Essay — Sind Immigranten gewalttätiger als die Einheimischen?
Die Frage ist beantwortbar. Die Antwort hat zwei Zahlen.
Stand der Antwort · Stand 2026-08-19
Ja, es gibt einen Abstand, und er hält der genauen Rechnung stand: In Dänemark lagen männliche Nachkommen nicht-westlicher Einwanderer 2024 auf einem Kriminalitätsindex von 316 (alle Männer 15–79 = 100), nach Alter bei 245, nach Alter und Bildung der Familie bei 203 — und dieser Index zählt alle Schuldsprüche, nicht nur Gewalt.
»Viel« ist damit nicht beantwortet: Dieselbe Statistik zählt bei den Gewaltdelikten 1,0 Prozent dieser Gruppe mit Schuldspruch und 99 von 100 ohne — gegen 0,2 Prozent bei allen Männern, also das Fünffache eines seltenen Ereignisses.
Für Deutschland reicht unsere Rechnung bisher nur bis zur Alterskorrektur (aus Faktor 3,3 werden 2,4 bis 2,5 bei den Männern); die dritte Stufe ist dort nicht schwer, sondern unmöglich — keine der vier amtlichen Kriminalstatistiken erhebt Bildung, Beruf oder Einkommen.
Die Frage
Sind Immigranten gewalttätiger als die Einheimischen? Sind sie VIEL gewalttätiger?
Erich (Gründer), 2026-08-01, O-Ton. Nicht unsere Methodenfassung der Frage, sondern die gestellte.
Zwei Frauen, eine Frage
Die Frage ist beantwortbar, und die Antwort steht oben: Es gibt einen Abstand, er ist kleiner als die Rohzahl und größer als null — hinter jeder dieser Raten steht ein Lebenslauf, kein Etikett.
Stellen Sie sich zwei Frauen vor, beide zwanzig, beide in derselben deutschen Stadt. Die eine ist hier geboren, ihre Eltern auch. Die andere ist hier geboren, ihre Eltern kamen aus Syrien. Die Frage, um die es in diesem Issue geht, hat fast jeder schon einmal gedacht und kaum jemand laut gestellt: Ist die eine gefährlicher als die andere?
Ja, es gibt einen Abstand. In Dänemark, wo die Register fein genug sind, um ihn zu zerlegen, liegen männliche Nachkommen nicht-westlicher Einwanderer auf einem Kriminalitätsindex bei 316, wenn alle Männer zwischen 15 und 79 den Wert 100 haben. Rechnet man das Alter heraus, sind es 245. Nimmt man die Bildung in der Familie dazu, 203. Dieser Index zählt alle Schuldsprüche, auch Verkehrsdelikte — er ist kein Gewaltindex, und wir schreiben das dazu, weil wir es an dieser Stelle vier Tage lang falsch stehen hatten.
Für die Gewaltdelikte allein sagt dieselbe Statistik zwei Dinge, die beide stimmen: 1,0 Prozent dieser Gruppe wurden 2024 wegen eines Gewaltdelikts schuldig gesprochen, gegen 0,2 Prozent bei allen Männern — das Fünffache. Und: 99 von 100 nicht.
Das ist keine Gegenüberstellung von zwei Studien. Es ist eine Zelle einer Tabelle, zweimal vorgelesen. Welche der beiden Hälften Sie zuerst hören, entscheidet, mit welchem Bild Sie diesen Text verlassen — obwohl sich an der Wirklichkeit nichts ändert. Deshalb stehen hier beide.
Sie bekommen keine Zahl, die den Streit entscheidet. Es gibt sie nicht.
Sie bekommen auch nicht das Gegenteil — die Auskunft, das lasse sich alles nicht messen und sei ohnehin zu kompliziert. Das ist die bequemste Unwahrheit in dieser Debatte. Es lässt sich messen. Es ist nur mühsam, und das Ergebnis hat zwei Hälften, die man beide ertragen muss.
Die erste Hälfte: Der Abstand ist real. Er steht in mehreren voneinander unabhängigen Statistiken, und er verschwindet nicht, wenn man ihn ordentlich rechnet. 203 ist nicht 100. Wer das bestreitet, bestreitet die Daten.
Die zweite Hälfte: Er ist kleiner, als die Rohzahl schreit — und er sagt über die beiden Frauen oben fast nichts. 203 ist auch nicht 316. Eine Rate ist eine Eigenschaft von Hunderttausenden, nicht von einer Person. Und die Kategorie, in der diese Debatte geführt wird — »die Ausländer«, »die Migranten« —, ist so grob, dass sie in den Daten auseinanderfällt, sobald man genauer hinsieht.
Wir zeigen jede Zahl mit ihrem Maßstab. Wo uns eine fehlt, sagen wir das, statt die Lücke zu füllen.
Und es fehlen einige. Eine davon ist so groß, dass sie einen eigenen Abschnitt bekommen hat: Für Deutschland kommen wir nur bis zur zweiten Stufe der Rechnung oben. Die dritte ist dort nicht schwer, sondern unmöglich — keine der vier amtlichen deutschen Kriminalstatistiken erhebt Bildung, Beruf oder Einkommen. In 93 Feldern der Mikrodaten steht keines dieser Merkmale.
Dazu kommt die Stelle, an der wir eine Behauptung über eine dieser Lücken aufgestellt und vier Tage später widerrufen haben. Sie steht auch drin.
Hier entsteht eine Figur. Ihre Form ist entschieden, sie ist noch nicht gezeichnet. Sie soll zeigen: Zwei Porträtflächen nebeneinander, absichtlich leer oder abstrahiert — der Leser soll merken, dass er gerade selbst etwas hineingelesen hat, bevor eine einzige Zahl gefallen ist.
Quelle Redaktioneller Türöffner; die Zahlen des Antwortstands und des Einstiegs stehen mit ihren Findings in `extra.antwortstand.finding_ids` bzw. `extra.abgeleitete_zahlen`
Die Zählweise entscheidet
Die Wahl zwischen »Pass« und »Herkunft« verschiebt das Ergebnis um mehr als der ganze gemessene Effekt — und sie verschiebt es in beide Richtungen zugleich.
»Wie viele der Täter sind Ausländer?« und »Wie viele der Täter haben eine Einwanderungsgeschichte?« klingen wie dieselbe Frage. Sie sind es nicht, und der Unterschied ist größer als der ganze Effekt, um den in dieser Debatte gestritten wird.
Dänemark kann beide Fragen beantworten, weil seine Register Herkunft und Staatsangehörigkeit getrennt führen. Deutschland kann nur die erste. Deshalb sehen wir hier zum ersten Mal, was die Wahl der Frage kostet.
Bei den Männern zwischen 15 und 29 Jahren, Berichtsjahr 2025, haben 29,2 Prozent der schuldig Gesprochenen eine Einwanderungsgeschichte. Nach dem Pass gezählt sind es 15,3 Prozent. Fast die Hälfte verschwindet — nicht aus der Wirklichkeit, sondern aus der Statistik.
Der Grund ist unspektakulär: Sie haben den dänischen Pass. 47,9 Prozent der Eingewanderten in dieser Gruppe, und bei den in Dänemark geborenen Kindern von Eingewanderten 78,5 Prozent. Wer nach Staatsangehörigkeit zählt, zählt vier von fünf der zweiten Generation als Einheimische.
Die deutsche Polizeiliche Kriminalstatistik kann nur diese zweite Zahl. Sie kennt den Pass, nicht die Herkunft. Alles, was Sie über deutsche Ausländerkriminalität gelesen haben, ist in dieser Hinsicht eine Untererfassung — und zwar systematisch, nicht zufällig.
An dieser Stelle nickt die eine Hälfte der Leser zufrieden. Also bitte die zweite Zahl, aus derselben Quelle, denselben Tag gemessen.
