.2017 = ~55 Monate ≈ 3,3 km/Monat Gesamtkalenderzeit (vs. SEA 4,6 — siehe extra.zurueckgezogen_2026-08-14)
- BPL Rohbau: ~6,1 km/Monat (Spanne 6,0–7,6) — siehe Finding
- CNM Rohbau-Fenster: erster Beton 12.02.2014 → Verlegebeginn Feb. 2016 = 24 Monate für 80 km (2,7–3,3 km/Monat)
- DUP Mai 2005 → erster Beton Feb. 2014 = 105 Monate Genehmigungs-/Finanzierungslücke
- Vertrag Juni 2012 → Fret-Betrieb Dez. 2017 = 66 Monate Gesamtlieferung im PPP
- Fahrzeitgewinn je Investition: 71 Min. / 7,8 Mrd. € = 9,1 Min./Mrd. € (mittlere Fahrzeit: 8,2) — Datenpunkt 3 der KPI-Reihe mit LGV Est (22,0) und VDE 4 (18–21)
- Planungs-Lücke als Zahl: >20 Jahre zwischen LGV Atlantique (1990) und Baustart Tours–Bordeaux (2012) — französisches Pendant zur These »die Lücke liegt vor dem Spatenstich«
- Frequenz-Effekt +30 % Züge/Tag — Output-Dimension jenseits der Fahrzeit
- LGV Est Ph. 1: 300 km / 65 Monate (Jan 2002 → 10.06.2007) ≈ 4,6 km/Monat — identisch mit LGV SEA 2012–2017
- Planungszeit: Mission Essig 1989 → Baubeginn Januar 2002 = 13 Jahre, also 13 von 18,4 Jahren Gesamtdauer bis zur Inbetriebnahme (10.06.2007) = 71 %; ab DUP 14.05.1996 = 5,7 Jahre
- Kostentreue: +10,5 % ggü. DAM; Verzug 10 Monate — beides eine Größenordnung unter Wendlingen–Ulm
- Kosten je km: 4.316 M€2009 / 300 km ≈ 14,4 M€2009/km (Flachland/Hügelland, keine Großtunnel)
- Fahrzeitgewinn je Investition: 95 Min. (Paris–Straßburg) / 4,316 Mrd. €2009 = 22,0 Min./Mrd. € — genutzt in 2026-08-04-fahrzeitgewinn-je-mrd-de-fr-paar
- Verkehrsprognosetreue: Ist 2009 +4 % ggü. DAM — genutzt in 2026-08-04-lgv-est-verkehrsprognose-punktlandung
- Internationaler Anteil: 15,8 % ex post ≈ 15,9 % ex ante — genutzt in 2026-08-04-lgv-est-inlandsprojekt-gewichte
- Gewichteter Netz-KPI: 74 Min. × DAM-Korridorgewichte / 4,316 Mrd. € = 17,1 Min./Mrd. € — genutzt in 2026-08-04-lgv-est-gewichteter-netz-kpi (Heuristik, conf 0.6)
- Luftverkehr −64 % auf konkurrierenden Inlands-OD — genutzt in 2026-08-04-lgv-est-luftverkehr-drittelung
- Rendite: Bahnakteure 5,9 % statt 7,2 % (DAM), sozioökonomisch 4,2 % statt 8,5 %, unter der 8-%-Schwelle — genutzt in 2026-09-14-lgv-est-faellt-unter-dieselbe-schwelle-wie-die-nord und nachgetragen in 2026-08-05-fr-verkehrsprognosen-lernkurve
- 333 km Neubau / 48 Monate = 6,9 km/Monat (konservativ 6,5) — genutzt in 2026-08-05-lgv-nord-bautempo-rekord
- Baubeginn ~2 Monate vor DUP — genutzt in 2026-08-05-fr-dup-baubeginn-luecke
- Kosten +25 % (Enquête) / +6 % (DAM) / +2 % (1991); Kartell 13 vs. 145 M€2003 — genutzt in 2026-08-05-fr-kostentreue-baseline-kartell
- Verkehr 2002 −50 %, GB Faktor 2,4 — genutzt in 2026-08-05-fr-verkehrsprognosen-lernkurve
- TRI 12,9 → 2,9 % / 20,3 → 5 % — Reserve für Rendite-Slot
- Paris–Lille Fahrzeitgewinn ~60–70 Min. (2h13 Mittel 1987/88 → 1h01) für 3,334 Mrd. €2003 — Reserve für Paar-KPI
- BPL amtlich: 51 Monate Gesamtbauzeit für 182+32 km; Génie civil Sommer 2012–Ende 2014 = 24–29 Monate Rohbaufenster (6,3–7,6 km/Monat)
- Kostentreue: 2,832 Mrd. € Endkosten = −65 Mio. € UNTER Budget (Preisstand 2010)
- Vertrag→Betrieb: 28.07.2011 → 02.07.2017 = 71 Monate für 182 km (2,6 km/Monat Gesamtlieferung)
