847 Millionen in extremer Armut – warum die Zahl sprang, ohne dass sich die Welt verschlechterte
Wenn eine Statistik plötzlich um 125 Millionen Menschen wächst, liegt der Verdacht nahe, die Welt sei ärmer geworden. Bei der extremen Armut ist das Gegenteil der Fall – hier lohnt der genaue Blick.
Die Weltbank zählt für 2024 rund 847 Millionen Menschen unter der internationalen Armutsgrenze, das sind 10,4 % der Weltbevölkerung. Die Grenze selbst wurde im Juni 2025 neu gezogen: von 2,15 US-Dollar pro Tag (Kaufkraftparität 2017) auf 3,00 Dollar pro Tag (KKP 2021). Der höhere Schwellenwert schiebt allein rund 125 Millionen Menschen rechnerisch unter die Linie – Menschen, die vorher knapp darüber lagen.
Der sichtbare Sprung ist also überwiegend eine Messänderung, kein plötzlicher Einbruch. Die Kaufkraftparität rechnet Einkommen so um, dass ein Dollar in jedem Land dieselbe Warenmenge kauft; wird die Basis von 2017 auf 2021 aktualisiert und die Schwelle angehoben, verschiebt sich die gezählte Zahl, ohne dass ein einziger Mensch am selben Tag ärmer geworden wäre. Wer die 847 Millionen mit älteren Werten unter der 2,15-Dollar-Grenze vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Lineale.
Das ändert nichts daran, dass jeder zehnte Mensch mit weniger als drei Dollar am Tag auskommen muss. Aber es erklärt, warum die Schlagzeile-Zahl wuchs, während die Realität es nicht tat. Quelle ist das März-2026-Update der Poverty and Inequality Platform der Weltbank; der 125-Millionen-Effekt stammt aus deren Juni-2025-Revision der Armutsgrenze.
- Herausgeber
- World Bank – March 2026 Global Poverty Update (Poverty and Inequality Platform)Primärquelle
- Link
- https://blogs.worldbank.org/en/opendata/march-2026-global-poverty-update-from-the-world-bank--new-data-a
- Bezugsjahr
- 2024
- Abgerufen
- 01.08.2026