22,3 Prozent aller Strafentscheidungen gegen Menschen ohne dänischen Pass treffen Menschen, die gar nicht in Dänemark wohnen: Touristen, Durchreisende, Menschen mit Visum. Sie stehen im Zähler der Kriminalitätsrate, aber in keinem Nenner — sie sind keine Einwohner. Rechnet man sie heraus, fällt der Ausländeranteil an allen Entscheidungen von 20,4 auf 15,7 Prozent.
Das ist der Effekt, den die andere Seite der Debatte gern zitiert. Also auch hier die unbequeme Fortsetzung: Bei Gewalt trägt er kaum. Nur 14,0 Prozent der Gewaltentscheidungen gegen Nicht-Staatsbürger betreffen Nicht-Ansässige, und von den 21,5 Prozentpunkten Abstand erklärt der Effekt gerade 3,0 Punkte. Der Rest bleibt stehen.
Die Erklärung dafür ist banal und wichtig: Wer für ein Wochenende einreist, begeht eher einen Ladendiebstahl als eine Körperverletzung im Bekanntenkreis. Die Nicht-Ansässigen blähen die Gesamtkriminalität auf, die Gewaltkriminalität kaum.
Zwei Korrekturen an derselben Zahl, beide sauber belegt, und sie zeigen in entgegengesetzte Richtungen. Die eine vergrößert den gemessenen Abstand, die andere verkleinert ihn — und bei Gewalt, um die es hier geht, ist die verkleinernde die schwächere.
Wer eine der beiden allein zeigt, hat kein Argument, sondern eine Waffe. Zusammen sagen sie das, was dieser Essay von Anfang an behauptet: Die Zählweise entscheidet mit, und sie tut es nicht einseitig.
Ein Vorbehalt, der überall mitmuss, wo diese Zahlen auftauchen: Sie sind dänisch. Übertragbar nach Deutschland ist die Richtung, nicht die Größenordnung. Die Passquoten hängen am Einbürgerungsrecht, und das ist in Dänemark strenger als hier. Für Deutschland kennen wir die entsprechenden Zahlen nicht — die zweite haben wir beim researcher bestellt.
Offen an dieser Stelle
- Lässt sich für Deutschland beziffern, welcher Anteil der ausländischen Tatverdächtigen keinen Wohnsitz im Land hat? Die dänischen 22,3 % / 14,0 % sind der stärkste Einzelbefund dieses Abschnitts, und für Deutschland haben wir dazu nichts — die PKS führt Tatverdächtige ohne festen Wohnsitz und Zuwanderer als eigene Kategorien, aber wir wissen nicht, ob daraus eine vergleichbare Quote wird. → researcher
Hier entsteht eine Figur. Ihre Form ist entschieden, sie ist noch nicht gezeichnet. Sie soll zeigen: Dass zwei Korrekturen desselben Zählers in entgegengesetzte Richtungen zeigen — der Leser soll sehen, dass hier nicht »zugunsten« oder »zulasten« korrigiert wird, sondern in beide Richtungen.
Quelle Danmarks Statistik, Registerauswertungen STRAFNA (Schuldsprüche nach Herkunft, Staatsangehörigkeit und Wohnsitz), Berichtsjahr 2025
Das rohe Raster
Roh liegt die nichtdeutsche Gewaltrate bei gut dem Dreifachen — und »deutsch gegen nichtdeutsch« ist ein Zwischenschritt, kein Endstand.
Genug Vorbereitung. Hier ist der Befund, in voller Größe und ohne Weichzeichner.
Rechnet man die Gewalttaten auf die Einwohner um — also nicht »wie viele Fälle«, sondern »wie viele Fälle je 100.000 Menschen dieser Gruppe« —, dann liegt die Rate der nichtdeutschen Männer bei gut dem Dreifachen der deutschen.
Und sie tut es zweimal. In der Strafverfolgungsstatistik, die Verurteilte von 2024 zählt: Faktor 3,3. In der Polizeilichen Kriminalstatistik, die Tatverdächtige von 2025 zählt: Faktor 3,2.
Das ist der wichtigste Satz dieses Abschnitts, und er ist nicht der Faktor selbst: Zwei völlig getrennt erhobene Statistiken kommen zur selben Größenordnung. Die eine steht am Anfang des Strafverfahrens, die andere am Ende. Die eine wird von der Polizei geführt, die andere von den Gerichten. Sie haben verschiedene Fehlerquellen — und sie zeigen dasselbe.
Wer den Abstand für ein Artefakt der Polizeiarbeit hält, muss erklären, warum er die Gerichte überlebt. Wer ihn für eine Erfindung hält, muss zwei Behörden erklären.
Der Abstand ist real. Das ist die erste Hälfte der Antwort, und wir nehmen sie nicht zurück.
Jetzt die zweite Hälfte, und sie fängt bei etwas an, das wie eine Kleinigkeit aussieht.
Diese Rate vergleicht zwei Töpfe: »deutsch« und »nichtdeutsch«. Im zweiten Topf liegen ein 19-jähriger Neuzugewanderter und eine 58-jährige Ärztin, die seit dreißig Jahren hier arbeitet, ein japanischer Ingenieur und ein afghanischer Asylbewerber. Der Topf hat kein gemeinsames Merkmal außer einem: Er ist nicht der andere Topf.
Drei Dinge machen ihn zu einem schlechten Behälter, und alle drei sind messbar.
Erstens ist er anders zusammengesetzt. Die zugewanderte Bevölkerung ist im Schnitt jünger und männlicher. Jung und männlich zu sein hebt die Gewaltrate in jeder Gruppe, auch in der deutschen. Wie viel davon der Faktor 3,3 nur spiegelt, steht im nächsten Abschnitt — und es ist ein erheblicher Teil.
Zweitens ist er innen zerklüftet. Wir können das für Deutschland zeigen, allerdings an einer anderen Achse: Bei der Beschäftigungsquote liegen 52 einzelne Staatsangehörigkeiten über 59 Prozentpunkte auseinander, und drei davon liegen über der deutschen Quote. Die Sammellinie »Ausländer« liegt mitten in dieser Wolke, nicht an ihrem Rand. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es bei der Gewalt anders wäre — nur können wir es in Deutschland dort nicht zeigen.
Und hier lohnt es sich, genau hinzuhören, warum nicht. Wir haben angenommen, die Zahlen gebe es einfach nicht. Das stimmt nicht. Die deutsche Strafverfolgungsstatistik erfasst die Staatsangehörigkeit ihrer Verurteilten seit dem Berichtsjahr 2009 dreistellig — also land für land, seit siebzehn Jahren, zusammen mit Alter und Geschlecht. Vor jeder Herausgabe wird sie auf zwei Werte zurückgruppiert. Der Grund dafür steht wörtlich im Anonymisierungskonzept, und er lautet nicht Datenschutz:
»Um weiterhin das gleiche Datenangebot zu liefern erfolgt ab dem Berichtsjahr 2009 eine Gruppierung der Staatangehörigkeit auf die Ausprägungen ›deutsch / nicht deutsch‹.«
Damit die Zeitreihe gleich bleibt. Öffentlich taucht die feine Kreuzung in keiner der neun amtlichen Tabellen auf, in keiner Bundespublikation und in keinem der sechs Bundesländer, die wir geprüft haben — zehn haben wir nicht geprüft, das gehört dazu. Dieselbe Suche findet die feine Staatsangehörigkeit dagegen in 62 anderen Tabellen, darunter der Bevölkerungszahl, durch die wir hier teilen.
Der Satz ändert sich also. Nicht »die Daten gibt es nicht«, sondern: Sie werden auf dem Weg nach draußen gröber gemacht, damit die Reihe gleich bleibt. Ein Register, das seit 2009 dreistellig erfasst und zweiwertig herausgibt, hat die Antwort auf die Frage dieses Essays die ganze Zeit im Haus.
Drittens ist er nach dem Pass gebildet, mit allem, was im letzten Abschnitt stand: Die zweite Generation fällt größtenteils heraus, Nicht-Ansässige fallen hinein.
Der Faktor 3,3 ist deshalb kein Endstand. Er ist der Rohwert am Anfang einer Rechnung, und die interessanten Sachen passieren, wenn man sie zu Ende führt.