- LGV SEA: 302 km in 66 Monaten Bauzeit (Bauherrenangabe LISEA, Bilan LOTI intermédiaire Kap. 2.5) = 4,58 km Neubaustrecke pro Monat, publiziert als 4,6 — keine Spanne, siehe extra.zurueckgezogen_2026-08-14
- Rohbau-Tempo: Erdarbeiten + Ingenieurbau für 340 km (inkl. Anbindungen) in 38 Monaten ≈ 8–9 km/Monat — 2026-08-05 präzisiert und emittiert (Finding 2026-08-05-sea-rohbau-kpi-38-monate): Terrassements allein April 2012–Herbst 2014 auf 15 Losen, 108 Mio. m³, ≈11,3 km/Monat (Zweitquelle IESF-Fiche, siehe fr-iesf-fiche-lgv-genie-civil)
- Kosten je km: 7,8 Mrd. € / 302 km ≈ 26 M€/km — deckt sich mit der Cour-des-comptes-Angabe für neuere LGV
- Kontrast-KPI (Erichs Frage): LGV SEA ~4,6 km/Monat vs. NBS Wendlingen–Ulm ~0,47 km/Monat — Faktor ~10, MIT Topographie-Caveat
- Oc'Via-Eigenvergleich: TGV Est Ph. 2 »plus de 8 ans de travaux« (106 km, konventionell) vs. CNM »5 ans et 3 mois tout compris« (80 km, PPP)
- Est-2-Phasendauern laut Oc'Via: Infrastruktur 4 Jahre, Superstruktur 2,5 Jahre, Essais 1,5 Jahre — sequenziell; CNM parallelisierte Études/GC/EF im Design-Build
- SEA Terrassement-Phase: 340 km in ~30 Monaten ≈ 11,3 km/Monat (15 Lose simultan)
- BPL Rohbau: 182 km in ~30 Monaten ≈ 6,1 km/Monat (7 TOARC-Lose)
- Rohbau-Fenster ~30 Monate ist konsortiumsunabhängig (VINCI vs. Eiffage) und längenunabhängig (182 vs. 340 km) — Parallelität skaliert
- LGV CNM (S. 10–13, ausgewertet 2026-08-05): Chronologie DUP Mai 2005 / Vertrag 28.06.2012 / erster Beton 12.02.2014 / Verlegung Feb. 2016 / Fret Dez. 2017 / Personen Juli 2018; 60+20 km, 188 Ouvrages, 6 Simultan-Sektoren, 8,8/6,6 Mio. m³ — bestätigt das ~2-Jahres-Rohbaufenster am dritten Konsortium
- Bautempo Hauptbaufenster: 225 km / (NTP 04/2020 → OOC-Eröffnung 05/2036–10/2039) = 0,96–1,17 km/Monat
- Kosten je km: 87,7–102,7 Mrd. £ / 225 km = 390–456 Mio. £/km
- Baseline-Drift 2020→2026: Zielkosten ~40 → 87,7–102,7 Mrd. £ (Basen beachten), OOC-Eröffnung 2029–2033 → 2036–2039
- Tunnelanteil als Erklärungskandidat für Kosten je km: 51,4 km Doppelröhren auf 225 km Strecke
- Drift-Fixpunkt 2016: Eröffnung 2026 geplant, Kosten 27,4 Mrd. £ prognostiziert
- F-1/F-2/G: 60,8 km in 31–32 Baumonaten (Juli 2013 → Feb./März 2016) = 1,9–2,0 km/Monat — Zweitbeleg der Texas-Rate durch zweites Konsortium
- Neubau-Korridor E–I gesamt: 169,5 km zwischen Sept. 2011 und Mai 2022 = 1,32 km/Monat Dauerrate inkl. Segment-Pausen
- Kosten je km: F-G Bausumme 17,1 Mio. $/km, D-G gesamt (inkl. Finanzierung) 2,9 Mrd. $ — Scope-Differenz dokumentieren
- 84 km inkl. 84 Brücken in 43–46 Baumonaten = 1,8–2,0 km/Monat; Fahrstreifen-korrigiert ~0,9–1,0 autobahn-äquivalente km/Monat
- Vertrag bis Vollfreigabe: 30.06.2017 → 21.05.2022 = 59 Monate für 84 km Gesamtlieferung
- Kapitalkosten ~15 Mio. $/km (zweistreifig, Flachland, inkl. Brücken)
- Segment E: 24,5 km vierstreifig in ~27 Baumonaten (Sept. 2011 → 21.12.2013) = 0,89 km/Monat — querschnittsgleicher Faktor ~4 gegenüber A14 VKE 1.4
- Kosten 320 Mio. $ / 24,5 km = 13,1 Mio. $/km vierstreifig (nominal 2011–2013)
- >120 Brücken in 60,8 km / 31–32 Monaten — Brückendichte vergleichbar mit H/I (84 Brücken/84 km), Rate trotzdem 1,9–2,0 km/Monat
- Bausumme 1,04 Mrd. $ / 60,8 km = 17,1 Mio. $/km vierstreifig (nominal 2013–2016)