Ein Hinweis, den wir Ihnen schuldig sind, bevor es weitergeht: Diese Zahl steht auf einem Nenner, der amtlich auf Vielfache von fünf gerundet ist. Was das bedeutet — und warum es für kleine Gruppen mehr bedeutet als für große —, steht in Abschnitt 80. Für den Faktor 3,3 ändert es nichts. Für die zweite Nachkommastelle, die Sie hier bewusst nicht sehen, ändert es alles.
Offen an dieser Stelle
- Zehn der sechzehn Bundesländer sind ungeprüft. Führt eines von ihnen die Vollkreuzung Einzelstaatsangehörigkeit × Alter × Geschlecht in einer eigenen Veröffentlichung? Das ist der Rest der beantworteten Lücke, nicht eine neue — solange er offen ist, sagt der Abschnitt »0 von 6 geprüft« und nicht »nirgends«. → researcher
Hier entsteht eine Figur. Ihre Form ist entschieden, sie ist noch nicht gezeichnet. Sie soll zeigen: Dass zwei völlig getrennt erhobene Statistiken zur selben Größenordnung kommen — das ist der belastbare Teil, nicht die einzelne Ziffer.
Quelle Statistisches Bundesamt, Strafverfolgungsstatistik 2024 (Verurteilte) und BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 (Tatverdächtige), verrechnet auf die Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit — persona-stat-Records des data-analyst
Was Alter erklärt
Ein erheblicher Teil des rohen Abstands ist Alter, Geschlecht und soziale Lage — aber nach allen drei Schnitten bleibt eine Restlücke von rund Faktor zwei stehen.
Der Faktor aus dem letzten Abschnitt vergleicht zwei Gruppen, die verschieden gebaut sind. Die eine ist im Schnitt älter, die andere jünger und männlicher. Und Gewaltdelikte sind extrem ungleich über Alter und Geschlecht verteilt — in jeder Bevölkerung, überall auf der Welt, seit es Kriminalstatistik gibt. Junge Männer.
Die naheliegende Frage ist also: Wie viel des Abstands ist einfach nur das?
Man beantwortet sie, indem man rechnet, wie hoch die Rate wäre, wenn beide Gruppen dieselbe Alters- und Geschlechtsstruktur hätten. Das Ergebnis für Deutschland: Der Abstand schrumpft um rund ein Viertel. Aus Faktor 3,3 werden rund 2,4 bis 2,5 bei den Männern und rund 2 bei den Frauen.
Dänemark zeigt dieselbe Bewegung sauberer, weil dort die Register feiner sind. Auf einem Index, bei dem alle Männer zwischen 15 und 79 den Wert 100 haben, liegen männliche nicht-westliche Nachkommen — die höchste Gruppe der dänischen Auswertung — roh bei 316. Allein die Alterskorrektur drückt sie auf 245.
Eine Abgrenzung, die dazugehört: Dieser Index zählt alle Schuldsprüche, auch Verkehrsdelikte, nicht nur Gewalt. Er zeigt die Bewegung, die dieser Abschnitt erklärt — er ist nicht die Gewaltzahl aus dem letzten Abschnitt.
Ein Viertel weg — durch nichts als eine Umrechnung. Wer den rohen Faktor zitiert, zitiert zu einem guten Stück die Altersstruktur der Zuwanderung.
Jetzt der Einwand, den fast jeder an dieser Stelle hat, und er ist ein guter: Zugewanderte sind im Schnitt ärmer und formal geringer gebildet. Armut hängt mit Gewalt zusammen, in jeder Bevölkerung. Ist der Rest also einfach die soziale Lage?
Auch das lässt sich in Dänemark rechnen. Nimmt man zur Alterskorrektur die höchste Bildung in der Familie hinzu, fällt der Index von 245 auf 203.
Wieder ein spürbarer Schritt. Und wieder nicht auf 100.
Das ist die Stelle, an der beide Seiten der Debatte etwas hinnehmen müssen. 203 ist nicht 316 — wer den rohen Wert für den Befund hält, hat die halbe Rechnung nicht gesehen. Aber 203 ist auch nicht 100. Nach Alter, Geschlecht und sozialer Lage steht immer noch ungefähr das Doppelte. Die dänische Statistikbehörde schreibt das selbst in ihre Auswertung; es ist kein Befund, den wir ihr abgerungen haben.
Wir rechnen die Leiter nicht in einen Satz wie »Alter erklärt 30 Prozent, Bildung 20« um. Das wäre die Zahl, die man an dieser Stelle gern hätte, und sie wäre erfunden. Standardisierungsschritte lassen sich nicht sauber in Anteile zerlegen — die Reihenfolge der Schnitte verändert ihre Größe, und was zuerst kommt, bekommt mehr.
Und wir übertragen die dänische Leiter nicht auf Deutschland. Für Deutschland haben wir zwei Stufen, nicht drei: roh und altersstandardisiert. Die dritte fehlt — und wir haben gefragt, ob sie irgendwo doch existiert, mit dem Vorsatz, eine Vermutung nicht als Befund zu schreiben.
Die Antwort ist nein, und sie ist schärfer als das. Es fehlt nicht die Auswertung, es fehlt das Merkmal. Keine der vier amtlichen deutschen Kriminalstatistiken erhebt Bildung, Beruf, Erwerbsstatus oder Einkommen; in der vollständigen Feldliste der Mikrodaten, gegen die Forscher ihre Auswertungen programmieren, steht keines dieser Merkmale in 93 Feldern. Der Grund ist Bauart: Dänemark bildet seine Kriminalstatistik durch Verknüpfung von Registern, Deutschland aus Verfahrensakten. In einer Anklageschrift steht kein Haushaltseinkommen.
Das heißt: Eine dritte Stufe wäre für Deutschland nicht schwer zu rechnen, sondern ohne neue Rechtsgrundlage unmöglich. Und es heißt vor allem etwas anderes, als es zunächst klingt — das Merkmal fehlt nicht für Ausländer, es fehlt für alle. Die deutsche Kriminalstatistik weiß von keinem Menschen, ob er Arbeit hat.
Was nach zwei Schnitten übrig bleibt, ist die eigentliche Frage dieses Issues. Und sie hat zwei Antworten, die beide stimmen und sich gegenseitig fast aufheben. Die eine steht im nächsten Abschnitt.
Hier entsteht eine Figur. Ihre Form ist entschieden, sie ist noch nicht gezeichnet. Sie soll zeigen: Eine Treppe, die nach unten führt und nicht auf null ankommt. Der Leser soll beides sehen: wie viel jeder Schnitt wegnimmt — und dass am Ende eine Stufe stehen bleibt.
Quelle Danmarks Statistik, Kriminalitätsindex nach Herkunft mit Standardisierung für Alter und Familienbildung (Männer 15–79, Basis alle Männer = 100); für Deutschland die persona-stat-Records roh und altersstandardisiert
Index und Niveau
»Fünfmal so hoch« und »99 von 100 tun es nicht« sind dieselbe Zahl von zwei Seiten — beide wahr, und keine allein ehrlich.
In Dänemark hat die Gruppe mit der höchsten Gewaltrate — männliche Nachkommen nicht-westlicher Einwanderer zwischen 15 und 79 — einen Wert, den man auf zwei Arten aufschreiben kann.
Erste Art: Ihre Gewaltrate liegt bei rund dem Fünffachen des Durchschnitts aller Männer.
Zweite Art: 1,0 Prozent von ihnen wurden im Berichtsjahr wegen eines Gewaltverbrechens schuldig gesprochen. Neunundneunzig von hundert nicht.
Das ist keine Gegenüberstellung von zwei Studien. Es ist eine Zelle einer Tabelle, zweimal vorgelesen.
Beide Sätze sind wahr. Beide sind vollständig belegt. Und je nachdem, welchen Sie zuerst hören, gehen Sie mit einem anderen Bild aus diesem Text — obwohl sich an der Wirklichkeit nichts geändert hat.
Das ist der Grund, warum diese Debatte so verlässlich entgleist. Die eine Seite zitiert den Faktor. Die andere zitiert das Niveau. Keine lügt. Beide lassen die Hälfte weg.
Weil er ein Verhältnis zwischen zwei kleinen Zahlen ist. Wenn ein seltenes Ereignis in einer Gruppe fünfmal so häufig ist wie im Schnitt, bleibt es ein seltenes Ereignis. Fünfmal selten ist selten.
Wer aus dem Faktor fünf eine Aussage über einen einzelnen Menschen macht — über die zwanzigjährige Frau aus dem ersten Abschnitt —, rechnet mit der falschen Zahl. Für den Einzelfall zählt das Niveau, und das Niveau sagt: mit überwältigender Wahrscheinlichkeit nichts.
Weil 99 Prozent auch für die Vergleichsgruppe gelten, und trotzdem sind die Gruppen verschieden. Ein Fünffaches ist ein Fünffaches. In einer Bevölkerung von Millionen sind das reale Menschen, reale Taten und reale Opfer — und diese Opfer leben ganz überwiegend in denselben Vierteln wie die Täter.
»99 von 100 tun es nicht« ist deshalb kein Entwarnungssatz. Es ist ein Maßstabssatz. Er sagt, worüber wir reden: über eine Verschiebung in einer Verteilung, nicht über eine Eigenschaft von Menschen.
In jeder dieser Tabellen gibt es einen höchsten Wert, und er wandert am schnellsten durch soziale Netzwerke. In der dänischen liegt er bei 676 — Gewaltindex der syrischstämmigen Nachkommen, gegen 100 im Durchschnitt aller Männer.
Diese Zahl beruht auf 901 Personen.
Das ist keine Beanstandung der dänischen Statistik; die Zahl ist korrekt berechnet. Es ist eine Aussage über ihre Tragfähigkeit. Bei 901 Menschen verschieben ein paar Dutzend Fälle den Index spürbar; bei Hunderttausenden tun sie das nicht. Der höchste Einzelwert einer Tabelle steht fast immer auf der dünnsten Basis — das ist eine Eigenschaft von Tabellen, keine Eigenschaft der Gruppe.
Deshalb gilt für diesen Wert in diesem Issue eine Regel ohne Ausnahme: Die 676 erscheint nie ohne die 901. Wer nur die erste Zahl weitergibt, gibt etwas anderes weiter, als in der Tabelle steht.
Offen an dieser Stelle
- Gibt es für Deutschland eine Niveau-Angabe dieser Art — den Anteil einer Gruppe mit Gewalt-Schuldspruch oder Gewalt-Tatverdacht im Jahr, nicht nur eine Rate je 100.000? Rechnerisch ist das dasselbe, publizistisch nicht: »1 von 100« erreicht Leser, die eine Rate je 100.000 überlesen. Wir wollen es nicht selbst umrechnen, solange der Nenner amtlich auf Fünfer gerundet ist. → researcher
Hier entsteht eine Figur. Ihre Form ist entschieden, sie ist noch nicht gezeichnet. Sie soll zeigen: Dass beide Lesarten aus derselben Zelle kommen — der Balken und die Fläche sollen sichtbar dieselbe Zahl sein, nicht zwei Aussagen nebeneinander.
Quelle Danmarks Statistik, Gewaltverbrechen nach Herkunft — Anteil der Männer 15–79 mit Schuldspruch im Berichtsjahr sowie alterskorrigierter Gewaltindex je Herkunftsgruppe
Mehr Zuwanderung, kleinerer Abstand
Die Debatte unterstellt, der Abstand wachse mit der Zuwanderung — über 25 dänische Jahre laufen die beiden Kurven gegeneinander.
Bis hierhin haben wir gemessen, wie groß der Abstand ist. Das ist nicht die Frage, mit der die meisten Menschen in diese Debatte gehen. Ihre Frage lautet: Wohin bewegt er sich?
Sie hat eine Antwort, und sie ist die unerwartetste Zahl dieses ganzen Issues.
Zwischen 2000 und 2025 ist in Dänemark der Anteil der Bevölkerung nicht-dänischer Herkunft von 7,1 auf 17,6 Prozent gestiegen — mehr als eine Verdoppelung, einschließlich der Jahre 2015 und 2016.
Im selben Zeitraum ist der Gewaltabstand zwischen dieser Bevölkerung und der dänischstämmigen von 3,14 auf 1,79 gefallen.
Die beiden Kurven laufen gegeneinander. Mehr Zuwanderung, kleinerer Abstand, fünfundzwanzig Jahre lang, in derselben Registerreihe gemessen.
Das ist der Punkt, an dem eine Seite der Debatte gern aufhören würde zu lesen, und die andere gern lauter würde. Beide sollten weiterlesen.
»Ihr habt einfach andere Zuwanderer bekommen.« Der Einwand ist berechtigt: Wenn sich die Zusammensetzung der Einwanderung verschiebt, kann der Abstand sinken, ohne dass sich irgendjemands Verhalten geändert hat.
Er lässt sich prüfen, indem man den Herkunftsmix rechnerisch auf den Stand von 2000 einfriert und die Reihe noch einmal rechnet. Ergebnis: 96 Prozent des Rückgangs bleiben stehen. Der Effekt ist real und liegt fast vollständig im Verhalten, nicht in der Zusammensetzung.
Die Grenze dieser Rechnung gehört in denselben Absatz: Eingefroren ist der Herkunftsmix, nicht Alter und Geschlecht. Wie viel des Rückgangs schlicht davon kommt, dass die Einwanderungsbevölkerung älter geworden ist, sagt diese Zahl nicht.
Also haben wir es nachgerechnet, und das Ergebnis ist die zweite unerwartete Zahl dieses Abschnitts.
»Eure Zuwanderer sind einfach älter geworden« klingt zwingend: Gewalt ist überwiegend eine Sache junger Männer, eine alternde Bevölkerung wird von selbst unauffälliger. Nur ist es die falsche Bevölkerung, die gealtert ist. Bei der dänischstämmigen stieg der Anteil der 50- bis 79-Jährigen von 39,4 auf 48,1 Prozent; bei der nicht-dänischen kroch er von 23,6 auf 26,6. Die Vergleichsgruppe ist alt geworden, und weil Ältere seltener wegen Gewalt verurteilt werden, drückt das die dänische Rate und lässt den Abstand größer aussehen, als er ist.
Rechnet man deshalb beide Bevölkerungen auf dieselbe Alters- und Geschlechtsstruktur um, passiert Folgendes — und beide Hälften stehen hier bewusst nebeneinander, weil jede allein in die Irre führt. Der Rückgang bleibt vollständig: roh −42,9 Prozent über 25 Jahre, auf Gewaltverbrechen standardisiert −42,4 bis −46,2 Prozent, gemessen über fünfzehn Varianten, in vierzehn davon sogar steiler als roh. Das Niveau bleibt nicht: Der Gewaltabstand von 2025 liegt roh bei 1,79 und standardisiert bei 1,43, über alle Varianten zwischen 1,43 und 1,62. Alter und Geschlecht erklären also 22 bis 45 Prozent des verbleibenden Abstands — und nichts von seinem Rückgang.
Der Satz, den man daraus nicht machen darf, lautet: »Alter erklärt nichts.« Alter erklärt ein knappes Viertel bis knappe Hälfte davon, wie groß der Abstand heute ist. Es erklärt nur nicht, warum er kleiner geworden ist.
Ein Abstand kann kleiner werden, weil der obere Wert sinkt. Er kann auch kleiner werden, weil der untere steigt.
Rund ein Drittel der gesamten Annäherung stammt aus dem Jahrzehnt zwischen 2000 und 2010 — und in diesem Jahrzehnt stieg die Gewaltrate der dänischstämmigen Bevölkerung um etwa ein Viertel.
Der Abstand schrumpfte, weil die Mehrheit schlechter wurde.
Das ist keine Integrationsgeschichte. Erst der Abschnitt ab 2021 fällt aus der Richtung, die man sich erhofft — und dieser Abschnitt ist vier Jahre alt und damit das dünnste Stück der Reihe.
Wer diesen Befund als Beleg dafür nimmt, dass Integration funktioniert, zitiert ein Drittel davon falsch.
»Alle Gruppen nähern sich an« wäre der bequeme Schlusssatz. Er stimmt nicht.
Somalische Herkunft ist die einzige große Gruppe, deren Gewaltrate im Zeitraum gestiegen ist: von 904 auf 1.027 je 100.000. Ihr Verhältnis zur dänischen Rate wuchs von 7,3 auf 9,3 — sie hat sich nicht angenähert, sondern entfernt, während fast alle anderen sich annäherten.
Eine Gruppe, die sich gegen den Trend bewegt, widerlegt den Trend nicht. Aber ein Bild, das sie weglässt, behauptet eine Geschlossenheit, die es nicht gibt. Deshalb steht sie in derselben Figur wie die Konvergenz — nicht daneben, nicht darunter, nicht in der Fußnote.
roh altersstandardisiert
Oberes Feld: Gewaltrate nicht-dänischer Herkunft im Verhältnis zur dänischstämmigen Rate desselben Jahres. Beide sind dieselbe Größe, anders gerechnet; der senkrechte Abstand zwischen ihnen ist der Kompositionseffekt. Die y-Achse ist logarithmisch, weil auf ihr dieser Abstand das Verhältnis der beiden Linien abbildet: Der Kompositionsfaktor wächst von 1,212 (2000) auf 1,341 in der Mitte der Reihe, und eine lineare Achse zeichnete ihn als schrumpfend. Die Linie bei 1,0 ist der Gleichstand, nicht eine abgeschnittene Null. Somalia: zwei Stützjahre (2000 und 2025), keine Jahresreihe — die Zwischenjahre sind in dieser Quelle nicht ausgewiesen; die Rate lag 2010 höher als an beiden Enden. Unteres Feld: Anteil nicht-dänischer Herkunft an der Bevölkerung, 7,1 % auf 17,6 %. Das graue Band markiert 2000–2010: In diesen Jahren steigt auch die dänischstämmige Rate — ohne diese Markierung läse sich die Figur als Integrationsgeschichte, die die Daten nicht hergeben. Endwerte 2025: 1,79 roh und 1,43 standardisiert (Variantenband bis 1,62) — beide stehen immer zusammen.
Quelle Danmarks Statistik, STRAFNA4 — Gewaltverbrechen je 100.000 Einwohner 15–79 nach Herkunft, vollständige Reihe der Berichtsjahre 2000 bis 2025
Zwei Generationen
»Einwanderer« sind in den Registern zwei Gruppen, die gegeneinander laufen — und die Stufe zwischen ihnen ist kein nicht-westliches Phänomen.
Der letzte Abschnitt endete versöhnlich. Dieser nimmt das zur Hälfte zurück, und zwar mit denselben Registern.
Denn »Einwanderer« sind in den dänischen Daten zwei Gruppen: die Eingewanderten selbst und ihre in Dänemark geborenen Kinder. Der ganze Rest dieses Essays behandelt sie als eine. Trennt man sie, laufen sie seit achtzehn Jahren gegeneinander.
Männer zwischen 15 und 29, Berichtsjahr 2025, Schuldsprüche je 100.000:
| Gruppe | je 100.000 |
|---|---|
| dänische Herkunft | 5.726 |
| nicht-westliche Einwanderer | 7.489 |
| nicht-westliche Nachkommen | 15.946 |
Die Eingewanderten liegen bei etwa dem 1,3-fachen der einheimischen Rate — dem niedrigsten Wert ihrer ganzen Reihe. Ihre hier geborenen Kinder liegen beim 2,8-fachen.
Wer fragt, ob Einwanderer gewalttätiger sind, bekommt hier zwei verschiedene Antworten für zwei Gruppen, die im Alltag beide »Einwanderer« heißen.
Der erste Reflex: Die Nachkommen sind jünger, und jung heißt gewaltnäher. Für den Querschnitt 2025 trägt er nicht — innerhalb des Fensters 15 bis 29 liegt das Durchschnittsalter bei 22,14 gegen 22,04 Jahren. Und das Verhältnis von 2,1 zwischen den Generationen findet sich in allen drei Altersgruppen wieder: 2,13, 2,10, 2,09.
Für den Zeitverlauf trägt er teilweise, und das hatten wir zuerst falsch abgehakt. Die Nachkommen sind im Fenster von 19,99 auf 22,14 Jahre gealtert, die Vergleichsgruppe nur von 21,73 auf 22,04. Altersstandardisiert — gewichtet über alle Delikte, nicht über die Gewaltdelikte allein — schrumpft die Divergenz der Generationen von +59,5 auf +51,0 Prozent.
Der Zusatz ist keine Pedanterie. Eine Altersstandardisierung hängt daran, welchen Deliktumfang man gewichtet: Verkehrs- und Sondergesetzdelikte haben eine völlig andere Alterskurve als Gewalt. Dieselbe Rechnung über einen anderen Umfang ergibt eine andere Zahl — deshalb steht der Umfang hier neben dem Ergebnis und nicht in einer Fußnote.
Ein Sechstel ist Alterung. Fünf Sechstel bleiben. Beide Zahlen gehören zusammen — deshalb steht hier keine einzelne.
Fast jeder Leser nimmt aus dem Bisherigen eine Aussage über nicht-westliche Herkunft mit. Dieselben Register nehmen ihm diese Lesart.
Gewaltverbrechen je 100.000, Altersgruppe 15 bis 79, 2025:
| Gruppe | je 100.000 |
|---|---|
| westliche Einwanderer | 67 |
| dänische Herkunft | 110 |
| nicht-westliche Einwanderer | 177 |
| westliche Nachkommen | 238 |
| nicht-westliche Nachkommen | 613 |
Dänemarks westliche Einwanderer liegen bei Gewalt in 18 von 18 Jahren unter der einheimischen Rate. Ihre in Dänemark geborenen Kinder in 18 von 18 darüber. Und in 14 von 18 Jahren war ihre Generationenstufe größer als die nicht-westliche.
Die Stufe zwischen den Generationen ist kein nicht-westliches Phänomen. Sie tritt bei der Vergleichsgruppe auf, die in dieser Debatte nie vorkommt, weil sie unauffällig ist.
Zwei Vorbehalte, ohne die dieser Absatz nicht stehen darf. Erstens ist das keine Aussage über »Deutsche und Schweden« — die westliche Gruppe ist zu 18,8 Prozent polnischer, 13,5 Prozent deutscher, 6,5 Prozent rumänischer Herkunft, kein Land über einem Fünftel. Es ist eine Aussage über eine Vergleichsgruppe, nicht über Nationalitäten. Zweitens beruht sie auf 36 Gewaltfällen im Jahr 2025, über die Reihe zwischen 19 und 41. Tragfähig ist deshalb die Vorzeichenreihe — 18 von 18, 18 von 18 —, nicht die Höhe des Faktors. Den nennen wir hier bewusst nicht.
Der Satz, der jetzt naheliegt, lautet: Integration scheitert über die Generationen. Die Tabelle gibt ihn nicht her, und der Grund steckt in der Definition.
»Nachkomme« ist bei der dänischen Statistik eine Elternstatus-Kategorie. Ein Elternteil, das zugleich dänischer Staatsbürger und in Dänemark geboren ist, genügt, damit das Kind als »dänische Herkunft« gilt. Gemischte Familien und die dritte Generation verlassen die Gruppe also laufend — und zwar am oberen Ende der Einbindung.
Die Gruppe, deren Abstand wächst, verliert fortwährend ihre am stärksten eingebundenen Mitglieder. Wie groß dieser Abfluss ist, wissen wir nicht, und die Tabelle sagt es nicht. Es bleibt damit eine plausible Teilerklärung, und wir schreiben es als solche hin, statt sie wegzulassen.
Eine Nebenachse, die in dieselbe Richtung mahnt: Bei den Töchtern ist der Generationensprung größer als bei den Söhnen (2,59 gegen 2,13). Und der Satz, der zwingend danebensteht: Die höchste Frauenrate (4.228) liegt unter der niedrigsten Männerrate (4.698). Die Reihe der Einwanderinnen ist trendlos. »Auch bei den Frauen wächst der Abstand« gilt für die zweite Generation — und nur für sie.
Offen an dieser Stelle
- »Nachkomme« ist bei DST eine Elternstatus-Kategorie, keine Generationenkategorie — ein Elternteil, das dänischer Staatsbürger UND in Dänemark geboren ist, genügt, damit das Kind als »dänische Herkunft« zählt. Die Gruppe verliert also laufend ihre am stärksten eingebundenen Mitglieder. Lässt sich beziffern, wie groß dieser Abfluss ist — etwa über die Zahl der gemischten Elternschaften je Jahrgang? Solange nicht, bleibt es eine plausible Teilerklärung, die wir als solche kennzeichnen müssen. → researcher
Hier entsteht eine Figur. Ihre Form ist entschieden, sie ist noch nicht gezeichnet. Sie soll zeigen: Dass die Stufe zwischen den Generationen bei beiden Herkunftsgruppen auftritt — der Leser soll die westliche Stufe sehen, bevor er die nicht-westliche deutet.
Quelle Danmarks Statistik, Schuldsprüche je 100.000 Einwohner nach Herkunft, Generation und Alter (Männer 15–29, Berichtsjahre 2008–2025) sowie Gewaltverbrechen 15–79 nach westlicher und nicht-westlicher Herkunft
Der deutsche Nenner
Die entscheidende deutsche Zahl ist nicht falsch, sondern unscharf — und zwar an einer Stelle, die niemand vermutet: im Nenner.
Warum steht in einem Essay über Deutschland so viel Dänemark?
Nicht, weil Dänemark interessanter wäre. Sondern weil Deutschland die entscheidenden Zahlen in einer Feinheit veröffentlicht, die für die Frage nicht reicht — und weil die Zahlen, die es veröffentlicht, an einer Stelle unscharf sind, die fast nie jemand prüft.
Das ist kein Beiwerk. Es ist der ehrlichste Abschnitt dieses Issues.
Wie viele Menschen ohne deutschen Pass leben in Deutschland? Zum selben Stichtag, vom selben Statistischen Bundesamt, gibt es zwei Antworten: rund 12,4 Millionen nach der Bevölkerungsfortschreibung, rund 14,1 Millionen nach dem Ausländerzentralregister.
Dazwischen liegen rund 1,64 Millionen Menschen oder 13,2 Prozent — mehr als die Einwohnerzahl Münchens. (Die letzten Ziffern dieser Differenz sind nicht bestimmt: Der Registerwert ist keine publizierte Zahl, sondern unsere Summe über 96 einzeln auf Vielfache von fünf gerundete Zellen, Unschärfe ±14 Personen. Nachgetragen am 16.08.)
Keines der beiden Register rechnet falsch. Sie zählen verschiedene Dinge: Das eine schreibt einen Zensusbestand mit Meldebewegungen fort, das andere führt aufenthaltsrechtliche Datensätze, in denen ein Weggezogener stehen bleibt, bis er sich abmeldet. Dass das Register höher liegt, ist zu erwarten.
Nicht zu erwarten ist die Größe. Jede Rate »Taten je 100.000 Menschen dieser Gruppe« hat diesen Nenner — und je nachdem, welches Register man wählt, ändert sich das Ergebnis um über ein Achtel. Das ist mehr, als zwischen manchen der Gruppen liegt, die wir hier vergleichen.
Jetzt die Zahl, die uns an diesem Issue am meisten überrascht hat.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik zählt Tatverdächtige auf die Person genau. Ihr Jahrbuch erwähnt Rundung an genau einer Stelle, und zwar für Prozentwerte.
Das Ausländerzentralregister rundet jede ausgewiesene Fallzahl auf ein Vielfaches von fünf. Nicht die kleinen Zellen — alle. Das Bundesamt schreibt es selbst in seinen Qualitätsbericht, und es kündigt dort auch gleich die Folge an: dass die ausgewiesenen Summen nicht mehr zur Summe ihrer Bestandteile passen. Nachgemessen trifft das 25,75 Prozent der Zellen: Männer plus Frauen ergeben nicht die Gesamtzahl, die Abweichung ist ausnahmslos fünf.
In einem Satz: Wir zählen die Tat auf die Person genau und die Menschen, auf die wir sie beziehen, nur auf fünf genau.
Jede deutsche Kriminalitätsrate nach Staatsangehörigkeit hat damit einen exakten Zähler und einen gerundeten Nenner — ein Rasterverhältnis von fünf zu eins.
Und das ist ausdrücklich kein Vorwurf an eine Behörde. Die Rundung ist Datenschutz. Sie existiert, damit man aus einer Tabelle nicht herauslesen kann, dass in einem Landkreis genau eine Person einer bestimmten Staatsangehörigkeit lebt. Sie schützt also genau die kleinsten Gruppen, über die am lautesten gestritten wird.
Der Preis dafür ist berechenbar und hat eine unangenehme Eigenschaft. Je Zelle liegt der Fehler bei höchstens zwei Personen. Aber er mittelt sich beim Summieren nicht weg: Ein Nenner aus n Zellen schleppt bis zu 2·n mit. Wer 26 Jahrgänge zu einer Altersgruppe zusammenzieht, hat bis zu 52 Personen Unschärfe im Nenner — unabhängig davon, ob die Gruppe 900 oder 900.000 Menschen umfasst.
Für große Gruppen ist das nichts. Für die kleinen, über die am lautesten gestritten wird, ist es der Unterschied zwischen einer Zahl und einer Behauptung. Deshalb steht in diesem Essay bei den deutschen Faktoren keine zweite Nachkommastelle.
Am 11. August hat unsere Recherche festgestellt, es gebe in Deutschland keine öffentliche Tabelle mit einzelner Staatsangehörigkeit, feinem Alter und Geschlecht in einer Kreuzung. Wir haben daraus einen Befund gemacht: Die entscheidende Kreuzung fehle.
Das war falsch. Die Tabelle gibt es. Sie liefert für den 31. Dezember 2025 26.280 Zellen aus Staatsangehörigkeit, einzelnem Lebensjahr und Geschlecht, für 195 Staatsangehörigkeiten.
Der Fehler lag bei uns. Unsere Anfrage an die Datenbank hatte einen Parameternamen ohne Ziffer — die Schnittstelle kennt ihn nicht, verwirft ihn kommentarlos, liefert die grobe Voreinstellung und meldet dazu: erfolgreich.
Daraus haben wir den Satz gelernt, der in diesem Issue am teuersten war:
Eine stillschweigend ignorierte Anfrage sieht in der Antwort genauso aus wie eine Abwesenheit in der Welt.
Wir hatten sogar das Richtige getan und die Achse im gelieferten Abzug nachgezählt statt im Tabellentitel. Es hat nicht gereicht. Wer die Antwort auf seine eigene fehlerhafte Frage nachzählt, zählt sauber das Falsche.
Seitdem gilt bei uns eine Regel, die auch für jede Zahl in diesem Essay gilt: Wer eine Abwesenheit behauptet, braucht eine Positivkontrolle — denselben Apparat einmal gegen einen Fall laufen lassen, dessen Ergebnis man kennt. Eine Negativaussage ohne Positivkontrolle ist eine Vermutung mit Erfolgsmeldung.
Der unangenehmste Teil kommt zum Schluss. Am 4. August stand in unserem eigenen, veröffentlichten Text bereits der richtige Satz: Der Nenner existiert. Das Finding vom 11. August widersprach damit unserem eigenen publizierten Text — und niemand hat es bemerkt. Wir prüfen jedes neue Ergebnis gegen die Quelle, gegen den Rechenweg, gegen die Verortung. Gegen das, was wir letzte Woche selbst geschrieben haben, prüfen wir es nicht.
Das ist eine echte Lücke in unserem Verfahren. Sie ist folgenlos geblieben, weil der Widerruf vor der Veröffentlichung kam. Beim nächsten Mal muss sie das nicht.
Noch eine Ebene tiefer, und es ist die letzte. Die Bevölkerungszahl, durch die wir teilen, ist gar keine gezählte Menschenmenge. Sie ist ein arithmetisches Mittel zweier Jahresendbestände, amtlich so definiert, und sie wird gerundet — wie, sagt der Qualitätsbericht nirgends.
Das klingt nach Wortklauberei und ist keine. Unser Rechenteam misst seit Tagen, dass die Summe der einzelnen Altersjahre die publizierte Randzeile um 13 bis 35 Personen übersteigt, in 126 von 126 Proben — aber erst ab 2011. Und genau auf dieses Jahr datiert die Quelle ihre eigene Mittelbildungsregel. Das ist ein starkes Indiz und kein bewiesener Mechanismus; wir schreiben es als das eine hin und nicht als das andere.
Eine gute Nachricht liegt darin auch. Der Bestand selbst trägt amtlich kein Geheimhaltungsverfahren — nur die Bilanzkomponenten sind gestört. Die Unschärfe unseres Nenners ist damit Rundung, nicht Rauschen, und Rundung ist beschränkt und im Prinzip sichtbar.
Eine dritte Stelle nennen wir, weil ein Leser sie sonst anderswo findet: Personen mit dem Geschlechtseintrag »divers« oder »ohne Angabe« werden per Zufall zu 50 zu 50 auf männlich und weiblich verteilt. Das sind 2.228 Menschen von 83 Millionen — 0,0027 Prozent, und keine Zahl dieses Essays bewegt sich dadurch in einer Stelle, die Sie sehen. Es ist trotzdem der einzige Punkt, an dem im deutschen Bevölkerungsbestand echter Zufall arbeitet, und er sitzt auf einer unserer beiden Achsen.
Bis heute hatten wir hier eine Schlagseite: Wir haben dem deutschen Apparat einen Abschnitt gewidmet und den dänischen ungeprüft als Maßstab benutzt. Das ist jetzt nachgeholt, und das Ergebnis fällt anders aus als erwartet.
Dänemark hat kein Gitter. Fünf Tabellen, 105.670 Zellen, 40.044 Additivitätsproben, null Abweichungen, keine unterdrückte Zelle — und dieselbe Probe findet an einer dänischen Tabelle, die in Tausend Personen publiziert, sofort 591 Abweichungen. Das Werkzeug ist nicht blind, es ist hier nur nichts zu finden. Stattdessen stehen 7.649 Zellen mit dem Wert 1 oder 2 offen im Netz — davon mindestens rund 4.500, die wirklich auf jeder Achse aufgeschlüsselt sind; der Rest sind Randzellen, die dieselbe Person ein zweites Mal zeigen. Die kleinere Zahl ist die tragende, und sie ist eine Obergrenze der Doppelzählung, kein zweiter Messwert.
Der Schutz liegt woanders: in einer geschlossenen, publizierten Liste der Merkmale, die überhaupt gekreuzt werden dürfen. Was nicht auf der Liste steht, gibt es als Tabelle nicht.
Deutschland publiziert die Kreuzung und verändert die Zahl. Dänemark publiziert die Zahl exakt, bis hinunter zur Eins, und verbietet die Kreuzung.
Beides ist Datenschutz. Beides ist dokumentiert. Der Unterschied ist, was Sie als Leserin davon merken: eine Zahl, die es so nicht gibt — oder eine Tabelle, die es sichtbar nicht gibt. Prüfen können Sie nur das Zweite.
Der Nenner für Deutschland existiert, feiner als wir dachten. Der Zähler existiert inzwischen auch, seit dem Berichtsjahr 2009 und dreistellig — er wird nur vor jeder Herausgabe auf zwei Werte zurückgruppiert, mit einer Begründung, die nicht Datenschutz heißt. Das steht in Abschnitt 30. Die deutsche Rechnung bleibt deshalb bei zwei Töpfen, und deshalb steht in diesem Essay Dänemark.
Und ein Punkt, den wir gestern noch als unbekannt hingeschrieben haben, hat sich bewegt: Ob die deutsche Strafverfolgungsstatistik ihre Zahlen rundet, sagt ihr Bericht weiterhin nicht. Aber gemessen ist sie jetzt — 10.260 Additivitätsproben in drei Richtungen über achtzehn Jahre, null Abweichungen. Der Zähler ist exakt, und das steht nun auf einem positiven Beleg statt auf einer Abwesenheit.
Das Dokument schweigt weiter. Die Zahlen tun es nicht mehr.
Offen an dieser Stelle
- Die Dokumentation der Strafverfolgungsstatistik (24311) schweigt weiterhin zu ihrem Geheimhaltungsverfahren; gemessen ist der Zähler jetzt exakt. Bleibt die kleinere Resthälfte der alten Frage: Gibt es die AUSKUNFT anderswo (Methodenband, Auskunftsdienst, Landesamt)? Sie entscheidet nichts mehr an einer Zahl — sie entscheidet, ob wir »Dokumentation schweigt« schreiben müssen oder »Verfahren bekannt«. Rang: niedriger als vor der Messung. → researcher
- Zwischen der dänischen Hauptregel (min. 3 Beobachtungen je Zelle) und den mindestens rund 4.500 offen publizierten Einzelzellen mit dem Wert 1 oder 2 (Obermenge 7.649) besteht eine Spannung, die der researcher messen, aber nicht auflösen konnte; die Ausnahmenliste des Dokuments deckt die Kriminalstatistik nicht. Wir behaupten NICHT, DST breche seine Regel — aber wer die Auflösung will, muss DST fragen. Kann die Stadt das (Auskunftsweg, nicht Recherche)? → hans
Hier entsteht eine Figur. Ihre Form ist entschieden, sie ist noch nicht gezeichnet. Sie soll zeigen: Dass der Zähler auf einem feinen und der Nenner auf einem groben Raster liegt — der Leser soll die Asymmetrie sehen, nicht über sie lesen.
Quelle Statistisches Bundesamt, Qualitätsberichte Ausländerstatistik 2025 und Bevölkerungsfortschreibung 2025 (je Abschnitt 1.7.2 Geheimhaltungsverfahren); GENESIS-Tabellen 12411-0009 und 12521-0003; BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik Jahrbuch 2019 Band 3 Abschnitt 1.3
Wie wir gemessen haben
Staatsangehörigkeit ist ein Ersatzmaß für Herkunft, kein Synonym — und jede Zahl dieses Issues ist nur so gut wie die Regel, nach der sie gebildet wurde.
Dieser Essay hat sich vier Regeln gegeben, bevor die erste Zahl gesucht wurde. Sie erklären, warum manche naheliegende Zahl hier fehlt.
Erstens: Staatsangehörigkeit ist ein Ersatzmaß, kein Synonym. Für Deutschland gibt es nichts Besseres — die Polizeistatistik kennt den Pass, nicht die Herkunft. Was dieses Ersatzmaß kostet, steht in Abschnitt 20 und ist in Dänemark beziffert: Fast die Hälfte der Menschen mit Einwanderungsgeschichte verschwindet daraus, und gleichzeitig geraten Menschen hinein, die gar nicht hier wohnen. Wir benutzen es, weil es das einzige ist. Wir tun nicht so, als wäre es dasselbe.
Zweitens: immer zwei Systeme. Wo es geht, steht neben den Verurteilten der Tatverdächtige — der eine Wert am Ende des Verfahrens, der andere am Anfang. Ein Abstand, den beide zeigen, ist schwerer wegzuerklären als einer, den nur eines zeigt. Deshalb ist in Abschnitt 30 nicht der Faktor die Nachricht, sondern seine Wiederholung.
Drittens: immer roh und adjustiert. Keine standardisierte Zahl ohne die rohe daneben, keine rohe ohne die standardisierte. Wer nur die eine zeigt, hat sich für eine Seite der Debatte entschieden, bevor er gerechnet hat.
Viertens: Gruppen innerhalb eines Landes, kein Länder-Ranking. Wir vergleichen nie die Kriminalität zweier Staaten. Solche Vergleiche scheitern an verschiedenen Strafrechten, Anzeigequoten und Erfassungsregeln. Alle Vergleiche in diesem Issue laufen innerhalb desselben Rechtssystems, gegen dessen eigene Mehrheitsbevölkerung.
Wir haben in einer dänischen Zeitreihe einmal 2015 als Basisjahr gewählt. Der Grund klang gut: Es ist das Jahr der großen Zuwanderung. Also der natürliche Nullpunkt, um zu messen, was danach passierte.
Der Grund war gut — und er lag außerhalb der Reihe. Er wusste nichts darüber, wo dieser Punkt innerhalb der Reihe liegt.
2015 ist der drittniedrigste von 24 Werten.
Von einer Talsohle aus gemessen ergibt jede Reihe ein Plus. Wir hätten »seit 2015 steigt die Rate« schreiben können, es wäre wörtlich wahr gewesen, und es wäre irreführend gewesen. Der Fehler stand einen Zyklus lang veröffentlicht und ist korrigiert.
Die Lehre steht seitdem in unserem Regelwerk: Ein Basisjahr, das man aus der Welt begründet, muss man in der Reihe prüfen. Beides ist nötig. Ein Basisjahr, das nur aus der Reihe begründet ist, ist Rosinenpickerei; eines, das nur aus der Welt begründet ist, ist blind.
Wir haben keine Zahl selbst erhoben. Jede Ziffer in diesem Essay stammt aus einer amtlichen Quelle, steht mit ihrem Bezugsjahr und ihrer Herkunft in unserer Recherche und lässt sich zurückverfolgen. Wo eine Zahl nur in einer Zwischenrechnung existierte, haben wir sie weggelassen.
Wir haben keine Ursachen gemessen. Dieser Essay sagt, wie groß ein Abstand ist, wie er sich bewegt und wie viel davon Alter, Geschlecht und soziale Lage erklären. Warum der Rest bleibt, sagt er nicht. Es gibt dazu Hypothesen — Diskriminierung, Segregation, Anzeigeverhalten, Kriegserfahrung, Perspektivlosigkeit. Wir haben keine davon gemessen, also behaupten wir keine.
Und wir haben die deutsche Kreuzung nicht gerechnet, obwohl der Nenner dafür seit dem 12. August vorliegt. Der Zähler fehlt in derselben Feinheit. Eine Rate aus einem feinen Nenner und einem groben Zähler wäre eine Zahl mit zwei Nachkommastellen und einer Aussage, die sie nicht trägt.
Das ist die unbefriedigendste Stelle dieses Issues, und sie bleibt sichtbar stehen, bis jemand sie schließt.
Hier entsteht eine Figur. Ihre Form ist entschieden, sie ist noch nicht gezeichnet. Sie soll zeigen: Dass die Wahl eines Basisjahres das Vorzeichen einer Reihe drehen kann — an unserem eigenen Fehler gezeigt, nicht an einem fremden.
Quelle Redaktionstext ohne eigene Primärquelle — er beschreibt das Verfahren hinter den Findings dieses Issues; jede genannte Zahl steht mit ihrem Beleg in den Abschnitten 20 bis 80
Die bessere Frage
Die ehrliche Antwort besteht aus zwei Zahlen, nicht aus einer — und wer sie kennt, stellt beim nächsten Mal eine präzisere Frage.
Erinnern Sie sich an die beiden Zwanzigjährigen vom Anfang. Eine mit deutschen Eltern, eine mit syrischen, dieselbe Stadt, dasselbe Alter.
Die Frage war: Ist die eine gefährlicher als die andere?
Die Antwort besteht aus zwei Sätzen, und beide sind wahr.
Der erste: Ja, zwischen den Gruppen, denen die beiden zugerechnet werden, gibt es einen realen Abstand. Er steht in zwei getrennt erhobenen deutschen Statistiken. Er schrumpft, wenn man für Alter und Geschlecht rechnet, und er schrumpft weiter, wenn man für Bildung rechnet — aber er verschwindet nicht. Nach allen Schnitten bleibt ungefähr das Doppelte.
Der zweite: Über die beiden Frauen sagt das fast nichts. Weil die überwältigende Mehrheit jeder dieser Gruppen keine Gewalttat begeht. Weil die Kategorie, in der wir rechnen mussten, in Wahrheit Dutzende sehr verschiedene Gruppen zusammenwirft. Und weil der Abstand sich bewegt — in Dänemark ist er über 25 Jahre gefallen, während sich der Einwandereranteil mehr als verdoppelt hat.
Wer nur den ersten Satz weitergibt, sagt die Wahrheit und erzeugt ein falsches Bild. Wer nur den zweiten weitergibt, ebenfalls.
Man hört oft, diese Frage solle man nicht stellen. Wir halten das für falsch — und zwar aus einem praktischen Grund, nicht aus einem prinzipiellen.
Eine Frage, die niemand beantwortet, verschwindet nicht. Sie wird nur woanders beantwortet, von Leuten, die sich um Nenner, Altersstruktur und Konfidenzintervalle nicht kümmern. Das Feld bleibt nicht leer. Es füllt sich mit dem Rohwert und mit dem Spitzenwert aus der dünnsten Zelle.
Die beste Antwort auf eine schlecht gestellte Frage ist eine besser gestellte.
»Sind Immigranten gewalttätiger?« hat einen Fehler, der nichts mit Politik zu tun hat: Sie enthält vier unbestimmte Begriffe. Immigranten — welche, erste oder zweite Generation, nach Pass oder nach Herkunft? Gewalttätiger — Tatverdacht oder Verurteilung, alle Delikte oder Gewalt? Als wer — als die Gesamtbevölkerung oder als Gleichaltrige desselben Geschlechts? Und stillschweigend: gemessen mit welchem Nenner, wenn zwei amtliche Register um 1,6 Millionen Menschen auseinanderliegen?
Jede dieser vier Unbestimmtheiten verschiebt das Ergebnis um mehr, als zwischen den politischen Lagern strittig ist. Das ist der eigentliche Befund dieses Issues.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht »sind die gefährlich«, sondern:
Welcher Mensch, welches Alter, welche Herkunft — und wie sauber gemessen?
Wenn Sie mit dieser Frage aus dem Text gehen statt mit einer Zahl, hat er getan, was er sollte.
Wir sind nicht fertig. Für Deutschland fehlt weiterhin der Zähler in der Feinheit, in der der Nenner seit Kurzem vorliegt. Wir wissen nicht, ob die Strafverfolgungsstatistik ihre Zahlen rundet. Wir kennen die Geheimhaltungsverfahren der dänischen Register nicht, auf die sich große Teile dieses Essays stützen. Und wir können nicht beziffern, wie viele Menschen die Kategorie »zweite Generation« jedes Jahr verlassen, weil ein Elternteil eingebürgert ist.
Das steht hier, weil es dazugehört. Ein Text, der am Ende so klingt, als wäre alles geklärt, hat entweder mehr gemessen als wir — oder weniger gesagt.
Hier entsteht eine Figur. Ihre Form ist entschieden, sie ist noch nicht gezeichnet. Sie soll zeigen: Rückblende auf die Doppelseite aus Abschnitt 10 — dieselben zwei Flächen, jetzt mit den zwei Zahlen darunter, die der Leser inzwischen einordnen kann.
Quelle Redaktioneller Schlussabschnitt ohne eigene Primärquelle — er fasst zusammen; jede genannte Zahl steht mit ihrem Beleg in den Abschnitten 20 bis 80